SZ

Bebauung der Mühlwiese in Herdorf
Nachbarn befürchten nasse Keller

Aus der Luft erkennt man das geplante Baugebiet in der Mühlwiese. Einige Anlieger der Hauptstraße in Richtung Betzdorf befürchten, dass die Bebauung beim nächsten Heller-Hochwasser nicht ohne Folgen bleibt.
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  • Aus der Luft erkennt man das geplante Baugebiet in der Mühlwiese. Einige Anlieger der Hauptstraße in Richtung Betzdorf befürchten, dass die Bebauung beim nächsten Heller-Hochwasser nicht ohne Folgen bleibt.
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damo Herdorf. „Wir brauchen Bauland“, sagt Uwe Erner, „und zwar dringend“. Und weil der Stadtbürgermeister mit dieser Einschätzung nicht allein steht, sind in der Mühlwiese die Bagger im Einsatz: Dort sollen zehn neue Bauplätze entstehen. Und schon jetzt, da gerade einmal die Erschließungsstraße im Gelände zu erkennen ist, sind alle Bauplätze verkauft.
Was aus städtebaulicher Sicht nach einer Erfolgsgeschicht klingt, ruft allerdings auch kritische Stimmen auf den Plan.

BUND kritisiert den Flä

damo Herdorf. „Wir brauchen Bauland“, sagt Uwe Erner, „und zwar dringend“. Und weil der Stadtbürgermeister mit dieser Einschätzung nicht allein steht, sind in der Mühlwiese die Bagger im Einsatz: Dort sollen zehn neue Bauplätze entstehen. Und schon jetzt, da gerade einmal die Erschließungsstraße im Gelände zu erkennen ist, sind alle Bauplätze verkauft.
Was aus städtebaulicher Sicht nach einer Erfolgsgeschicht klingt, ruft allerdings auch kritische Stimmen auf den Plan.

BUND kritisiert den Flächenfraß

Weil das Baugebiet in den Hellerauen entsteht, befürchten einige Nachbarn, dass wertvolle Überflutungsflächen verloren gehen. Und der BUND in Person von Wolfgang Stock prangert – einmal mehr – den Flächenfraß an.
Bei einem Ortstermin mit der SZ haben sich einige Nachbarn mit dem Umweltschützer getroffen. Ihr Fazit ist eindeutig: Hier dürfte nie und nimmer gebaut werden. Christel und Wilhelm Klein haben mehr als einmal gesehen, was mit dem Wasser geschieht, wenn die Heller Hochwasser führt: „Das sammelt sich auf der Wiese, und zwar bis hinten an den Waldrand. Dort wird eine Menge Wasser aufgefangen.“ Diese Einschätzung teilt auch ihr Nachbar Benno Peter Dollischek: „Künftig wird das Wasser nicht mehr ausweichen können. Dann haben wir es im Keller.“ Zumal im Zuge der Vorbereitungen für das Baugebiet Teile des Areals terrassiert worden sind.

Ortstermin in der Mühlwiese: Einige Nachbarn und Umweltschützer sehen das neue Baugebiet kritisch.
  • Ortstermin in der Mühlwiese: Einige Nachbarn und Umweltschützer sehen das neue Baugebiet kritisch.
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Auf der Mühlwiese besteht bereits seit 2006 Baurecht

In der Tat sind die bachnahen Wiesen zumindest sensibles Terrain: Im Jahr 2016 hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als zuständige Behörde ein Hochwasserschutzkonzept für die Heller auf den Weg gebracht. Und darin werden die Mühlwiesen als Retentionsraum ausgewiesen.
Allerdings: Der Bebauungsplan für die Mühlwiese ist älter – bereits seit 2006 besteht Baurecht. Und so wird das Satzungsrecht nicht berührt, erklärt Uwe Erner. Das aber heiße keineswegs, dass man das Thema Hochwasserschutz nicht ernst nehme, betont der Stadtbürgermeister. „Ich kann jeden verstehen, der sich da Gedanken macht – speziell nach der Katastrophe im Ahrtal“, sagt Erner. Aber: „Wir haben uns diesem Thema bei der Erstellung des Bebauungsplans natürlich intensiv gewidmet.“
Konkret bedeute das, dass nur ein kleiner Teil des möglichen Areals bebaut wird: „Die Wiesen sind um ein Vielfaches größer, aber weil eben der Hochwasserschutz berücksichtigt worden ist, haben wir das Gebiet kleiner gemacht.“

Kreisverwaltung hält an der Bebauung der Mühlwiese fest

Auch die Kreisverwaltung bestätigt auf Anfrage der SZ, dass der Bebauungsplan nach wie vor rechtskräftig sei – daran ändere die Hochwassersatzung aus dem Jahr 2016 nichts. Denkbar sei lediglich, dass im Rahmen der einzelnen Baugenehmigungen noch Auflagen gemacht würden.
Die Kritik des BUND geht über die Einwände der Nachbarn hinaus: Der BUND prangert – wie zuvor unter anderem bei Bauvorhaben in Betzdorf, Friesenhagen und Wissen – den Flächenverbrauch an. Jedes Stück Boden sei wertvoll und fördere die Artenvielfalt, argumentiert Stock. „Wir tun hier das Gegenteil von dem, was wir tun sollten“, moniert Stock.

BUND kündigt Widerspruch an

Auch dieses Argument will Uwe Erner so nicht stehenlassen – er kontert den Vorwurf im SZ-Gespräch: „Dass Bauland in Herdorf gefragt ist, sieht man ja auch daran, dass bereits alle Grundstücke verkauft sind.“ Das Areal an der alten Mühle liege sehr zentrumsnah und passe damit ins Konzept der Stadt: „Wir versuchen, nicht in die Außenbereiche zu gehen, sondern den Stadtkern vital zu halten – auch, um die vorhandene Infrastruktur sinnvoll zu nutzen.“ Und dazu gehöre neben dem Lückenschluss im Bereich Kesselstruth II eben auch die Bebauung der Mühlwiese.

Aus der Luft erkennt man das geplante Baugebiet in der Mühlwiese. Einige Anlieger der Hauptstraße in Richtung Betzdorf befürchten, dass die Bebauung beim nächsten Heller-Hochwasser nicht ohne Folgen bleibt.
Ortstermin in der Mühlwiese: Einige Nachbarn und Umweltschützer sehen das neue Baugebiet kritisch.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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