Neues Leben im »Hüttenwäldchen«

Bergbau- und Mineralienfreunde Herdorf sind mit dem Ausbau des Schaubergwerks fertig

damo Dermbach. »Es sieht aus, als ob gerade Mittagspause wäre und gleich wieder die Bergleute an die Arbeit gehen«: Mit diesen Worten beschreibt Dieter Prinz den »Hüttenwäldchen«-Stollen in Dermbach – und er muss es wissen. Denn als Vorsitzender der Bergbau- und Mineralienfreunde Herdorf/Siegerland hat er in den vergangenen neun Jahren unzählige Stunden in der alten Grube verbracht, um den rund 150 Meter langen Stollen zum Schaubergwerk auszubauen. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen: Am Donnerstag kommt das Bergamt zur Endabnahme vorbei.

Rund 9000 Arbeitsstunden haben Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer – zum Beispiel vom Stammtisch oder aus Reihen der Bollnbacher – im Stollen absolviert. Zuerst wurde die alte Strecke freigeräumt; mittlerweile kann man im Stollen bequem aufrecht gehen, ohne sich den Kopf zu stoßen. »Einige tausend Schubkarren Erde haben wir hier rausgeholt«, erzählt Prinz. Dann wurden alte Grubengleise verlegt und rund 20 Tonnen Kies in den Stollen gebracht. Zudem wurde der Stollen mit Strom versorgt – mittlerweile sind überall Strahler angebracht.

Außerdem mussten einige Auflagen des Bergamts berücksichtigt werden: Lose Platten mussten herausgebrochen werden, an manchen Stellen wurde die Decke verstärkt. »Das ist absolut sicher«, sagt Prinz ––aber ohnehin sei das Gebirge rund um den »Hüttenwäldchen«-Stollen sehr stabil. Mit von der Partie war der ehemalige Steiger Horst Moritz, der heute noch für das Bergamt tätig ist. Deshalb macht sich Prinz auch keine Sorgen, was den endgültigen Abnahme-Termin mit dem Bergamt betrifft: »Am Donnerstag wird nichts schief gehen, denn wir haben alle Auflagen des Bergamts umgesetzt.«

Damit ist das alte Bergwerk künftig für Gruppen zugänglich – bislang sind nur wenige Herdorfer in den Genuss gekommen, auf den Spuren ihrer Ahnen zu wandeln. So haben die Musiker des Bollnbacher Musikvereins ihre Weihnachts-CD in der Schachthalle der Grube eingespielt, und sowohl beim Stadtfest als auch beim 100-Jährigen des Westerwaldvereins gab es Führungen. Aber für die Öffentlichkeit ist der Stollen erst in einem halben Jahr zugänglich: Nach der Winterpause sollen ab März individuelle Führungen möglich sein. Eng wollen die Mineralien- und Bergbaufreunde mit dem Sassenrother Bergbaumuseum kooperieren: »Wenn sich da Gruppen anmelden, bekommen sie zuerst von Achim Heinz anschaulich die Theorie vermittelt– – und bei uns geht’s dann in den Stollen.«

Dort gibt es allerhand zu sehen: Nach einigen Metern haben die Männer um Prinz in einem alten Seitengang den Bergbau der Alten nachgestellt. Hier stehen zwei Figuren mit Hammer und Schlägel an der Arbeit; vor ihnen ein alter Grubenhund. Richtig eindrucksvoll ist die Schachthalle: Von hier führt rund 250 Meter tief ein Blindschaft abwärts. Früher waren hier zwei Förderkörbe unterwegs; eine Förderhaspel, Seilscheiben und ein dickes Stahlseil zeigen anschaulich, wie einst das Erz aus der Tiefe geholt wurde. Eindrucksvoll präsentiert sich auch der gemauerte Schornstein der alten Dampfmaschine. Nur vom alten Tagesschacht ist nichts mehr zu sehen: Als in den 1960er Jahren die Pingen des auf Kupfer und Eisen verliehenen Bergwerks eingeschossen wurden, stürzte auch der Tagesschacht in sich zusammen.

Knapp hundert Jahre nach ihrer Stilllegung ist die Grube »Hüttenwäldchen« jetzt also wieder zu neuem Leben erwacht. Und Prinz und seine Mitstreiter freuen sich sehr: »Überall gibt es Schaubergwerke – aber ausgerechnet in dem Bergbaudorf Herdorf hat nichts an diesen wichtigen Teil der Vergangenheit erinnert. Das hat sich jetzt endlich geändert.«

Bevor sich also im März der Eingang in ein weiteres Schaubergwerk öffnet, richtet der Verein noch eine stilvolle Barbarafeier aus: Im Dezember wollen die Bergbau- und Mineralienfreunde mit allen Helfern und Sponsoren untertage die Fertigstellung des Projekts Schaubergwerk feiern.

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