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Bergbaumuseum des AK-Kreises in Sassenroth vor ungewisser Zukunft
„Notfalls schließen“

Das Schaubergwerk ist beliebt bei den Besuchern des Bergbaumuseums (Archivfoto). Auch noch in einigen Jahren?
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

dach Sassenroth. Nicht nur im Schaubergwerk ist es duster: Genauso sieht es um die Zukunft des Bergbaumuseums in Sassenroth aus. Dass der Kreis Altenkirchen als Träger der 1986 etablierten Einrichtung einen hauptamtlichen Leiter verwehren wird, wenn „Amtsinhaber“ Achim Heinz im Sommer 2023 in Ruhestand geht, war bereits im vergangenen Jahr klar geworden. Da hatten sich die Fraktionen im Kreistag mühsam zu einer Haushaltskonsolidierung durchgerungen. Die Zahlen des Kreises waren einfach zu schlecht geworden.
Kreis will Trägerschaft aufgebenEnde Oktober dann berichtete die Verwaltung in einer Sitzung des Kreisausschusses, dass man die Trägerschaft des Museums gerne abgegeben würde, um der Kosten quitt zu werden (2019 etwa waren das für den Kreis 159 000 Euro).

dach Sassenroth. Nicht nur im Schaubergwerk ist es duster: Genauso sieht es um die Zukunft des Bergbaumuseums in Sassenroth aus. Dass der Kreis Altenkirchen als Träger der 1986 etablierten Einrichtung einen hauptamtlichen Leiter verwehren wird, wenn „Amtsinhaber“ Achim Heinz im Sommer 2023 in Ruhestand geht, war bereits im vergangenen Jahr klar geworden. Da hatten sich die Fraktionen im Kreistag mühsam zu einer Haushaltskonsolidierung durchgerungen. Die Zahlen des Kreises waren einfach zu schlecht geworden.

Kreis will Trägerschaft aufgeben

Ende Oktober dann berichtete die Verwaltung in einer Sitzung des Kreisausschusses, dass man die Trägerschaft des Museums gerne abgegeben würde, um der Kosten quitt zu werden (2019 etwa waren das für den Kreis 159 000 Euro). Hier kommen die Stadt Herdorf und die Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf ins Spiel. Es habe bereits ein erstes Gespräch gegeben, wurde im Kreisausschuss verlautbart.
Am Mittwochabend nun kam ein kleiner, aber bedeutender Passus hinzu, diesmal im Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf. In einer Mitteilung an den Ausschuss (die zwar auf Anregung aus dem Gremium in nicht-öffentlicher Sitzung verlesen wurde, allerdings in den öffentlich zugänglichen Unterlagen im Vorfeld zu finden war) heißt es, der Kreis wünsche, die „Trägerschaft für das Bergbaumuseum Sassenroth aufzugeben und die Einrichtung notfalls zu schließen“. Dabei bezieht sich die Daadener Verwaltung auf ein Schreiben aus Altenkirchen.

Üblicherweise rund 4000 Gäste pro Jahr

„Notfalls aufgeben“: Das wäre das Ende des Museums, das in einem normalen Jahr rund 4000 Gäste begrüßt. Im vergangenen Jahr waren es sogar rund 6000 Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die sich mit der Bergbaugeschichte der hiesigen Region in der Ausstellung und im Schaubergwerk beschäftigt haben. Das Corona-Jahr 2020 bietet sich eher nicht für einen Blick auf die Zahlen an, zumal die Einrichtung gerade zum zweiten Mal für längere Zeit geschlossen ist: die Pandemie.

Viele Grundschüler besuchen das Museum

Vor allem in der Arbeit mit Grundschulkindern hat sich das Museum um Leiter Achim Heinz und sein wirklich kleines Team in den vergangenen Jahrzehnten hervorgetan. Rund 45 Klassen sind von Januar bis Dezember durchschnittlich vor Ort. Und die Schüler huschen nicht nur an den Exponaten vorbei, sondern beschäftigen sich intensiv mit der Lebenswelt ihrer Ahnen – auch vorbereitend im Unterricht. Hinzu kommen übers Jahr Mineralienexkursionen, Kindergeburtstage und rund 20 Tage, an denen die Jugendpflegen aus der Umgebung die Angebote zum Eintauchen in die Montangeschichte nutzen (z.B. „Forschercamp“). Das alles geschieht im Übrigen grenzüberschreitend. Auch aus dem NRW-Teil des Siegerlands, etwa aus Neunkirchen oder Burbach, sind immer wieder Besucher oder eben ganze Klassenverbände in Sassenroth zu Gast.

Erner: Stadt Herdorf kann nicht einspringen

Deutet sich eine Lösung an, zöge der Kreis Altenkirchen sich tatsächlich zurück? Das ist offen. „Wir werden insbesondere mit der Stadt Herdorf Gespräche führen“, sagt Wolfgang Schneider, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf, auf Anfrage der SZ. Genau das sei ja die Zielrichtung des Kreises. „Wir werden die Köpfe zusammenstecken“, so Schneider. Es gebe genügend Vorlaufzeit, die es nun zu nutzen gelte. In der Tat: Ein Gespräch zwischen Stadt und Verbandsgemeinde hat es in dieser Sache noch nicht gegeben, so Uwe Erner. Der Stadtbürgermeister machte auch keinen Hehl aus dem Umstand, dass er für „seine“ Kommune eher keine Möglichkeiten sieht, hier in die Bresche zu springen, schon gar nicht als alleinige Trägerin: „Das ist ja keine kleine Einrichtung.“ Von daher habe er sie beim Kreis auch stets gut aufgehoben gesehen. Eine komplette Übernahme halte er – auch ohne sich mit dem Stadtrat darüber ausgetauscht zu haben – für „praktisch ausgeschlossen“. Zumal Herdorf mit dem Hüttenhaus bereits kulturell einige Anstrengungen für die Region unternehme. Die pädagogische Leistung des Museums zur „Bildung unseres Nachwuchses“ schätzt Erner indes sehr hoch ein. Auch das Wissen rund um den Bergbau, das hier angehäuft worden ist: „Das ist ein kleines Kompetenzzentrum.“
Interessant sind im Übrigen auch die Eigentumsverhältnisse: Das Grundstück, auf dem das Museum beheimatet ist, gehört der Stadt Herdorf – und damit auch das Gebäude an sich. Allerdings nutzt der Kreis das Areal der ehemaligen Schule seit jeher kostenfrei.

Kreis: Trägerwechsel vorrangiges Ziel „Eine Schließung wurde bisher nicht beschlossen und ist als solches bisher auch nicht in den Gremien diskutiert worden“: Das ist eine der Kernaussagen der Kreisverwaltung in ihrem Antwortschreiben auf eine umfangreiche Anfrage der SZ rund ums Thema Bergbaumuseum. Verwiesen wird darin auf die künftige Streichung der Leiter-Stelle und dass der Kreisausschuss übereingekommen sei, dass „die Finanzierung im jetzigen Umfang für den Kreis auf Dauer nicht zu leisten sein wird“. Die ADD Trier als Kommunalaufsicht habe den Zuschussbedarf des Museums angemahnt. Auch der Landesrechnungshof habe gefordert, hier etwas zu unternehmen. Hinzu komme, dass im Museum 34 Jahren nach seiner Eröffnung eine „Inwertsetzung der Ausstellungsräume und der Ausstellung selbst“ angebracht wären: „Die dazu nötigen Investitionen kann der Landkreis auf keinen Fall aufbringen.“ Zum Stellenwert der Bergbautradition im „kollektiven Gedächtnis“ des AK-Landes befragt, heißt es: „Im Kreis Altenkirchen gibt es zwischen Willroth und Brachbach vielfältige und auch viele ehrenamtliche Initiativen, die die Erinnerung an den Bergbau auf unterschiedlichste Weise wach halten. Der Bergbau hat unsere Region nachhaltig geprägt und das darf und wird nicht verloren gehen! Das Bergbaumuseum deckt ein großes Stück in dieser Palette ab, vor allem die pädagogische Arbeit mit der jungen Generation. Der Kreis Altenkirchen sieht daher natürlich eine große Verantwortung für sein Museum, die Sachwerte im Museum und für die historische Bedeutung des Bergbaus für unsere Region. Daher ist der Trägerwechsel ja vorrangiges Ziel.“
Das Schaubergwerk ist beliebt bei den Besuchern des Bergbaumuseums (Archivfoto). Auch noch in einigen Jahren?
Eine „Inwertsetzung der Ausstellungsräume und der Ausstellung selbst“ sei angebracht, so die Kreisverwaltung. Dafür aber sei kein Geld da (Archivfoto).
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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