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"Lotte" im Glück
Notruf für Eichhörnchen

Elias (l.), vermutlich fünf Wochen alt, und Lotte, vier Wochen, geht es in Herdorf bzw. in Kausen sichtlich gut. Über den Eichhörnchennotruf sind die Tiere bei Aline Schlosser (l.) und Mareike Schuh gelandet – und werden nun gepäppelt, um sie auszuwildern.
  • Elias (l.), vermutlich fünf Wochen alt, und Lotte, vier Wochen, geht es in Herdorf bzw. in Kausen sichtlich gut. Über den Eichhörnchennotruf sind die Tiere bei Aline Schlosser (l.) und Mareike Schuh gelandet – und werden nun gepäppelt, um sie auszuwildern.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Kausen/Herdorf/Eichen. „Lotte“ hatte einen schweren Start ins Leben. Sie hatte noch nicht einmal die Augen aufgemacht, da lag sie bereits hilflos in einem verwilderten Blumenbeet in der Sonne und kroch mit dem nahenden Schatten um die Wette.

Doch Lotte hatte auch großes Glück, und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Denn das kleine Eichhörnchen wurde nicht nur von Lisa Hirsch beim Unkrautjäten in Kreuztal-Eichen gefunden, Lotte wird nun bei Mareike Schuh in Kausen aufgepäppelt. Und die gute Nachricht gleich vorweg: Der kleinen Nagerin geht es bestens.

An Gründonnerstag entdeckte Lisa Hirsch das Eichhörnchen im Garten und zückte gleich das Smartphone: Über die Internetsuche fand sie den Eichhörnchen-Notruf (siehe Kasten).

dach Kausen/Herdorf/Eichen. „Lotte“ hatte einen schweren Start ins Leben. Sie hatte noch nicht einmal die Augen aufgemacht, da lag sie bereits hilflos in einem verwilderten Blumenbeet in der Sonne und kroch mit dem nahenden Schatten um die Wette.

Doch Lotte hatte auch großes Glück, und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Denn das kleine Eichhörnchen wurde nicht nur von Lisa Hirsch beim Unkrautjäten in Kreuztal-Eichen gefunden, Lotte wird nun bei Mareike Schuh in Kausen aufgepäppelt. Und die gute Nachricht gleich vorweg: Der kleinen Nagerin geht es bestens.

An Gründonnerstag entdeckte Lisa Hirsch das Eichhörnchen im Garten und zückte gleich das Smartphone: Über die Internetsuche fand sie den Eichhörnchen-Notruf (siehe Kasten). Sie wählte die Nummer, kam zwar nicht gleich durch, wurde aber zurückgerufen. „Ich sollte ein Video von dem Eichhörnchen machen, damit man das ungefähre Alter bestimmen konnte“, berichtet Hirsch beim Telefonat mit der SZ. Vom Notruf-Team bekam sie außerdem dem Tipp, das kleine Tier zusammen mit einem Handtuch und einer Flasche mit warmen Wasser in eine Kiste zu legen. „Das Kleine hat sich direkt an die Flasche geschmiegt.“

Dann kam ein Anruf von Mareike Schuh. Die beiden Frauen verabredeten ein Treffen in Freusburg. Schuh nahm Lotte, wie sie später „getauft“ werden sollte, mit nach Hause.
Und hier fühlt sich das Eichhörnchen sichtlich wohl. „Wir sind Päppler“, erklärt Mareike Schuh – und meint damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Schwester Aline Schlosser aus Herdorf.
Als „Lotte“ in Kausen eingezogen ist, war zeitgleich ein weiteres Eichhörnchen dort. „Nur der ,Malte’“, sagt Mareike Schuh – gleich mit dem Verweis, dass ihre Tochter die Namen für die Tiere aussuche.
Aber gerade jetzt, im Frühjahr und auch danach im Sommer, ist bei Schuhs eine Menge los. Beim Besuch der SZ waren es vier Tiere. Dann kam ein Anruf aus Weyerbusch – und schwups, ein fünftes hinzu.

Sind die Eichhörnchen noch ganz klein – wie „Lotte“, die erst am Ostersonntag beide Augen aufgemacht hat, – kommen sie zunächst in ein kleines Säckchen und dann, man muss es so ausdrücken, an die Brust. „Wir tragen die Tiere am Herzen, da ist es warm, sie hören den Herzschlag“, sagt Aline Schlosser.

In dieser Zeit werden die Tiere mit einer speziellen Milch gefüttert – und das manchmal alle zwei Stunden. Mareike Schuh: „Ich hab’ auch nachts schon gedacht: Was tust du dir hier an? Und dann guckt es dich an und du denkst: Genau deswegen.“

Dabei ist das Päppeln gar nicht mal so einfach. Zum Beispiel kann es bereits bloß beim Trinken zu Zwischenfällen kommen, die in eine Lungenentzündung münden. Das ist auch der Grund, warum Mareike Schuh dafür plädiert, die Tiere in fachmännische Hände abzugeben und es mit dem Kümmern nicht auf eigene Faust zu versuchen: „Das Eichhörnchen hat wie wir Menschen eben nur ein Leben.“
Wenn sie etwas größer werden, kommen sie in eine Volière im Wohnzimmer. Hier gibt es dann auch „feste Nahrung“, etwa Obst. Wenn die Eichhörnchen dann immer agiler werden, kommt eine Volière ins Spiel, die in dieser Form auch in jedem Tierpark stehen könnte. Im Keller einer Scheune ist das Gehege eingerichtet, mit jeder Menge beweglichen „Klettergerüsten“. Dass alles wackelt, ist dabei ganz wichtig, wie Mareike Schuh betont: „In der Natur wackelt auch alles.“

Wenn sie dann sicher springen und landen – und auch gelernt haben, Nüsse zu knacken – wird an der Volière, die auch einen Außenbereich hat, eine kleine Klappe geöffnet. Hier können die Eichhörnchen, etwa mit 14 Wochen, dann in die „Freiheit“ flitzen. Wobei manches Exemplar schon mal mehrere Anläufe braucht. Schließlich geht es den Tieren in Kausen wirklich gut. „Amy“ beispielsweise musste dreimal in einen Kirschbaum gesetzt werden, bevor sie sich selbst ausgewildert hat.

Das „Erweckungserlebnis“ für Mareike Schuh war ein Eichhörnchenfund im Garten ihres Onkels. Da war es um sie geschehen. „Wenn Sie einmal ein Eichhörnchen gepäppelt haben…“ Das kann auch Aline Schlosser so unterschreiben. Seit vergangenem Jahr sind sie beim Eichhörnchennotruf aktiv, werden informiert, wenn in der Nähe ein Tier Hilfe benötigt. Wie das aus Weyerbusch. Als es in Kausen ankommt, schaut Mareike Schuh es gleich mal an. Und auch ihre Schwester riskiert einen Blick: „Oh, du bist aber ein Süßer.“

„Lotte“ hat also, bei genauerer Betrachtung, eigentlich doch einen guten Start ins Leben gehabt. Zwar ist sie irgendwie aus dem Kobel ihrer Mutter geplumpst, aber danach hätte sie es besser kaum antreffen können. Und so wird sie zwar kein Siegerländer Revier durchstreifen, wie ihre Eltern, aber im Westerwald, so erzählt man sich in Eichhörnchenkreisen, soll man es auch ganz gut aushalten können.

Der Eichhörnchen Notruf e. V. ist bundesweit aktiv und verfügt nach eigenen Angaben über ein bundesweites Netzwerk von kompetenten Ansprechpartnern, Auffang- und Auswilderungsstationen. Wichtigste Einrichtung ist das Servicetelefon. An die (07 00) 20 02 00 12 kann man sich täglich von 10 bis 12 Uhr und17 bis 19 Uhr wenden, wenn man ein hilfloses Eichhörnchen findet (von März bis September, auch an Wochenenden und Feiertagen). Hier stellen die Damen des Telefonteams dann Kontakt zu einer Auffangstation in der Nähe her. Unter der Internetadresse www.eichhoernchen-notruf.com gibt es weitere Informationen, unter anderem „Die zehn wichtigsten Schritte“, für den Fall, dass man eines der Tiere findet.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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