Religion mit Humor genommen

Jürgen Becker nahm im vollen Hüttenhaus die Weltreligionen mit Humor.  Foto: mom

mom Herdorf. Zu einem verbalen Rundumschlag gegen die Auswüchse der Religionen holte der Kölner Kabarettist Jürgen Becker am Samstagabend im voll besetzten Hüttenhaus aus. Dabei traf die rheinische Frohnatur mit spitzer Zunge zielsicher den Nerv des Publikums, das die Thematik genau so sah, wie Jürgen Becker es empfahl: mit viel Humor.

Fachlich fundiert, führte Becker mit Wortwitz und verblüffend einfachen Schlussfolgerungen seine Zuhörer zurück zu den Anfängen menschlicher Religiosität, machte mit reichlich Gestik und Mimik und nur wenigen Requisiten jedem im Saal klar, wie denn der Mensch überhaupt auf die Idee gekommen sei, dass im Himmel übernatürliche Mächte am Werke seien.

Munter plaudernd, führte er durch die lustige Welt der griechischen und römischen Götter, deren Anhänger sich gegenseitig tolerierten, wohl wissend, dass es sich dabei ja um dieselben Götter handelte – sie hatten nur verschiedene Namen. In der Hauptsache ging es Jürgen Becker aber um die drei großen monotheistischen Religionen, an denen er kaum ein gutes Haar ließ. Besonders der Klerus mit seiner all zu häufigen Doppelmoral sorgte für zahlreiche Lacher. Im Grunde findet Becker Religionen mit nur einem Gott langweilig, weil „im Himmel nichts los ist“.

Das habe die katholische Kirche auch frühzeitig erkannt und entsprechend den Himmel wieder etwas gefüllt, mit einem dreifaltigen Gott, der Mutter Gottes („ohne Frauen geht es nicht“) und vielen Heiligen, die meisten davon wurden kurzerhand der germanischen Götterwelt entliehen und umbenannt.

Befremdend fand Becker die Tatsache, dass der Heilige Christopherus laut päpstlicher Anordnung seine Schutzfunktion verloren, ja nie innegehabt habe: „Aber er hat doch funktioniert“, stellte Becker fest. Einen Crashkurs gab es ebenfalls in der Geschichte von Judentum und Islam, und das Fazit von Beckers interessanten und vor allem lustigen Ausführungen war die verblüffend einfache Feststellung: Die drei monotheistischen Religionen sind nur aus einem Grund seit Jahrtausenden so sehr verfeindet – sie sind sich zu ähnlich.Alle drei beriefen sich auf Abraham als Urvater ihres Volkes, und die jüdische Thora sei Basis der heiligen Schriften aller Glaubensanhänger von Islam, Judentum und Christentum. Und – überhaupt nicht lustig – die verheerenden Kriege in der Geschichte der Menschheit gingen alle genau aus diesem Konflikt hervor. Viel Stoff zum Nachdenken also, den Jürgen Becker lieferte. Und er verpackte seine theologischen Ansichten ebenso wie sein fundiertes Wissen um Geschichte, Evolution und Mythologie in seiner unverwechselbar kölschen Art, so dass sich alle damit wohl fühlen und vor allem herzhaft lachen konnten.Und zur Feier eines ganz besonderen katholischen Festes stimmte der Chor der Hüttenhausbesucher dann auch gerne lauthals mit ein: Karneval.Im Grunde plädiert Becker für den Erhalt der Religionen, die er allerdings als Mythologien ansieht, denn eins will er auf keinen Fall: dass all die wunderbaren Geschichten, die Religionen zu erzählen haben, je verloren gehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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