Dermbacher Sitzung im Zeichen des Abschieds von Natascha Bohl
Reverenz an eine Königin

Natascha Bohl hat mit 14 Sitzungen als Sitzungspräsidentin in Dermbach Karnevalsgeschichte geschrieben. Nun gibt sie ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen auf. Nicht nur ihr „Vize“ Peter Schneider bedauert das.
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  • Natascha Bohl hat mit 14 Sitzungen als Sitzungspräsidentin in Dermbach Karnevalsgeschichte geschrieben. Nun gibt sie ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen auf. Nicht nur ihr „Vize“ Peter Schneider bedauert das.
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goeb Dermbach. Eine ausgelassene und gleichzeitig von einem Schuss Wehmut durchzogene Karnevalssitzung erlebte das kleine Dermbach am Samstag in der vollbesetzten Turnhalle. Wobei Natascha Bohl, die in 14 Sitzungen als Präsidentin den Hut aufhatte und nun aus gesundheitlichen Gründen aufhört, von Besinnlichkeit nichts wissen wollte. Vergnügt und beschwingt führte sie an der Seite von „Vize“ Peter Schneider durch einen Abend, gespickt mit erwarteten und unerwarteten Höhepunkten und gewürzt mit allerhand Unvorhergesehenem.

Denn angesichts der vielen Überraschungsgäste, die der heimlichen Königin von Dermbach die Reverenz erweisen wollten, hinkte der Zeitplan bald eine gute Stunde hinterher. Was für ein Glück, dass Improvisationstalent eine Kernkompetenz der Erzieherin ist. Fröhlich, neugierig und absolut locker ließ sie sich auf alles ein, was da um die Ecke biegen sollte, auch wenn der Unwahrscheinlichkeitsfaktor grenzenlos war. Wie ist es zum Beispiel möglich, dass der versammelte DJK-Adel, der zeitgleich wohlgemerkt eineinhalb Kilometer weiter seine eigene große Sitzung am Laufen hatte (siehe Seite 6), in Dermbach aufschlug und Prinz Dirk der Sitzungspräsidentin mit Knicks einen Strauß Blumen überreichte?

Auch erweckte der KG-Hochadel um Prinz Peter IV. (Bohl) den Eindruck, als wolle er gar nicht mehr weg aus der Vorstadt. Das lag sicher an der süßen Heimatluft, die der Regent schnupperte. Man machte der KG den Abgang natürlich schwer, denn „das Feier-Biest“ Peter IV. durfte, umringt vom Gefolge, in einem eigens für ihn gebauten „Peter-Mobil“ Kamelle werfend in die Halle einfahren. Ja, wo gibt es denn sowas?

Und als dann noch der Musikverein, unterstützt von der E-Gitarre, den Westernhagen-Hit „Sexy“ spielte, da war kein Halten mehr. Eingeübt mit dem Publikum hatte man zuvor den umgearbeiteten Text des Liedes: „KG – ihr habt den Bohl zu unserm Prinz gemacht,/KG – er ist ein Supertyp, der scherzt und lacht./Oh yeah – beim Feiern säuft er jeden untern Tisch,/O weh, sein Prinzenteam und ganz besonders dich“ (wobei alle auf den KG-Vorsitzenden Thomas Otterbach zeigten). Das dürfte eingehen in die Karnevalsgeschichte der Region.

Ordenbehängt und bejubelt für die tolle Rede in Reimen, genossen auch die Herkersdorfer Prinzen (aus dem Regenbogen) Dennis I. und Jens I. (Dapprich) das Bad in der Menge. „Über euch habe ich schon viel in der Zeitung gelesen“, sagte Natascha Bohl amüsiert, die sich über den Besuch der Nachbarn freute und mit ihrem Kommentar zeigte, dass es in der Hoch-Phase des Karnevals eine Fülle von Terminen gibt, die sich überschneiden.

Wer es zeitlich irgendwie einrichten konnte, der erwies der Scheidenden die Ehre. Eigentlich sollten Ortsvorsteher Berthold Buchen und sein Sassenrother Kollege Sven Peter Dielmann ihr Geschick im Biertrinken unter erschwerten Bedingungen („Biergalgen“) unter Beweis stellen, aber Buchen war erkrankt – und so schlug sich dessen Stellvertreter Michael Alef wacker. Letzterer zog sich danach eine Buchen-Maske über und Natascha Bohl gab eine Buchen-Anekdote vom Sommer preis, die manchem im Saal vom Stuhl kippen ließ.

Die muss trotz Platznot noch an dieser Stelle erzählt werden: Berthold Buchen, verdienter Mann zum Schutz des Waldes, war im Sommer mit dem Roller gestürzt. Hinten drauf hatte er eine Borkenkäfer-Falle, die sich bei dem Sturz geöffnet hatte. Das Millionenheer der Insekten nutzte die Gunst des Augenblicks und krabbelte über die Straße. Buchen, in Panik, versuchte die Tierchen gleichzeitig mit den Händen zurückzuschaufeln in die Falle und sie plattzukloppen. Dafür bekam Alef alias Buchen die „Greta-Thunberg-Gedächtniszöpfe“ umgehängt.

„Zwischendurch“ verlieh die Präsidentin so manchem Unglücksraben einen Sonderorden, z.B. Daniela Eisel, die sich irrtümlich die Rheumasalbe ihres Mannes auf die Zahnbürste geschmiert hatte. Neben all der Prominenz, die sich die Klinke in die Hand gab, überzeugte der Dermbacher Karneval auch mit seinem regulären Programm. Zu dem Gassenhauer „Süße Natascha, nur du allein!“ wirbelten die 16 Kinder der Minitanzgruppe (Trainerinnen: Ilonka Schneider/Iris Flender) über die Bühne, hatten ihre Nichte Greta sowie deren Cousine Emma ohne Trainerin einen Showtanz eingeübt und gaben die Herdorfer Rhythmusmaschinen mit „Rock am Stock“ seniorentaugliches Männerballett vom Feinsten (Jens Dapprich/Sarah Stark).

Nach einem kfd-Sketch über eine Online-Ärzteberatung verzauberte die Kindertanzgruppe, gekleidet in türkis-blaue Paillettenblusen, die Gäste mit einem Unterwasser-Ballett. Die „Strolche“ des Knappenvereins Herdorf zeigten ihren Gardetanz (Trainerin: Paula Hof). Und als Natascha Bohl und Sissi Schneider ein letztes Mal in die Rolle von Else und Milli schlüpften, erhoben sich im Publikum alle von den Stühlen.

Noch viele weiter Highlights gab es zu bestaunen, bevor der Showtanz der Jugendtanzgruppe (Theresa Alef) vor dem Finale in der Nacht den Schlusspunkt setzte: den Showtanz der „Golden Girls“ etwa (Trainer: Jens Dapprich, Leon und Michaela Kopac), den Showtanz „Candyland“ der neuen Gruppe „24 and more“ (Theresa Alef) oder (im neuen Kostüm) das talentierte Solomariechen Klara Drost (Trainerin: Yvonne Drost). Und mit ihrem Auftritt „Wasserballett“ zeigte die Feuerwehr, wofür die Männer in Blau noch alles zu gebrauchen sind.

Und so geht eine Ära im Dermbacher Karneval zu Ende. VIP-Gast Stadtbürgermeister Uwe Erner, der beim Bilderrätsel im Wettstreit mit dem Publikum natürlich nicht gewinnen konnte, brachte es auf den Punkt. Er hatte den seltenen „Annemarie-Orden“ für sie mitgebracht, der sonst nur im Rathaus verliehen wird. „Ich glaube“, sagte er, „du hast den Dermbacher Karneval auf ein ganz besonderes Niveau gehoben.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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