„Tierisch“ gut

Die vielen Kinder im Publikum bekamen im Herdorfer Hüttenhaus ein hochwertiges Unterhaltungsprogramm fernab von Playstation und Fernseher geboten.  Fotos: aww
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aww Herdorf. Das war schon ein „tierisch“ gutes Erzähl-Konzert, das die zahlreichen Besucher des Herdorfer Hüttenhauses am Samstagabend auf ihren Sesseln bannte. Und ein schöner Beweis dafür, dass die Kinder des 21. Jahrhunderts auch noch für andere Dinge zu haben sind als PC, Playstation und Fernseher.

Im Mittelpunkt des Abends, zu dem die Kulturfreunde Herdorf eingeladen hatten, stand nicht nur der bekannte Kabarettist Konrad Beikircher, im Übrigen auch Musiker und Komponist mit einem Studium der Musikwissenschaft, also ein Mann mit einer ausgeprägten Neigung zur Tonkunst, sondern auch ein Ensemble der rheinland-pfälzischen Villa-Musica-Stiftung, das als kammermusikalisches Orchester für den wunderschönen klingenden Rahmen verantwortlich zeichnete. Beikircher oblag es, den vielen kleinen Besuchern – die Erwachsenen waren deutlich in der Unterzahl – die Geschichten dazu zu erzählen. Und das tat er auf seine ganz eigene Weise. Um Tiere ging es viel, aber auch um Menschen. Zum Beispiel bei „Peter und der Wolf“, Sergej Prokofjews berühmtem musikalischen Märchen für Erzähler und Orchester op. 67.

Nach einem kurzen Exkurs, wie der Name des Komponisten richtig auszusprechen sei, erklärte Beikircher seinen jungen Zuhörern zunächst einmal die Rollenaufteilung: die Flöte für den Vogel in der Luft, die Oboe für die behäbig watschelnde Ente, die Klarinette für die auf leisen Pfoten, aber trotzdem ein bisschen tapsig daherkommende Katze, die drei Hörner für den gefährlichen Wolf und so fort. Ganz still lauschten die Zuhörer dann der schönen Musik, etwa den bekannten Leit-Melodien des Vogels und des mutigen Jungen Peter, der schließlich den großen, grauen Wolf überlistet. Beikircher trug den Text in einer eigenen Fassung vor und brachte dabei seine Stimme facettenreich zum Einsatz: Den Großvater etwa ließ er rheinischen Dialekt sprechen.

Richtig witzig, auch weil ausgesprochen nah an der heutigen Lebensrealität, setzte Konrad Beikircher nach der Pause den „Karneval der Tiere“, eine „Große zoologische Fantasie“ („Carnaval des Animaux – Grande fantaisie zoologique“) von Camille Saint-Saëns in Szene, eine Stückfolge, mit denen der Franzose ursprünglich Komponistenkollegen und Musiker karikiert hat.

Bei Beikircher wurden die „Löwenmänner“ etwa zu Schul-Hausmeistern, „Fossilienmänner“ zu denen, die immer nur von früher erzählen, die Elefanten zu gemütlichen Patenonkeln und der Kuckuck zu denjenigen Zeitgenossen, die nichts anderes zum Besten zu geben wissen als ihr ewig gleiches „Ich hab’s ja gleich gewusst“ und „Nä, nä, nä“. Zu den „sterbenden Schwänen“ in Gestalt von seufzenden Tanten wollte der Kabarettist dann gar nichts mehr ausführen – weil die Musik einfach so schön sei.Hatten die jungen Besucher bei „Peter und der Wolf“ eher andächtig zugehört, gaben sie beim „Karneval der Tiere“ ihrem Vergnügen mit manchem Lacher Ausdruck. Auch gab es Szenenapplaus für die Musiker (Beikircher hatte die Kinder dazu ermuntert, sollte ihnen ein Stück gefallen). Verdientermaßen, denn das Ensemble mit einer ganzen Reihe von Villa-Musica-Stipendiaten und den beiden Dozenten Ognjen Popovic (Klarinette) und Eszter Haffner (Violine) spielte auf sehr hohem Niveau und erwies sich als kongenialer Partner Konrad Beikirchers.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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