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Förster Schaefer plädiert: „Raus aus dem Katastrophenmodus"
Willkommen im Gemischtwaldladen

Revierförster Bernd Schaefer hat jetzt eine Waldbegehung für knapp zwei Dutzend Haubergsgenossenschaften und Waldinteressentenschaften organisiert. Dabei gab’s nur eine Blickrichtung: nach vorne. Hier präsentiert der Förster einen jungen Mammutbaum.
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  • Revierförster Bernd Schaefer hat jetzt eine Waldbegehung für knapp zwei Dutzend Haubergsgenossenschaften und Waldinteressentenschaften organisiert. Dabei gab’s nur eine Blickrichtung: nach vorne. Hier präsentiert der Förster einen jungen Mammutbaum.
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damo Dermbach. Klar, Waldbesitzer haben derzeit jedes Recht, lautstark zu jammern. Ein einziger Blick auf einen x-beliebigen Fichtenwald lässt erahnen, wie groß ihre finanziellen Einbußen sind: Viele haben ihr gesamtes hiebreifes Nadelholz und damit alle Einnahmen der kommenden Jahre verloren. Und das ist nur der ökonomische Aspekt – leider sind auch die psychologischen Folgen der aktuellen Lage gewaltig: Schließlich tut es weh zu sehen, wie die Kräfte einer gebeutelten Natur in nur zwei Sommern das Vermächtnis einer ganzen Generation von Waldbauern vernichten. Noch ist kein Ende in Sicht, Tag für Tag lassen weitere Fichten ihre Nadeln zu Boden rieseln. Und es gibt nichts, was das Drama stoppen könnte.

Also: Man könnte jammern und klagen. Aber man könnte es auch sein lassen.

damo Dermbach. Klar, Waldbesitzer haben derzeit jedes Recht, lautstark zu jammern. Ein einziger Blick auf einen x-beliebigen Fichtenwald lässt erahnen, wie groß ihre finanziellen Einbußen sind: Viele haben ihr gesamtes hiebreifes Nadelholz und damit alle Einnahmen der kommenden Jahre verloren. Und das ist nur der ökonomische Aspekt – leider sind auch die psychologischen Folgen der aktuellen Lage gewaltig: Schließlich tut es weh zu sehen, wie die Kräfte einer gebeutelten Natur in nur zwei Sommern das Vermächtnis einer ganzen Generation von Waldbauern vernichten. Noch ist kein Ende in Sicht, Tag für Tag lassen weitere Fichten ihre Nadeln zu Boden rieseln. Und es gibt nichts, was das Drama stoppen könnte.

Also: Man könnte jammern und klagen. Aber man könnte es auch sein lassen. Meint zumindest Bernd Schaefer. Nicht, dass der Kirchener Revierförster kein Verständnis für die Sorgen und Nöte der Waldbauern hätte. Ganz im Gegenteil. Aber gerade deshalb hat er jetzt eine Waldbegehung für zwei Dutzend Haubergsgenossenschaften organisiert, die sich spürbar von der Masse ähnlich gelagerter Veranstaltungen abgehoben hat. Schaefer hat nämlich weder das allgegenwärtige Problem der Holzvermarktung thematisiert noch über den Mangel an Arbeitskräften für die Aufarbeitung der Kalamitäten gesprochen. Er hat nicht über die dritte und vierte Käfergeneration geredet und nicht viel davon gesagt, welche Hürden beim Beantragen von Fördermitteln zu nehmen sind. Nein, er hat nach vorne geschaut: „Wir müssen aus dem Katastrophenmodus raus“, lautet sein Credo. Und dann kommt man zwangsläufig bei der Frage an: Wie kann der Wald der Zukunft aussehen?

Mögliche Antworten hat der Förster seinen Zuhörern im Dermbacher Hauberg präsentiert – und zwar in Form ehemaliger Kahlflächen, auf denen mittlerweile schon wieder etwas wächst. Manche Flächen davon stammen noch aus Zeiten von Kyrill, andere gehen aufs Konto des Borkenkäfers. Aber sie alle haben eine Schnittmenge, die Mut machen kann – zeigen sie doch, dass es Antworten geben kann.

Das wirklich Außergewöhnliche an Schaefers Führung aber ist die Praxisnähe: Zu jedem Waldbild kann er genaue Kosten vorlegen – sodass sich die Haubergsgenossenschaften mit Blick auf ihren Kassenstand das passende Modell aus Schaefers Gemischtwaldladen heraus- picken können. Und die Angebotspalette, die der Förster den Exkursionsteilnehmnern präsentiert hat, ist groß.

Wie wär’s zum Beispiel mit: Mammutbäumen? Richtig, General Sherman, der voluminöseste aller Bäume dieses Planeten, lässt grüßen. Schaefer hat sie im Topf pflanzen lassen, und das hat sich bewährt: Die jungen Pflanzen haben allesamt dem trockenen Sommer 2019 getrotzt. „Null Ausfälle“, konstatiert Schaefer. Allerdings: Bei dieser Neuanpflanzung handelt es sich um „den Mercedes“. Die gesamte Fläche ist gegattert, um Verbiss- und Schälschäden zu verhindern, und jede einzelne Pflanze hat 4,20 Euro gekostet. Für diesen – zugegeben recht hohen – Preis haben die Haubergsgenossen einen ziemlich klimaresistenten Baum bekommen, dessen Holz sich für den Innenausbau eignet. Aus wirtschaftlicher Sicht also eine reizvolle Wahl.

Aber: Für Schaefer gehts beim Aufforsten nicht mehr nur um wirtschaftliche Aspekte. Denn aus ökologischen Gründen sei es enorm wichtig, die Flächen nicht brachliegen zu lassen, Stichworte: Erosionsschutz und Wasserspeicher. Und außerdem: Wenn Brombeere und Adlerfarn sich erst einmal breitgemacht haben, wird’s doppelt schwer, wieder einen Wald zu etablieren. So denkt Schaefer auch, insbesondere an schwierigen Standorten, über Wildblumenäcker nach. Oder übers Mulchen.

Natürlich lässt sich dieses Denken, für das man sich ein Stück weit von Cent und Euro lösen muss, zwar für den Staatswald postulieren, nicht aber von Privatpersonen verlangen. „Es sei denn, die Gesellschaft zahlt für die wichtigen Funktionen des Walds“, meint Schaefer und verweist zum Beispiel auf den Wald als CO2-Senke. Warum also sollten die Erlöse aus einer CO2-Steuer nicht den Waldbesitzern zugute kommen?

Aber zurück zum Wald der Zukunft. Schnäppchen des Tages: Douglasien, gewachsen aus Naturverjüngung. Und so ist das nächste Waldbild der Exkursion auch auf Haubergsgenossenschaften mit leerer Kasse zugeschnitten. Denn es zeigt anschaulich, dass oft schon viel gewonnen ist, wenn man die Kräfte der Natur nutzt. In einem ehemaligen und mittlerweile abgeholzten Fichtenwald sind ein paar alte Douglasien stehen geblieben, und so kann die Naturverjüngung der richtige Weg sein. „Auf einer solchen Fläche ist schon viel getan, wenn man mit einem Gatter dem, was ohnehin schon da ist, eine Chance gibt.“ Und nicht jedes Gatter stehe der Jagd im Weg, ist sich Schaefer sicher – schließlich redet er von kleinen Flächen und damit eben nicht von riesigen Zäunen.

Nächste Offerte: Buchen, gepflanzt nicht als Zwerge, sondern mit stattlichen 1,20 bis 1,50 Meter Höhe. „Dadurch ist das Risiko der Verbissschäden deutlich reduziert worden“, erklärt Schaefer. Klar, natürlich sind die Kosten für die Pflanzen höher als üblich – aber weil kaum Ausfälle zu beklagen sind, geht für Schaefer die Rechnung auf.

Oder darf’s mal ein ganz anderes Waldbild sein? Kein Problem, Schaefer hat auch wirklich innovative Pflanzungen im Angebot. Ein Waldstück nahe dem Sportplatz Dermbach ist geprägt von zwei Baumarten: Weißtannen und Winderlinden. Beide waren zum Stückpreis von unter 1,15 Euro zu haben; weil die gesamte Fläche mit einem Gatter geschützt wird, konnten die Haubergsgenossen auf Wuchshüllen verzichten.

Die Liste unterschiedlicher Waldbilder ließe sich problemlos verlängern, und selbstredend gibt es auch im Dermbacher Forst Bereiche, die von teppichartiger Fichten-Naturverjüngung geprägt sind.

Aber: Kein einziges dieser Waldbilder ist ein Patentrezept – und keines kann eines sein. Denn angesichts der Unsicherheit, wie sich die Rahmenbedingungen in den kommenden Jahrzehnten verändern werden, kann es keine solide Prognose geben. Nur eines steht für Schaefer fest: „Die Zeiten mit 4000, 5000 Fichten auf einem Hektar sind vorbei.“ Und daraus lässt sich zumindest eine vage Gebrauchsanleitung für den Wald der Zukunft ableiten, die Schaefer auf eine simple Formel bringt: „Wir müssen alle Tasten auf dem Klavier spielen. Wir müssen auf Vielfalt setzen.“

Revierförster Bernd Schaefer hat jetzt eine Waldbegehung für knapp zwei Dutzend Haubergsgenossenschaften und Waldinteressentenschaften organisiert. Dabei gab’s nur eine Blickrichtung: nach vorne. Hier präsentiert der Förster einen jungen Mammutbaum.
Kahlschlagsflächen mulchen: Das kann helfen, den Wasserhaushalt zu regulieren und Bodenerosion zu vermeiden.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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