Zu Fuß zurück in die Bergbau-Vergangenheit

Gruben-Wanderweg Herdorf verbindet Zeitzeugnisse/70 Grubenfelder umgeben die Stadt

fram Herdorf. Nein, halt! Noch nicht kaufen! Wenn Sie nicht nur eifriger Wanderer, sondern auch noch Interessent der Bergbau-Vergangenheit von Stadt und Region sind, lassen Sie die Karte »Wandern im nördlichen Westerwald, Blatt 3, Verbandsgemeinde Betzdorf und Kirchen und Stadt Herdorf« besser im Regal liegen. Bis zum Oktober zumindest. Dann kommt nämlich die Neuauflage heraus, und da ist er dann integriert - der neue Gruben-Wanderweg Herdorf.

Obwohl »neu« ja nicht der richtige Ausdruck ist - 70 Grubenfelder umgeben die Stadt. Einen Großteil der Wege nutzten schon damals die Bergleute zum Erztransport. Wann sie genau entstanden sind, lasse sich laut Wander- und Wegewart Hermann Müller vom Westerwald-Verein nicht mehr nachvollziehen. Dafür konnte er anlässlich der Fertigstellung des Türstockes der »Roten Zeche« die Stationen des 20-Kilometer-Rundkurses aufzählen. Der inzwischen komplett mit klassischem Bergbausymbol ausgewiesene Rundkurs wird in einen Korrektur-Kartendruck eingetragen und bis zum 15. September dem Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation übermittelt. Das offizielle »Einlaufen« ohne Karte findet aber bereits am kommenden Samstag statt.

Los geht die Strecke auf dem Herdorfer Marktplatz, führt vorbei am Josefhäuschen hinauf zur Grube Wolf, schlängelt sich dann am »Auge Gottes« entlang. In diesen Felsen meiselte Bergmann Peter Becher einst eine Sonne. Der Weg passiert die Gruben San Fernando und Friedrich Wilhelm, Forsthaus, Wallfahrtsstation und das ehemalige Grubengelände Harmonie in Sassenroth, bevor er zur »Halbzeit« am dortigen Kreisbergbaumuseum einlädt. Danach geht es erst einmal rauf auf den Wasserberg, über Kreisenhardt, Königsstollen und Rote Zeche, Windhahn, Dermbach, Eicherts Kopf und Grube Concordia. Der Hüttenwäldchen-Stollen ist erreicht. Voraussichtlich ab nächstem Jahr ist der ein weiteres Highlight, denn dann wollen die Bergbau- und Mineralienfreunde Herdorf-Siegerland daraus ein Besucherbergwerk gemacht haben. Damit auch der Weg, der schließlich über Seelenberg und Grube Bollnbach zum Ausgangspunkt weist, Publikumsmagnete bietet, hat sich der Westerwaldverein Schmankerl wie den rekonstruierten Türstock der Roten Zeche ausgedacht.

Nachdem der Markscheider bei einer Schürfung eine 2,50 Meter breite Erzader ausmachte, wurde Wolfgang Fetthauer senior aktiv. Um an die im noch wachsenden Gebirge liegenden Schatz heranzukommen, trieb er einen 60 Meter langen Stollen in den Berg, mit Querschlag zur auf der anderen Bergseite liegenden Bollnbacher Grube - und »zapfte« den 40-prozentigen Eisenreichtum an. Mit sieben Mitarbeitern machte er sich um 1920 bis Ende der 1930er Jahre im Tagebau selbstständig. Jetzt haben Alfred Stünn von der Herdorfer Haubergsgenossenschaft, Hermann Müller, Vereinsvorsitzender Norbert Büdenhölzer und weitere Helfer in gut 400 Arbeitsstunden die Stolleneinfahrt samt Siegerländer Lore nachgebildet.

Die Anstrengungen stehen aber nicht in Konkurrenz zu den Bergbau- und Mineralienfreunden, wie Büdenhölzer betont. Man wolle mit offenen Karten spielen, sieht das Ganze als Ergänzung zum Besucherbergwerk. Schließlich sei der Westerwald-Verein für die Wegausweisung zuständig. Mit dem Grubenweg hat er den Heimatweg um weitere Einblicke in die Bergbau-Vergangenheit erweitert, sie für den Tourismus erschlossen. Rund 12 zusätzliche Hinweisschilder an den einzelnen Stationen sollen die Attraktivität weiter steigern. Die Westerwald-Touristik steuert, kündigte Büdenhölzer an, Gelder bei. In ihrer ovalen Form und braun-gelben Farbgebung entsprechen die Tafeln jenen der Grubenwege von Daaden, Brachbach und Niederfischbach. Zentrale Ader ist der E 1, Europäischer Fernwanderweg von der Nordsee bis zum Bodensee. Hier laufen alle Fäden aus den Grubenrunden zusammen. Den Streckenverbund vergleicht Müller mit dem Rothaarsteig. Am kommenden Samstag, 10 Uhr, werden sich dann zahlreiche Wandervereine, Bergbau- und Mineralienfreunde in zwei Gruppen, beidseitig der Heller, auf das Kreisbergbaumuseum zubewegen. Um dort gemeinsam, nach geteilter Fußarbeit, von 13 bis 18 Uhr ein Stück neu aufgelegte Heimatgeschichte zu feiern.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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