Anna, Nellie und Katharina Thalbach bei KulturPur
Drei begnadete Schauspielerinnen erleben "Witwendramen"

gmz Grund. Willkommen zum Damenabend auf dem „freundlichen Friedhof“, umgeben von den weiblichen Versionen der Herrenwitze, verpackt in Witwenklagen über die Unzulänglichkeiten der Männer („was ist ein Mann in Salzsäure?“ – „ein gelöstes Problem!“)! Am frühen Freitagabend laden Anna, Nellie und Katharina Thalbach zu „Witwendramen“ (Revue von Fitzgerald Kusz) ins vollbesetzte Kleine Zelttheater auf dem Giller und führen die bestens unterhaltenen Zuhörer in die Welt des Mannes, aus Sicht der Witwe. Deren Stunde ist endlich gekommen, jetzt, wo „die Frau“ Witwe ist, mit „dem Mann“ abzurechnen, oder, wie es Katharina Thalbach formuliert,  „dem meinen“.

Zwischen Klischee und Erleben

Dabei bedienen Großmutter Katharina, Tochter Anna und Enkelin Nellie, die sich für die Zeitung nicht fotografieren lassen mochten, in einer Auswahl von fiktiven und realen biografischen Notizen,  Sprichwörtern, Trostsprüchen, Selbsterfahrungstipps und schnapsseligen Bekenntnissen alle möglichen Aspekte des Witwen- und Alleinseins, die viel über unterschiedliche Vorstellungen vom Frausein und Partnerschaft verraten. Sie scheuen sich auch nicht, in die tiefsten Tiefen der Klischee-Schublade zu greifen, auch mal eine Zote zu bemühen, wie die vom Elefanten in der Herrensauna, oder die Lebensweisheiten der Ratgeber für Trauerarbeit auf ihre Phrasenhaftigkeit zu reduzieren, um sie im nächsten Moment wieder beinahe ernst zu nehmen. (Be)rührend wird es, als Helene Weigel, Witwe des „Stückeschreibers Bert Brecht“, sich über sein Gedicht „Ein kleines Haus“ aus den „Buckower Elegien“ auslässt, um dann festzustellen, dass der so poetische Rauch im Gedicht eine ganz und gar prosaische, für sie verletzende Bedeutung hat …

Gekonnt gesprochen, geschickt choreografiert

 Geschickt choreografiert, überaus gekonnt gesprochen (allein Katharina
Thalbachs genüsslich breitgezogenes, mal wütendes, mal herablassendes, mal spöttisches „W“ in „Witwe“ ist große Schauspiel- und Sprechkunst!), mit großartiger Gestik, Mimik und der Fähigkeit, Figuren nur mit einem (Berliner) Zungenschlag oder der Sprechweise zu charakterisieren, inszenieren die drei Schauspielerinnen einen Besuch am Grab eines Mannes, dessen Witwe sich im Rückblick auf sein Leben von ihm distanziert, seine schlechten, tyrannischen Seiten und ihr Leiden daran ausbreitet, sich rächt („mit ‘nem Spritzer Zyankali“) und dabei auch ihr eigenes, unzulänglich gestaltetes Leben offenbart: „Das war ich, ein kleiner Feigling!“ Dieser lose Zusammenhang wird immer wieder unterbrochen von Erlebnissen, Kommentaren oder Ansichten anderer Witwen in ähnlichen Situationen des Alleinseins, der Verachtung für „den Mann“ oder der Suche nach „dem Mann“.

Souveräne Improvisation

Den Texten hätte an einigen Stellen eine stärkere Fokussierung gutgetan (die Auswahl wirkte hier und da zufällig). Toll ist aber das Improvisationstalent der drei (nicht nur bei Texthängern, versehentlicher Rezitation von Regieanweisungen oder Zettelwirtschaft). Als sich ein heftiges Gewitter über den Zelten entlädt, beziehen sie den Donner ein: „Da schimpft er wieder, der Helmut."
– Stimmt bestimmt!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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