Passo Avanti zum Auftakt der 59. Busch-Kreis-Saison in Dahlbruch
Groovende Kammermusik

Ein Cello lässt sich auch mal wie eine Gitarre anlegen! Das Münchner Ensemble Passo Avanti speist seine Musik aus der Klassik und aus dem Jazz. Im Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch brachte es Klassiker in heutigem Gewand und auch zwei Eigenkompositionen auf die Bühne.
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  • Ein Cello lässt sich auch mal wie eine Gitarre anlegen! Das Münchner Ensemble Passo Avanti speist seine Musik aus der Klassik und aus dem Jazz. Im Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch brachte es Klassiker in heutigem Gewand und auch zwei Eigenkompositionen auf die Bühne.
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Dahlbruch. Groove – ein Begriff, der nicht nur in Kreisen praktizierender Musiker, sondern auch vom interessierten Laien oft und gerne bemüht wird. Bemerkenswerterweise, handelt es sich hierbei doch um ein eher abstraktes, schwer fass- und erklärbares Phänomen, um ein rhythmisches „Ding“, das mit dem Empfinden der beteiligten Musiker (und Hörer), mit Flow, Timing und Einfühlungsvermögen der Ausübenden zusammenhängt. Und mit dem Genre. Die sogenannte klassische Musik etwa ist in der Regel eine nicht primär auf jene spezielle rhythmische Qualität angelegte, weshalb den hochspezialisierten „Klassikern“ im Orchester oder Kammermusikensemble zuweilen das Gespür für Groove abgesprochen wird, wenn es für sie denn einmal über den stilistischen Tellerrand hinausgeht.

Grenzgänger zwischen musikalischen Welten

Das alles ist nicht das Problem von Passo Avanti. Denn das Münchner Grenzgänger-Quartett speist sich und seine Musik aus zwei Welten: der der „Klassik“ und der des Jazz. Und zwar hier wie dort ganz offenkundig auf Basis profunder Kenntnis und Könnerschaft. So war denn sein Konzert am Montagabend in Dahlbruch ein ganz ungewöhnliches, und das obwohl der Gebrüder-Busch-Kreis seine edle Kammermusikreihe schon seit Jahren dem Crossover geöffnet hat und Stil- und Genremixturen dem Publikum nichts Neues mehr sind. Doch ist es kaum übertrieben, im Rückgriff auf die eingangs dargelegten Gedanken zu behaupten: Selten wurde bei der „Meisterlichen Kammermusik“ so gegroovt!
Zum 162. Konzert der Reihe brachte Passo Avanti eine große Auswahl zumeist sehr bekannter Werke namhafter (E-Musik-)Komponisten mit sowie zwei Eigengewächse von Klarinettist (und Flötist) Alexander von Hagke, der den Abend auch moderierte. Um sich geschart hat er eine feine Auswahl exquisiter Mitmusiker: die Violinistin Julia Bassler, den Gitarristen Lucas Campara Diniz (Konzert- und Jazz-Modell) und den für den aufgrund eines Unfalls derzeit spielunfähigen Stammcellisten eingesprungenen Jaka Stadler.

Publikum auf neue Spielzeit eingegroovt

Ob Luther-Choral („Ein feste Burg“), viel gehörte Melodien aus Griegs „Peer-Gynt-Suite“ Nr. 1, Mozarts „Drei Knäbchen …“ (die Kadenz, die der von Pachelbels bekanntem Kanon entspricht, durfte das Publikum zweistimmig mitsingen), Brahms’ berührende „Waldesnacht“ oder die virtuose, spritzige „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss (Sohn) – Passo Avanti gelang es mit den Eigenarrangements, die Stücke jeweils in neue, heutige musikalische Dimensionen zu überführen, ohne sie dabei „auseinanderzunehmen“. Der Respekt vor dem zugrunde liegenden Werk war jederzeit evident.
Nicht nur brach die ungewohnte Besetzung auf wohltuende Weise mit Hörgewohnheiten. Auch bescherten Verknüpfung und Kontrastierung gediegener Klassik-Klänge mit rasanten Jazz-Improvisationen, Latin- und Reggae-Elementen, komplexen Rhythmisierungen und hier und da neutönend-dissonanten Momenten, das alles gekrönt von einem subtilen, luftigen und transparenten Ensembleklang, den Zuhörern einen spannungs- und erlebnisreichen Konzertabend im Gebrüder-Busch-Theater. Bravo! Auf die neue Spielzeit – zu der Busch-Kreis-Vorsitzender Olaf Kemper die Besucher anfangs begrüßt hatte und die offiziell am 2. Oktober mit dem traditionellen Busch-Preis-Träger-Konzert eröffnet wird – ist das Publikum jedenfalls schon einmal bestens eingegroovt.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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