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Siegener Zeitung präsentierte American String Quartet in Dahlbruch / Weitere Konzerte Corona-bedingt abgesagt
Kammermusik auf Weltklasse-Niveau

Das American String Quartet gastierte zum zweiten Mal in Dahlbruch, präsentiert von der Siegener Zeitung. Im Bild v. l.:  Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Wolfram Koessel (Cello), Daniel Avshalomov (Viola).
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  • Das American String Quartet gastierte zum zweiten Mal in Dahlbruch, präsentiert von der Siegener Zeitung. Im Bild v. l.: Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Wolfram Koessel (Cello), Daniel Avshalomov (Viola).
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww – Das American String Quartet gastierte beim Gebrüder-Busch-Kreis in Dahlbruch. Es war das letzte Konzert der Deutschland-Tournee, das stattfinden durfte. Die vier noch verbleibenden Konzerte wurden Corona-bedingt abgesagt, wie die SZ am Donnerstagabend erfuhr.

aww Dahlbruch. Das American String Quartet, eines der weltweit renommierten Streichquartette, war nun also ein weiteres, ein zweites Mal beim Gebrüder-Busch-Kreis in Dahlbruch zu Gast. Ein Glück? Die Frage ist in diesen Zeiten nicht leicht, seriös gegenwärtig vermutlich gar nicht zu beantworten angesichts einer unübersichtlichen und dynamischen Krisenlage in Sachen Coronavirus, die sich im Laufe des Mittwochs, des Konzerttags also, im Kreis Siegen-Wittgenstein noch einmal zugespitzt hatte.

aww – Das American String Quartet gastierte beim Gebrüder-Busch-Kreis in Dahlbruch. Es war das letzte Konzert der Deutschland-Tournee, das stattfinden durfte. Die vier noch verbleibenden Konzerte wurden Corona-bedingt abgesagt, wie die SZ am Donnerstagabend erfuhr.

aww Dahlbruch. Das American String Quartet, eines der weltweit renommierten Streichquartette, war nun also ein weiteres, ein zweites Mal beim Gebrüder-Busch-Kreis in Dahlbruch zu Gast. Ein Glück? Die Frage ist in diesen Zeiten nicht leicht, seriös gegenwärtig vermutlich gar nicht zu beantworten angesichts einer unübersichtlichen und dynamischen Krisenlage in Sachen Coronavirus, die sich im Laufe des Mittwochs, des Konzerttags also, im Kreis Siegen-Wittgenstein noch einmal zugespitzt hatte. In der Redaktion der Siegener Zeitung hagelte es den ganzen Tag über Mails mit Veranstaltungsabsagen, und Landrat Andreas Müller rief, wie im Lokalteil berichtet, am frühen Abend dazu auf, die „unbedingte“ Notwendigkeit jedweder Veranstaltung zu hinterfragen.

Für die Entscheidung des Busch-Kreises, das für den Abend anberaumte Konzert des American String Quartet in der Reihe „Meisterliche Kammermusik“ stattfinden zu lassen, erhielt Vorsitzender Olaf Kemper bei seiner Begrüßungsansprache jedenfalls den Beifall des Publikums. Das hatte sich in großer und für hiesige Kammermusik-Verhältnisse außerordentlicher Zahl aufgemacht, um sich im Gebrüder-Busch-Theater – Corona hin, Covid-19 her – den von der Siegener Zeitung präsentierten Konzertabend auf Weltklasse-Niveau nicht entgehen zu lassen (hier geht es zum Vorab-Interview). (Die vier weiteren noch im Anschluss geplanten Deutschland-Auftritte des Ensembles in Köln, Viersen, Quakenbrück und Berlin wurden übrigens allesamt Corona-bedingt abgesagt, wie die Konzert-Direktion Hans Adler am Donnerstagabend auf Anfrage bestätigte.)

Beethoven pur im Beethoven-Jahr

Zur Musik: Im Beethoven-Jahr wartete das New Yorker Quartett – Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Daniel Avshalomov (Viola), Wolfram Koessel (Cello) – ausnahmslos mit Werken des vor 250 Jahren geborenen Komponisten auf. Dynamisch spannungs- und variantenreich inszeniert, erklang der Kopfsatz von Ludwig van Beethovens (1770–1827) 4. Streichquartett, c-Moll, op. 18 Nr. 4, mit einem hohen Homogenitätsgrad, namentlich in den verhaltenen Stakkatopassagen spürbar. Eine gerissene Saite auf Koessels Cello verordnete Ensemble und Publikum anschließend eine kurze Zwangspause. Ein spritziges Fugato kennzeichnet das tänzerisch-fröhliche Scherzo, in dessen Verlauf einzelne Stimmen die melodische Führung übernehmen, was in der Wiedergabe des American String Quartet zu einem grazilen, mitunter gar zerbrechlich wirkenden Klangbild führte – wunderschön! Hier, wie überhaupt, agierte das Ensemble auch in heiteren, ausgelassenen Momenten nie ungestüm, vielmehr stets subtil im Zugang und mit vornehmer, distinguierter Zurückhaltung. Ihre instrumentale Kraft ließen die Musiker nicht ein einziges Mal an diesem Abend im klanglichen Exzess strotzen, sondern immer in maßvoller Zurückhaltung wohldosiert arbeiten.

Traumwandlerisch sichere Synchronizität

Prägnante Pizzikati, die perlend und herrlich flüssig ausgeführt vom Cello über die Bratsche in die 2. Geige wanderten, gefielen im ersten Satz des Quartetts Nr. 10, Es-Dur, op. 74 – ein Allegro, das nach einer getragenen Einleitung mit nur geringer thematischer Entwicklung (Poco Adagio) an Fahrt aufnimmt und Peter Winograd mit einer virtuos wirbelnden 1. Geige in den Blickpunkt rückte. Die sehnsuchtsvolle Kantilene des langsamen zweiten Satzes kleidete das American String Quartet in einen herrlich sanften, ebenmäßigen Ensembleklang. Federleicht und weich setzten sich die 1. Geige und das Cello in Szene, später bot das Stück mit dem Beinamen „Harfenquartett“ auch der Bratsche Gelegenheit, sanft schimmernd zu glänzen, und jeder gemeinsame Strich des Vierers war ein Abbild traumwandlerisch sicherer Synchronizität.

Danach kann eigentlich nichts mehr kommen

Ein großes, expressives Werk zum Schluss: das siebensätzige Streichquartett Nr. 14, cis-Moll, op. 131. Auch hier waren in puncto Dynamik eine deutliche Ausdifferenzierung und schöne Wellenbewegungen zu vernehmen, und insbesondere hier gefielen die „Americans“ mit klangfarblich reicher Gestaltung. „Man kann eigentlich danach nichts mehr spielen“, sagte Wolfram Koessel nach rauschendem, langem Applaus, „aber wir haben doch noch was gefunden.“ Die Cavatina aus Beethovens 13. Quartett, op. 130, als Zugabe, war ein zärtliches, anrührendes Finale eines insgesamt tief anrührenden Konzertabends.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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