Entlegene Klangwelten bei KulturPur bereist
Schlagzeug-Spektakel mit Vivi Vassileva

Nicht nur Fellen, Klangstäben und Becken kann die geübte Schlagzeugerin tolle Sounds entlocken - auch die Sticks selbst sind geeignete Klangerzeuger. Die vielfach ausgezeichnete Perkussionistin Vivi Vassileva gastierte am Sonntagabend beim Konzert mit der Philharmonie Südwestfalen bei KulturPur 29 auf dem Giller - und war dabei mehr als nur Ersatz für den erkrankten Martin Grubinger.
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  • Nicht nur Fellen, Klangstäben und Becken kann die geübte Schlagzeugerin tolle Sounds entlocken - auch die Sticks selbst sind geeignete Klangerzeuger. Die vielfach ausgezeichnete Perkussionistin Vivi Vassileva gastierte am Sonntagabend beim Konzert mit der Philharmonie Südwestfalen bei KulturPur 29 auf dem Giller - und war dabei mehr als nur Ersatz für den erkrankten Martin Grubinger.
  • Foto: Dirk Manderbach
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Grund. Der Anblick allein ist ehrfurchtgebietend. Über die gesamte Bühnenbreite – und die ist im großen Zelttheater von KulturPur nicht unerheblich – zieht sich das Schlagzeug-Arsenal von Vivi Vassileva. Doch die zarte Mittzwanzigerin ist nicht auf den Giller gekommen, um mit der schieren Optik ihrer ausladenden Sammlung an Klangerzeugern zu blenden, die von großen Trommeln über Snare, exotisch anmutende Schlaginstrumente, Marimba, Vibraphone oder Becken bis hin zum neuartigen Aluphone reicht. Sie will dem Publikum im bestens besuchten Konzert mit der Philharmonie Südwestfalen am Sonntagabend vor allem deutlich machen, was damit dank filigranem, virtuosem Spiel akustisch erreicht werden kann. In der Kombination von beidem, Hör- wie Sichtbarem, bietet die in Deutschland geborene Perkussionistin mit bulgarischen Wurzeln nicht weniger als ein großes Spektakel mit Fellen, Klangstäben und Schlägeln.

Vivi Vassileva und Johannes Klumpp kurzfristig eingesprungen

Landrat Andreas Müller, auch Vorstand des Philharmonie-Trägervereins, dankte der vielfach ausgezeichneten Künstlerin in seiner Eingangsansprache an die Besucher für ihre Bereitschaft, so kurzfristig für den ursprünglich angekündigten Martin Grubinger eingesprungen zu sein. Der hatte, wie berichtet, in letzter Sekunde, etwa eine Woche vor dem Konzert, abgesagt. Krankheitsbedingt. Was folgte, waren jede Menge Hektik, Hin- und Herüberlegen und Organisation bei den Verantwortlichen. Wie Orchester-Intendant Michael Nassauer im Pausengespräch mit der Siegener Zeitung erläuterte, mussten beispielsweise zehn Orchester-Aushilfen mehr als zunächst eingeplant organisiert werden. Zudem hatte das nun aufs Programm gehobene Stück „Oraculum“, das der Spanier Oriol Cruixent (*1976) speziell für Vivi Vassileva komponiert hat, erst im Mai seine Uraufführung in Wuppertal, so dass die Noten dort noch abgeholt werden mussten. Erst am Donnerstag vorm Konzert, so Nassauer, hätten die Proben begonnen. Umso erstaunlicher, was am Ende dabei herausgekommen ist, zumal Dirigent Johannes Klumpp ebenfalls kurzfristig einsprang (Grubinger hatte auch dirigieren wollen) und das rhythmisch hochkomplexe Werk zuvor nicht kannte.

Perkussionistin erschloss Zuhörern entlegene Klangwelten

„Oraculum“, erklärte der auch als Moderator mit Humor und Entertainer-Qualitäten für sich einnehmende Klumpp, behandle die sieben Chakren des Menschen in ebenso vielen ineinander übergehenden musikalischen Sätzen. Die versuche Vivi Vassileva nun für die Zuhörer zu öffnen. Ob ihr das gelungen ist, kann hier nicht beurteilt werden, jedenfalls aber erschloss die Musikerin den Hörern entlegene Klangwelten, die irgendwo in einer Schnittmenge zwischen westlichen, fernöstlichen und afrikanischen Klängen beheimatet sind. Die Solistin musste in dem atmosphärisch kontrastreichen, etwa halbstündigen Werk manches Mal rasante Instrumentenwechsel vornehmen. Wie subtil sie ihr Instrumentarium dennoch bearbeitet, welch unterschiedliche Klangfarben sie ihm entlockt, war dank einer Videoleinwand auch bis auf die hintersten Plätze gut sichtbar. Apropos feinsinnig: In einer improvisierten Zugabe zeigte Vivi Vassileva, welch Soundreichtum einer teilgefüllten PET-Flasche innewohnt. „Asventuras“ von Alexej Gerassimez, ihre zweite Zugabe, ließ schließlich eindrucksvoll hören, was die kleine Trommel (Snare) alles zu bieten hat – „außer dem Trommelwirbel, den alle kennen“.

Philharmonie mit furioser Aufführung von Beethovens Siebter

Höchste Anerkennung mittels euphorischem Beifall war nicht nur Lohn der Solistin des Abends, sondern auch des Dirigenten und des Orchesters, die nach der Pause mit einer furiosen, mitreißenden Aufführung von Beethovens 7. Sinfonie das Publikum am Ende von den Sitzen holten. Lange anhaltender, lautstarker Applaus im Stehen!

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