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Programm am Wochenende
675-Jahr-Feier in Oechelhausen gestartet

Oechelhausen zelebriert an diesem Wochenende seinen 675. „Geburtstag“. Der Auftakt in Schmidts Scheune am gestrigen Abend klang mit einem gemütlichen Beisammensein aus. Foto: Christian Schwermer
  • Oechelhausen zelebriert an diesem Wochenende seinen 675. „Geburtstag“. Der Auftakt in Schmidts Scheune am gestrigen Abend klang mit einem gemütlichen Beisammensein aus. Foto: Christian Schwermer
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cs ■ Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein, die die kleine Gruppe um „Hermannus de Willansdorph“, also Hermann von Wilnsdorf, im Jahr 1279 auf sich nahm. Von der Reichsburg Kalsmunt, oberhalb der Reichsstadt Wetzlar gelegen, brach der Tross auf – mit dabei waren auch die Ritter Theodericus, Wezzelo und Erwin, alle drei Brüder von Hermanns verstorbener Ehefrau Gertrudis. Die hatte kurz zuvor ihre Güter zu „Huchilnhusen“ zum Seelenheil ihrer Eltern an das Kloster Altenberg an der Lahn übertragen. So versuchte die ungewöhnliche Reisegruppe an ihr Ziel zu gelangen. Endlich angekommen, stellte die Truppe enttäuscht fest, dass besagtes „Huchilnhusen“ nicht – wie erhofft – im Dreisbachtal, sondern in Lemp bei Ehringshausen lag.

cs  Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein, die die kleine Gruppe um „Hermannus de Willansdorph“, also Hermann von Wilnsdorf, im Jahr 1279 auf sich nahm. Von der Reichsburg Kalsmunt, oberhalb der Reichsstadt Wetzlar gelegen, brach der Tross auf – mit dabei waren auch die Ritter Theodericus, Wezzelo und Erwin, alle drei Brüder von Hermanns verstorbener Ehefrau Gertrudis. Die hatte kurz zuvor ihre Güter zu „Huchilnhusen“ zum Seelenheil ihrer Eltern an das Kloster Altenberg an der Lahn übertragen. So versuchte die ungewöhnliche Reisegruppe an ihr Ziel zu gelangen. Endlich angekommen, stellte die Truppe enttäuscht fest, dass besagtes „Huchilnhusen“ nicht – wie erhofft – im Dreisbachtal, sondern in Lemp bei Ehringshausen lag. „Ja, so hätte es sein können, ihr lieben Oechelhäuser“, lächelte Reinhard Gämlich Freitagabend im Rahmen seines Festvortrags zum Start der 675-Jahr-Feier des Hilchenbacher Ortsteils. Mit viel Humor und einer anschaulichen Erzählung griff der Hilchenbacher Stadtarchivar a. D. den Trugschluss um die urkundliche Ersterwähnung des Ortes auf, der die Planungen der Dorfbewohner gehörig über den Haufen geworfen hatte (die SZ berichtete ausführlich).

Geburtstag gezwungenermaßen verschoben

Denn das 1265 erwähnte „Huchilnhusen“, das lange Zeit für das heutige Oechelhausen gehalten wurde, liegt in Wirklichkeit in Hessen. „Der Vortrag über die Geschichte von Oechelhausen am 18. März 2008 brachte einiges in Bewegung“, blickte Gämlich zurück. Bei seinen Recherchen habe er feststellen müssen, dass es plötzlich unterschiedliche Angaben über die Urkunde vom 21. August 1265 gab, obwohl das Siegener Urkundenbuch aus dem Jahr 1887 das genannte „Huchilnhusen“ eindeutig mit dem heutigen Oechelhausen gleichsetzte. „Den Oechelhäusern musste ich dann gestehen, dass als nächste schriftliche Erwähnung das Jahr 1344 zu nennen ist“, führte er aus. Schwamm drüber – statt 2015 das 750-jährige Bestehen zu feiern, zelebriert das Örtchen „e de Strüche“ an diesem Wochenende eben seinen 675. „Geburtstag“. Und dass der vierjährige Aufschub den Feierlichkeiten keinerlei Abbruch tut, machte der Auftakt in Schmidts Scheune mehr als deutlich. Unter dem Motto der fünf G’s stellten die Organisatoren der ausrichtenden Dorfgemeinschaft ein buntes Programm auf die Beine.

Mit fünf G's ins Festwochenende

Ein Gottesdienst mit Pfarrer Herbert Scheckel läutete den Abend ein, gesangliche Beiträge des Gemischten Chores „Vocale Arioso“ aus Netphen animierten die Gäste immer wieder zum Mitsingen, die üblichen Grußworte aus Politik und Vereinswesen durften nicht fehlen und Gämlichs Festvortrag stand im Zentrum des Abends, der mit einer gemütlichen Feier ausklang. Die G’s ließen keinerlei Langeweile aufkommen; die vielen Besucher verbrachten einen kurzweiligen Abend. Das sechste potenzielle „G“ blieb übrigens aus: Zwar öffnete der Himmel gestern Abend kräftig seine Schleusen und brachte den so dringend benötigten Niederschlag, von einem Gewitter blieben die Oechelhäuser aber trotz der sich zwischenzeitlich bedrohlich auftürmenden Wolken verschont.

Grußwort von Klaus Stötzel

Stichwort Grußworte: Klaus Stötzel (SPD), selbst im Nachbarort Ruckersfeld geboren und aufgewachsen, rückte als stellv. Bürgermeister der Stadt Hilchenbach die Gemeinschaft in den Fokus: „Feiern wir die Menschen, die hier in Oechelhausen über 675 Jahre gelebt, gearbeitet und zusammengehalten haben.“ Schließlich seien es stets Menschen, die aus Orten Heimat machten. „Und der Zusammenhalt hier ist ein Parade-Beispiel“, lobte Klaus Stötzel. Das finde man in dieser ausgeprägten Form im Hilchenbacher Stadtgebiet allenfalls noch in Helberhausen oder Müsen vor.

Landrat überbrachte Glückwünsche und mehr

Auf die Minute pünktlich traf Andreas Müller in Oechelhausen ein. Der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein bezeichnete die Dörfer als „Seele der Region“ und staunte vor allem über die fast einhundertprozentige Mitgliedschaft der Ortsbewohner im 2006 gegründeten Dorfgemeinschaftsverein. 76 Mitglieder bei 78 Einwohnern – wobei die Meinungen über die exakte Bevölkerungszahl gestern Abend ein wenig auseinander gingen: „Das macht Ihnen so schnell niemand nach!“ Im Gepäck hatte der Chef der Kreisverwaltung die obligatorische Jubiläums-Urkunde und, ebenso wie Klaus Stötzel, ein Flachgeschenk für die Organisatoren.

Die Erinnerungen des Dieter Tröps

Dieter Tröps wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung gefragt, ob er denn überhaupt schon einmal in Oechelhausen gewesen sei. Da verwies der Heimatgebietsleiter auf viele Besprechungen und Treffen, die er in seinem Amt bereits im Dorfgemeinschaftshaus miterlebt habe. „Und an mein allererstes Mal in Oechelhausen erinnere ich mich genau“, führte Tröps lachend aus. Im Winter 1969/1970 habe er sich auf der Kronprinzeneiche mit seinem Pkw derart festgefahren, dass die Straße durch Oechelhausen den einzigen Ausweg bot. Im Dorf selbst habe er angehalten und sein Auto von den Schneemassen befreit: „Die Erinnerungen sind also positiv besetzt.“

Schwere Zeiten für Oechelhausen

Dass es in Oechelhausen durchaus auch schwere Zeiten gab, daran erinnerte Ortsvorsteher Friedrich Schmidt und blickte etwa auf die Jahre kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. Umso bemerkenswerter sei die Entwicklung, die der Hilchenbacher Ortsteil in den vergangenen Jahrzehnten genommen habe.

Worte mit Leben gefüllt

Karin Rudolph führte als Vorsitzende des Dorfgemeinschaftsvereins durch den Abend und stellte heraus, dass die Organisation des Festwochenendes dank zahlreicher, äußerst emsiger Hände auf viele Schultern verteilt wurde. „Alleine geht nichts!“, rief Rudolph den Gästen zu. Da war er wieder Thema, der typische Oechelhäuser Gemeinschaftssinn. Von vornherein sei klar gewesen, dass man keine Jubiläumsfeier mit den Ausmaßen etwa der 700-Jahr-Feier in Schameder („Das war ein ganz tolles Fest und sehr beeindruckend“) auf die Beine stellen kann. „Wir feiern auf Oechelhäuser Art“, stellte Rudolph zufrieden fest. Beschaulich, gemütlich, sich auf das Wesentliche besinnen und den Zusammenhalt weiter festigen – wer Freitagabend mit dabei war, verstand rasch, dass diese Schlagworte in Oechelhausen mit Leben gefüllt werden.

So geht's am Wochenende weiter

Am Samstag finden die Feierlichkeiten ihre Fortsetzung: Ab 15 Uhr stehen etwa eine Dorfolympiade und eine Ausstellung im Dorfgemeinschaftshaus auf dem Programm, zudem können viele Traktoren bestaunt werden. Kulinarische Genüsse kommen ebenfalls nicht zu kurz. Mit einem gemeinsamen Mittagessen mit anschließendem Kaffeetrinken klingen die bunten Tage am Sonntag schließlich aus.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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