SZ

Hilchenbacher Ballonsportler werden älter
Abenteurer fahren auf Sicht

Unterwegs mit dem dem Ballon-Sport-Club (hinten von links): Schriftführer Axel Springer, Pilot Theo Engel, Vorsitzender Albrecht Weber. Im Hintergrund zu erkennen ist die Breitenbachtalsperre.
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  • Unterwegs mit dem dem Ballon-Sport-Club (hinten von links): Schriftführer Axel Springer, Pilot Theo Engel, Vorsitzender Albrecht Weber. Im Hintergrund zu erkennen ist die Breitenbachtalsperre.
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js Hilchenbach. Noch rauscht der Wind durchs Laub, wirbelt das frisch gemähte Heu über die Wiese im Tal des Preisterbachs. „Wir müssen noch warten“, sagt Theo Engel mit ruhiger Stimme. „Noch haben wir zu viel Thermik.“ Und die kann der Ballonfahrer, anders als etwa der Segelflieger, überhaupt nicht gebrauchen. Lediglich früh morgens und am Abend, wenn der von Sonnenwärme erzeugte Aufwind ruht, schlägt die Stunde des Ballonpiloten. So auch an diesem lauen Sommerabend, bei dem Albrecht Weber und Axel Springer, Vorsitzender bzw. Schriftführer des Ballon-Sport-Clubs (BSC) Hilchenbach, die SZ in den Weidenkorb unter dem markanten „Krombacher“-Ballon geladen haben.
Rasch und mit gekonnten Handgriffen sorgen die versierten Ballöner dafür, dass ihr Sportgerät abfahrtbereit ist.

js Hilchenbach. Noch rauscht der Wind durchs Laub, wirbelt das frisch gemähte Heu über die Wiese im Tal des Preisterbachs. „Wir müssen noch warten“, sagt Theo Engel mit ruhiger Stimme. „Noch haben wir zu viel Thermik.“ Und die kann der Ballonfahrer, anders als etwa der Segelflieger, überhaupt nicht gebrauchen. Lediglich früh morgens und am Abend, wenn der von Sonnenwärme erzeugte Aufwind ruht, schlägt die Stunde des Ballonpiloten. So auch an diesem lauen Sommerabend, bei dem Albrecht Weber und Axel Springer, Vorsitzender bzw. Schriftführer des Ballon-Sport-Clubs (BSC) Hilchenbach, die SZ in den Weidenkorb unter dem markanten „Krombacher“-Ballon geladen haben.
Rasch und mit gekonnten Handgriffen sorgen die versierten Ballöner dafür, dass ihr Sportgerät abfahrtbereit ist.

Coronaregeln gelten auch im Korb

Im Nu ist das Gestell samt doppeltem Brenner auf dem Korb montiert, die etwa 130 Kilo schwere Ballonhülle mit ihren Trag- und Steuerseilen ist fein säuberlich ausgelegt. Jetzt, da die unerwünschte Thermik spürbar nachlässt, kann es endlich losgehen. Mit einem kräftigen Ventilator blasen die Ballonsportler gewaltige Mengen Luft in den Ballon. Dann wird angeheizt, die fauchende Brennerflamme zieht die benötigte Energie aus dem Propangas. Der Korb ist einstiegsbereit, ein Fahrgast nach dem anderen klettert hinein. Vier erwachsene Männer teilen sich den hüfthoch umrandeten Korb mit vier großen Gasflaschen. Coronaregeln gilt es auch hier zu befolgen: Befreit vom Mund-Nasen-Schutz bleibt nur der Pilot – er muss mit allen Sinnen arbeiten. Bereit. Es kann losgehen.

Die Hilchenbacher winken fröhlich

Der Ballon hebt ab, sanft und stetig gewinnt er an Höhe, nimmt Fahrt auf in Richtung Südwesten, über das Neubaugebiet in den Rothenberger Gärten mit Kurs auf die Sang. Auf dem Schulhof der Realschule hat sich eine Sportgruppe versammelt, macht Fitness unter freiem Himmel. Nebenan, vor der Florenburgschule, probt der Spielmannszug; beinahe wie bestellt für diese Premierenfahrt des Gastes. Schöner lässt sich das vom Abendlicht geflutete Hilchenbach wohl nicht inszenieren.
Die Menschen auf dem Boden, auf ihren Balkonen und Terrassen, blicken empor vom kühlen Abendgetränk und winken, grüßen die Ballonsportler, die endlich mal wieder über das Stadtzentrum ziehen.

1983 herrscht ein regelrechter Hype

Einen regelrechten Hype hatte die Ballonfahrt vor knapp vier Jahrzehnten ausgelöst. Der Traum vom unmotorisierten Fliegen, pardon: Fahren, war 1983 wahr geworden, als eine Gruppe von Interessierten im späteren Vereinslokal – dem inzwischen abgebrannten Deutschen Hof – voller Tatendrang und Euphorie einen Ballonsportverein gründeten. Noch im selben Jahr hatten die Hilchenbacher ihren ersten Ballon, hergestellt in Großbritannien, bedruckt mit dem Logo der Sponsoren-Brauerei „Krombacher“. Es folgten Jahre voller Begeisterung. Tendenz steigend, hieß es für den BSC. Weitere Ballons kamen hinzu. Die Nachfrage nach Fahrten durchs Siegerländer Luftmeer war ungebremst, immer wieder fanden sich enthusiastische Mitglieder, die sich auf die anspruchsvolle Pilotenausbildung einließen. Der „Krombacher“- und weitere Club-Ballons waren regelmäßige Blickfänge am Himmel über Hilchenbach.

Es ist ruhig geworden

In den vergangenen Jahren jedoch ist es ruhig geworden um die „Luftfahrtpioniere“ aus dem nördlichen Siegerland. Viele der Gründungsmitglieder sind bereits verstorben, die anderen sind längst nicht mehr aktiv. Die Zeiten, in denen der BSC mit mehreren Heißluftballons über die Häuser zog, sind vorbei. Die Mitgliederzahl ist stark gesunken, geblieben aber ist der harte Kern. Nach wie vor sind die Ballöner mit Leidenschaft bei der Sache. Die meisten von ihnen aber haben das Rentenalter erreicht, es fehlt auch dem BSC am frischen Schwung einer zupackenden Nachwuchsgeneration. Clubchef Albrecht Weber und Martin Brachthäuser, der an diesem Abend die Verfolgung übernimmt, haben ihre Lizenz aus Altersgründen abgegeben. Theo Engel, knapp 66 Jahre alt, ist der letzte Hilchenbacher Ballonpilot.

Ohne Nachwuchs droht der Sinkflug

„Der Verein kann nur fortbestehen, wenn sich eine Gruppe junger dynamischer Leute zusammenfindet, die sich für Luftsport und Technik interessieren“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Stets könne das Team kräftige und sportliche Unterstützung gebrauchen – auf dem Boden und in der Luft. Speziell die Pilotenfrage treibt Albrecht Weber um. Die Ausbildung ist keine leichte Übung. Funken, Aerostatik, Navigation, Luftrecht, Technik, Meteorologie – wer einen Ballon fahren möchte, muss einiges leisten. Er bekomme aber extrem viel zurück, findet Theo Engel, den es schon in jungen Jahren in die Lüfte zog.
Über Allenbach und Stift Keppel fährt der Ballon weiter bei seinem abendlichen Ritt auf dem Wind. Sein Kurs quert das Ferndorftal, weiter geht es über Hof Buchen, die Winterbachdeponie und über die Höhen westlich von Herzhausen. Der dichte Ballungsraum von Siegen rückt in den Blick, als Theo Engel noch einmal kräftig anheizt und den Ballon kurz nach oben bringt – dann schon geht es wieder abwärts zur behutsamen Landung auf einer Hangwiese bei Unglinghausen.

Unabkömmliche "Erdferkel"

Ohne „Erdferkel“ Martin Brachthäuser wären die Luftikusse nun aufgeschmissen. Die Rückholaktion per Pkw und Anhänger, das Verfolgen des Ballons im topografisch anspruchsvollen Siegerland, ist eine Kunst für sich – in der Luft funktioniert die Funkverbindung noch hervorragend, auf dem Landeplatz hinter einer Bergkuppe aber ist nichts zu holen aus dem Äther. Wie gut, dass es Handys gibt.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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