All die Pofallas …

„Kanzlersouffleuse“ Simone Solga im Busch-Theater auf ihrem Parforceritt durch die deutsche Politlandschaft.  Foto: aww
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aww Dahlbruch. So ist es recht, erst mal schön beim Publikum einschleimen. Wieder ein Punkt abgehakt auf der langen Liste der einmeterachtundfuffzigeinhalb großen Kleinkünstlerin, die als „Thüringer Tornado“ die Bühne stürmt, um die zahlreichen Zuschauer im Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theater dann gute zwei Stunden lang an ihren Erfahrungen und Erkenntnissen die große Politik respektive deren Macher betreffend teilhaben zu lassen.

Simone Solga ist die „Kanzlersouffleuse“, und als solche weiß sie selbstverständlich bestens Bescheid darüber, was im Kanzleramt und auf der politischen Bühne abgeht. Schließlich ist sie diejenige, die einst Herrn Schröder und hernach Frau Merkel vermittels Knopf im Ohr einflüsterte, was diese dann in Reden und Interviews fleißig nachplapperten. Wobei, das betont Frau Solga mit Nachdruck, sie nicht für den Inhalt verantwortlich sei – das sind nämlich die Redenschreiber. Sie selbst souffliere ja nur.

Simone Solga war am Donnerstagabend mit ihrem dritten Soloprogramm – eingeladen hatte der Gebrüder-Busch-Kreis in Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten Hilchenbachs und Kreuztals – nicht zum ersten Mal im Siegerland zu erleben. Bereits im vergangenen Jahr gab sie in Neunkirchen die Souffleuse. Die SZ-Kulturredaktion berichtete seinerzeit ausführlich. Obgleich das große Ganze des Programms gleich geblieben ist, bewies Solga in Dahlbruch, dass sie eine fleißige Zeitungsleserin und am Puls der Zeit ist, denn insbesondere zu Beginn hatte sie freilich auch jüngeres und aktuelles politisches Tagesgeschehen ins Programm genommen: Chinesischen Wurzeltee trinkend (der übrigens auf Politiker ganz wundersame Auswirkungen haben kann), streifte sie die Opel-Krise („Opel-Bauer sucht Frau“), erhob Sigmar Gabriel zum „Abwrack-Engel“, schwenkte kurz über den großen Teich zu Obama und Hillary Clinton und wieder zurück zu Arnold Schwarzeneggers CeBIT-Besuch.

Immer wieder bekam die Kabarettistin für gut gesetzte Pointen Szenenapplaus – die einzigen Einschnitte im atemberaubenden Dauergeplauder der Simone Solga. Vermutlich braucht sie die Beifallpausen, um Luft zu holen. Auch am Ende gab es anhaltendes Händeklatschen, für das sich Solga mit einer Liedzugabe bedankte. Obschon das Programm zum Schluss hin etwas lang geriet, amüsierte der Parforceritt durch die deutsche Politlandschaft. Dabei gab es kaum einen von all den Pofallas, Schäubles oder Steinbrücks dieses Landes, die nicht einen von ihr mitbekamen. Als Imitatorin von Merkel, Schröder oder Ulla Schmidt und als Sprecherin ostdeutschen Idioms unterhielt die Kabarettistin ebenso gut wie als talentierte Sängerin. Zum echten Highlight avancierte die Merkel-Nummer, bei der Souffleuse Solga die Kanzlerin auch das unbeabsichtigte Echo im sprechenden Ohrknopf nachpapageien ließ: „Dafür bürge ich mit meinem Namen – Amen.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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