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Wird die Sause zum 675-Jährigen nachgeholt?
Allen Grund zum Feiern

Nach Lachen ist dem Festausschuss eigentlich nicht zumute: Nick Stein, Martin Born und Jörg Heiner Stein (v. l.) mussten die Reißleine ziehen. Die Feierlichkeiten zum Grunder DorfJubiläum können wegen der Pandemie nicht stattfinden. Ob sie nachgeholt werden können, ist bislang offen.
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  • Nach Lachen ist dem Festausschuss eigentlich nicht zumute: Nick Stein, Martin Born und Jörg Heiner Stein (v. l.) mussten die Reißleine ziehen. Die Feierlichkeiten zum Grunder DorfJubiläum können wegen der Pandemie nicht stattfinden. Ob sie nachgeholt werden können, ist bislang offen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Grund. Was für ein Jammer. Zwei Jahre lang haben die Bewohner des Jung-Stilling-Dorfs darauf hingefiebert, dass es in diesem Sommer noch einmal einen Anlass für ein herausragendes Fest geben würde. Auf mehreren Jubiläumsfeiern in der Umgebung haben sie sich Inspirationen geholt und in ihrem Eifer befeuern lassen – und dann das: 2020, das Jahr, in dem Grund die 675 voll macht, musste vollends einknicken vor einem winzig kleinen Virus aus der Corona-Familie. An fröhliches Feiern ist nicht zu denken. Die große Sause musste abgesagt werden.
Abwarten und Abstand haltenTrübsal blasen ist den Grundern jedoch fremd.

js Grund. Was für ein Jammer. Zwei Jahre lang haben die Bewohner des Jung-Stilling-Dorfs darauf hingefiebert, dass es in diesem Sommer noch einmal einen Anlass für ein herausragendes Fest geben würde. Auf mehreren Jubiläumsfeiern in der Umgebung haben sie sich Inspirationen geholt und in ihrem Eifer befeuern lassen – und dann das: 2020, das Jahr, in dem Grund die 675 voll macht, musste vollends einknicken vor einem winzig kleinen Virus aus der Corona-Familie. An fröhliches Feiern ist nicht zu denken. Die große Sause musste abgesagt werden.

Abwarten und Abstand halten

Trübsal blasen ist den Grundern jedoch fremd. Auch wenn bereits seit Mitte April klar ist, dass weder die für den kommenden Sonntag geplante festliche Stunde noch das Jubiläumswochenende Anfang September stattfinden können, haben sie die Vorbereitungen bis auf Weiteres griffbereit in der Schublade liegen. Ob, wann und wie das 675-Jährige nachgefeiert werden kann, ist momentan noch nicht ausgemacht. Vorerst heißt es: abwarten und Abstand halten.
„Es ist ein herber Verlust für das Dorf, dass wir nicht feiern können“, bedauert Nick Stein. Der Vorsitzende des Heimatvereins bildet gemeinsam mit seinem Vater Jörg Heiner und Ortsvorsteher Martin Born den Festausschuss, der nach anfänglicher, vorösterlicher Zuversicht dann doch die Coronabremse ziehen musste. „Nichts anbieten zu können, bedauern wir sehr“, sagt Jörg Heiner Stein. Das Dorf würde nur zu gern zeigen, was es drauf hat: „Wir können ja was! Es scheitert weder am Geld noch an der Umsetzung.“

Nur ein volles Festzelt lässt die Kasse klingeln

In der Tat: Der Festmarkt, der für Sonntag, 6. September, vorgesehen war, hätte einiges zu bieten gehabt. 40 auswärtige Standbetreiber hatten sich angemeldet – darunter auch viele derjenigen, die sich in der Vergangenheit gern am Bauernmarkt auf der Ginsberger Heide eingefunden haben. Dieser hätte in diesem Jahr ohnehin örtlich verschoben und in das Jubiläumsgeschehen integriert werden sollen.
Die Motivation, doch noch eines Tages zu feiern, sei ungebrochen, räumen die Grunder ein. „Aber es muss sich rechnen.“ Sprich: Wer ein stattliches Festzelt anmietet, der muss es auch füllen dürfen. Derzeit ist an derartige Feiern nicht zu denken. Auch die kleinere, interne Variante, die sich die Organisatoren für die Grunder Dorfgemeinschaft vorgenommen hatten, wird nun nicht stattfinden können – der Vorstand des Heimatvereins hat sich nun endgültig gegen dieses Trostpflaster ausgesprochen. Das Wiedererstarken der Infektionszahlen spricht dagegen. Ob der ganze Festreigen einfach 2021 nachgeholt werden kann? Selbst das erscheint fraglich, wenn es auch noch niemand so richtig ausschließen möchte. Die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt.

Idyllisch – ganz so wie auf dieser historischen Aufnahme sieht es heute nicht mehr aus in der Grunder Ortsmitte. Die Kapellenschule dient inzwischen als Dorfgemeinschaftshaus.
  • Idyllisch – ganz so wie auf dieser historischen Aufnahme sieht es heute nicht mehr aus in der Grunder Ortsmitte. Die Kapellenschule dient inzwischen als Dorfgemeinschaftshaus.
  • Foto: Jan Schäfer
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Auch das 650-Jährige wurde mit Verspätung begonnen

Dass Grund im kommenden Jahr der Festanlass abhanden gekommen sein wird, dürfte nicht weiter ins Gewicht fallen. Denn schon jetzt ist der besondere „Geburtstag“ längst hinterm Pflug. Bereits das 650-Jährige wurde mit Verspätung begangen – dieser Rechenfehler wurde der Festgemeinde bereits 1995 vor die Nase gehalten, als Dr. Helmut Busch (früherer Schulleiter des einstigen Jung-Stilling-Gymnasiums) in seiner Ansprache auf eine urkundliche Ersterwähnung schon im Jahre 1344 verwies.
Die Urkunde vom 13. Februar 1345, Grundlage der Jubiläumstrechnung, in der Graf Otto von Nassau ein „huys in dem grunde erwähnt“, wird noch von einem Eintrag im Mann- und Güterbuch derer von Bicken mit Sitz in Hainchen von 1344 „getoppt“. Darin ist die Rede von einem Hof von beträchtlicher Größe im Klingelseifen, einem Flurstück unterhalb des Dorfes. Schon im vergangenen Jahr hätten sich die Grunder also in den Reigen der vielen feiernden Ortschaften im Siegerland einreihen können, die allesamt in besagtem Mannbuch „debütierten“. Die Grunder aber blieben konsequent, ließen zwischen den beiden Jubiläen 25 Jahre vergehen. Nur eine weltweite Pandemie konnte diesen Enthusiasmus ausbremsen.

Inquisition als schwarzes Kapitel 

Doch zurück zum Blick in die Geschichtsbücher: Über Jahrhunderte war das Leben der Grunder von Ackerbau und Viehzucht geprägt. Erst später kamen Nebenberufe wie Köhler, Fuhrmann – oder auch der Schellenschmied – hinzu. Die Grafen von Nassau erwarben die strategisch wichtige Grenzfeste auf den Grunder Höhen, der sie den Namen Ginsburg gaben. Als schwarzes Kapitel der Dorfgeschichte geht das Jahr 1520 in die Annalen ein. Damals erreichte die Inquisition Grund und verbrannte eine Dorfbewohnerin als Hexe im Schatten jener Burg, die 1568 europäische Geschichte schreiben sollte – als Wilhelm von Oranien hier den Befreiungskampf seiner niederländischen Provinzen plante.
Hart traf es das Dorf im 17. Jahrhundert, das geprägt war von Kriegen und der Pest. Erst im 18. Jahrhundert setzte eine langsame, aber stetige Erholung ein für die Grunder. In dieser Zeit wurde der bekannteste Sohn des Dorfes geboren, Johann Heinrich Jung genannt Stilling – ein bedeutender Gelehrter seiner Zeit, bekannt weit über seine Heimat hinaus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Gemarkung Grund um die Landanteile von Hof Ginsberg erweitert. Die Ginsberger Heide ist neben dem 1968 wiedererrichteten Turm der Ginsburg bis heute der Hauptmagnet des Dorfes – sie ist bei Sportlern und Kulturinteressierten gleichermaßen beliebt. Seit 1909 findet hier das Gillerberg-Turnfest statt, seit 1991 wird das Zeltfestival „Kultur Pur“ ausgetragen. Es sei denn, Corona macht einen Strich durch die Rechnung.

Aktive Dorfjugend als echtes Pfund

Grund ist mit seinen rund 320 Einwohnern ein kleines Dorf mit großer Strahlkraft, in dem sich auch in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten viel getan hat. Selbstbewusst präsentierte es sich beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, wo es sich 2011 auf Kreisebene Gold holte und unter Beweis stellte, dass es sich zukunftsorientiert aufstellt. Die Dorfjugend gestaltet seit beinahe zehn Jahren aktiv mit am Gemeinschaftsleben. Die Dorfmitte um die zum Dorfgemeinschaftshaus ausgebaute alte Kapellenschule wurde erneuert. Am Steuer des elektrisch betriebenen Dorfautos machen die Grunder seit einigen Jahren mit einem innovativen Mobilitätskonzept Schule. Bei allen Blicken nach vorn bleibt der Sinn für die Geschichte geschärft: Vor wenigen Monaten erst bekam der Ort neue Eingangsschilder – Grund ist nun für jeden Durchreisenden sofort als das „Jung-Stilling-Dorf“ erkennbar.

Charakter schwarz auf gelb gestärkt

2020, das Jahr in dem gefeiert werden sollte, wird also nicht als der erhoffte Höhepunkt in die Dorfchronik eingehen. Die Festschrift, mit der die Vereinsaktiven in diesem Jahr die Feierlichkeiten dokumentieren wollten, bleibt vorerst ungeschrieben. Farbenfroh ging es dennoch zu: Im Frühjahr bemalten und verteilten Jungscharkinder Tüten mit Blumensamen im Ort und ließen gemeinsam mit den Gartenbesitzern das Dorf aufblühen. Immerhin ein kleiner Trost.

Nach Lachen ist dem Festausschuss eigentlich nicht zumute: Nick Stein, Martin Born und Jörg Heiner Stein (v. l.) mussten die Reißleine ziehen. Die Feierlichkeiten zum Grunder DorfJubiläum können wegen der Pandemie nicht stattfinden. Ob sie nachgeholt werden können, ist bislang offen.
Idyllisch – ganz so wie auf dieser historischen Aufnahme sieht es heute nicht mehr aus in der Grunder Ortsmitte. Die Kapellenschule dient inzwischen als Dorfgemeinschaftshaus.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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