SZ-Plus

Radio- und Fernsehtechniker heißt jetzt Informationselektroniker
Altes Handwerk hat (fast) ausgedient

Stefan Jaeger machte seine Meisterprüfung bereits als Informationselektroniker, auch bei Geselle Fabio Reis spielte Radio- und Fernsehtechnik nur noch eine Nebenrolle.
  • Stefan Jaeger machte seine Meisterprüfung bereits als Informationselektroniker, auch bei Geselle Fabio Reis spielte Radio- und Fernsehtechnik nur noch eine Nebenrolle.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sp Dahlbruch. Schon als Kind stand Stefan Jaeger bei seinem Vater im Geschäft, schaute zu, wie er Fernseher und Radios verkaufte und reparierte. „Damals trug der Radio- und Fernsehtechniker noch einen weißen Kittel, er war ja der Doktor für die Geräte“, erzählt Jaeger mit einem Lachen. Der Betrieb des Vaters existiert noch heute. Stefan Jaeger hat ihn von seinem Vater übernommen. Die Ausbildung zum Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers allerdings existiert nicht mehr.
Aus drei Berufen einen gemachtVor etwa 20 Jahren habe man aus drei Handwerksberufen einen gemacht, erklärt Jaeger. Früher habe es den Büroinformationselektroniker, den Fernmeldeelektroniker und eben den Radio- und Fernsehtechniker gegeben. Heute ist man Informationselektroniker.

sp Dahlbruch. Schon als Kind stand Stefan Jaeger bei seinem Vater im Geschäft, schaute zu, wie er Fernseher und Radios verkaufte und reparierte. „Damals trug der Radio- und Fernsehtechniker noch einen weißen Kittel, er war ja der Doktor für die Geräte“, erzählt Jaeger mit einem Lachen. Der Betrieb des Vaters existiert noch heute. Stefan Jaeger hat ihn von seinem Vater übernommen. Die Ausbildung zum Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers allerdings existiert nicht mehr.

Aus drei Berufen einen gemacht

Vor etwa 20 Jahren habe man aus drei Handwerksberufen einen gemacht, erklärt Jaeger. Früher habe es den Büroinformationselektroniker, den Fernmeldeelektroniker und eben den Radio- und Fernsehtechniker gegeben. Heute ist man Informationselektroniker. „Das ist ein Riesenwandel, den dieser Beruf erlebt hat.“ Er selbst legte 2012 seine Meisterprüfung in diesem Handwerk ab.
1965 gründete Volker Jaeger das Geschäft in Hilchenbach, 1982 zog es nach Dahlbruch um. Die Faszination an den Fernsehgeräten sei groß gewesen, sagt sein Sohn. Als von Schwarz-Weiß auf Farbe umgestellt wurde, hätten die Leute vor dem Schaufenster gestanden, um den Moment mitzuerleben. „Die Fernsehgeräte konnte man noch reparieren“, das sei mit der Technik heute kaum noch möglich, erklärt Jaeger. Und eine Reparatur könne inzwischen so viel kosten wie ein neuer Fernseher: „Das macht keiner mehr.“

Beratung im kleinen Geschäft, Kauf im Elektromarkt

Die kleinen Geschäfte hätten vor allem mit den großen Elektromärkten zu kämpfen. „Der Trend fing an, dass der Kunde sich vom Fachmann beraten ließ, dann aber zum Elektromarkt ging, weil der Videorekorder da 30 Mark günstiger war.“ Sein Vater habe sich immer rechtfertigen müssen für die Preise, sagt der 49-Jährige. Auch das sei ein Grund gewesen, warum Volker Jaeger begann, sich mit Sicherheitstechnik auseinanderzusetzen. Ein Kunde hatte mehrere Einbrüche in seiner Jagdhütte mitgemacht, weitere wollte er verhindern, „da hat mein Vater angefangen zu tüfteln“. 1986 beendete er den Geschäftszweig mit Radios und Fernsehern und war fortan mit der Sicherheitstechnik (Einbruch- und Brandmeldeanlagen) voll ausgelastet. Die Ära der Radio- und Fernsehtechnik klang langsam aus.

Grundkenntnisse in Radio- und Fernsehtechnik

Dieser Bereich ist für Fabio Reis (23) nur eine Nebensache. Der Geselle in Informationselektronik lernte darüber nur etwas in seiner Ausbildung; die Grundkenntnisse wurden vermittelt. „Man hat das mal gehört, mal gemacht, aber man braucht es nicht mehr.“ Aber natürlich gebe es noch Unternehmen, die darauf spezialisiert seien. Und die hätten auch gute Chancen zu überleben, sagt Stefan Jaeger, denn der Wunsch nach Service und Qualität komme wieder mehr auf.

Sicherheitstechnik ist zukunftssicher

Die Sicherheitstechnik sei zukunftssicher, sagt Reis. Und sie sei immer erschwinglicher, immer mehr Leute könnten sie sich leisten. Er entschied sich für den Beruf und den Betrieb, weil er hier abwechslungsreiche Arbeit durchführt, für private Kunden und für Firmen arbeitet und dabei sogar bis an den Bodensee fährt.

Digitalisierung erleichtert die Arbeit

Dass die Digitalisierung in seiner Branche immer weiter voranschreitet, kann der Geselle nur bestätigen: „Ich bin der Meinung, dass uns das die Arbeit enorm erleichtert.“ Aus einer Generation kommend, die mit Computern, Internet und Smartphones groß geworden ist, fällt ihm das leicht. Mit der neuesten Technik sei die Fehlersuche deutlich einfacher. Wenn aber der Computer versage, dann helfe ein Anruf beim Chef, der habe die Ideen, wie man ein Problem analog lösen könne.

Altes Handwerk und neue Technik

Auch für die Kunden werde alles smarter. Heißt: Die Anlagen können mit den Handy gesteuert oder kontrolliert werden. „Das ist komfortabler.“ Trotz Digitalisierung komme das „Old-School-Handwerk“ wie das Bohren zum Einsatz, wenn Kabel verlegt und Geräte montiert werden müssten, sagt Jaeger. Die modernen Maschinen dafür seien heute oft leistungsstärker und gesundheitsfreundlicher. Manchmal aber werde noch mit alten Geräten gearbeitet, z. B. beim Messen. Es sei ein Unterschied, ob eine Zahl in digitaler Anzeige langsam nach unten gehe oder ob ein Zeiger schlagartig auf Null gehe.
Fabio Reis hat vor etwa drei Jahren seine Gesellenprüfung abgelegt – und bereits jetzt hat er mit seiner Meisterausbildung begonnen. Es gebe sogar Kollegen, die schon während der Ausbildung zum Gesellen anfingen. „Früher hat man erst mal eine bestimmte Zeit als Geselle gearbeitet. Das ist nicht mehr so.“ In seinem Kurs seien Gesellen über 40 Jahre in der Minderheit.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen