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Archäologen gehen in die Tiefe
Anlage der Ginsburg wohl größer als vermutet

Studentin Jana Bürger – hier mit einem Georadar-Messgerät – gehört zu der Arbeitsgruppe der Uni Marburg, die an der Ginsburg auf dem Schlossberg mit archäologischen Mitteln in die Tiefe geht.
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  • Studentin Jana Bürger – hier mit einem Georadar-Messgerät – gehört zu der Arbeitsgruppe der Uni Marburg, die an der Ginsburg auf dem Schlossberg mit archäologischen Mitteln in die Tiefe geht.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Grund. Mit archäologischen Ausgrabungen hat die Ruine Ginsburg, hoch oben auf dem Schlossberg bei Grund, bereits Bekanntschaft gemacht. Insbesondere in den 1960er-Jahren, als die zugewucherten Reste der mittelalterlichen Wehranlage mit teilweise brachialem Baggereinsatz freigelegt und mit dem Wiederaufbau des Bergfrieds garniert worden waren, hat sich viel getan. Jetzt, mehr als fünf Jahrzehnte später, schickt sich der Verein zur Erhaltung der Ginsburg an, ein neues historisches Kapitel aufzuschlagen.
Blick in die TiefeDabei geht der Blick des Vereins in zwei Richtungen, sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit. Um das Projekt „Barrierefreie Höhenburg“, gefördert als „Heimatzeugnis“ des Landes NRW, in Angriff zu nehmen, werden auch Eingriffe ins Gelände nötig sein;

js Grund. Mit archäologischen Ausgrabungen hat die Ruine Ginsburg, hoch oben auf dem Schlossberg bei Grund, bereits Bekanntschaft gemacht. Insbesondere in den 1960er-Jahren, als die zugewucherten Reste der mittelalterlichen Wehranlage mit teilweise brachialem Baggereinsatz freigelegt und mit dem Wiederaufbau des Bergfrieds garniert worden waren, hat sich viel getan. Jetzt, mehr als fünf Jahrzehnte später, schickt sich der Verein zur Erhaltung der Ginsburg an, ein neues historisches Kapitel aufzuschlagen.

Blick in die Tiefe

Dabei geht der Blick des Vereins in zwei Richtungen, sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit. Um das Projekt „Barrierefreie Höhenburg“, gefördert als „Heimatzeugnis“ des Landes NRW, in Angriff zu nehmen, werden auch Eingriffe ins Gelände nötig sein; für das Fundament eines Infopavillons etwa oder die stufenlose Zuwegung um die Burganlage herum. Bevor das der Fall sein wird – im Herbst soll der Bau beginnen –, lässt der Verein in die Tiefe blicken. Ein Team von jungen Archäologen um Prof. Dr. Felix Teichner von der Philipps-Universität Marburg nimmt die Burganlage und zwei weitere historische Stätten im Bereich der Ginsberger Heide unter die wissenschaftliche Lupe.

Ohne Bagger und Spaten zur Erkenntnis

In einem ersten Arbeitsschritt haben sich die Forscher nichtinvasiv herangetastet, ohne Spaten ohne Bagger, aber doch erkenntnisreich. Drei Untersuchungsmethoden kamen im Verlauf der vergangenen Woche zum Einsatz: geomagnetische, geoelektrische und ein Georadar. Mithilfe dieser technischen Unterstützung können die Wissenschaftler unter die Grasnarbe schauen, anthropogen (also vom Menschen) verursachte Störungen ermitteln und mit entsprechender Software in zwei- und dreidimensionale Bilder und Modelle umrechnen lassen.

Kleinen Marktplatz entdeckt?

Besonderen Fokus legten die Marburger Gäste auf den Bereich der Vorburg, den sie sich im Spätsommer noch einmal genauer vornehmen möchten. Denn: Das, was der Ginsburgverein bereits vermutet hatte, bewahrheitet sich anscheinend und könnte sich wissenschaftlich belegen lassen: Die Anlage der mittelalterlichen Höhenburg war größer, als der derzeitige Ausgrabungsstand vermuten lässt. Unter der Grasnarbe haben die Hightech-Messgeräte sehr deutliche Spuren von einer Vorburg samt Turm entdeckt. Es deutet also alles darauf hin, dass es nicht nur die geschützte Kernburg gab, sondern einen vorgelagerten Wirtschaftsbereich, vielleicht mit zentralörtlicher Funktion, so etwas wie einen kleinen Marktplatz.

Keine tiefe Grabung notwendig

Genaueres dürfte sich im Spätsommer zeigen, wenn das geoarchäologische Labor noch einmal länger Station macht im Siegerland. „Wir wissen jetzt genau, wo wir graben müssen“, sagt Prof. Teichner. Sonderlich tief liegen die hoffentlich aussagekräftigen Zeugnisse menschlicher Bauten nicht – mehr als etwa einen halben Meter dürfte es nicht sein. Ein Bagger muss also nicht her, der Spaten reicht aus für diese oberflächennahe Grabung.

Abfälle sind historische Schätze

Nicht nur Grundmauern erhoffen sich die Archäologen zu finden, sondern auch weitere Hinweise auf die mittelalterliche Hoch-Zeit der Burg, die vor allem wegen ihrer Episode um Wilhelm von Oranien (1568) von historischer Bedeutung ist. Es sei auch Fundmaterial zu erwarten, schürt Dr. Teichner die Spannung. Gerade im Bereich der Vorburg könne das interessant werden. Abfälle von damals könnten als historische Schätze wieder zum Vorschein kommen. Keramik, Waffen, Eisen, Münzen: Das alles könnte im neuen Kapitel der Ginsburg eine Rolle spielen.

Möglicherweise für Waffentechnik ertüchtigt

Im vorsichtigen Konjunktiv ließ Felix Teichner nach Abschluss der nichtinvasiven Phase schon ein paar Vermutungen verlauten. Es könnte sein, dass es hier eine mittelalterliche Burg gegeben habe, die zudem eine weitere Bauphase aufweise – eine, in der sie für die Waffentechnik der Neuzeit ertüchtigt wurde. Schon eine in den 1960er-Jahren mit freigelegte Bastion sei ein Hinweis darauf. Es habe nicht nur funktionale Unterschiede, sondern auch qualitative in der Art des Ausbaus gegeben, so der vorläufige Eindruck.

Mehr Menschen als gedacht

Der Ginsburgverein ist froh, diese Unterstützung von der Uni Marburg zu bekommen. „Eine kommerzielle Ausgrabung hätten wir uns nicht leisten können“, sagt 2. Vorsitzender Markus Völkel. Finanzielle Unterstützung gibt es zwar, diese aber sei vergleichsweise überschaubar. Teichner und Team werden ihre Ergebnisse dokumentieren, sodass der Verein die Geschichte der Burg um ein Narrativ erweitern und seine Schautafeln erweitern kann. „Wer hat hier wie gelebt?“, fragt Vereinsvorsitzender Dieter Viehöfer und freut sich auf Antworten. „Offenbar waren hier doch mehr Menschen angesiedelt als gedacht.“ Aus Sicht der Universität ist dieses Projekt in doppelter Hinsicht relevant: Hier kann der wissenschaftliche Nachwuchs praktisch üben, wie archäologisches Arbeiten geht. Zugleich können die Studenten echte Forschung betreiben. Projektleiter Teichner reizt insbesondere die Gegenüberstellung von schriftlichen und archäologischen Quellen – als gegenseitige Ergänzung und Kontrolle.

Grabung schließen oder erlebbar machen

Was aber passiert mit der Ausgrabung, wenn die Marburger sich im Spätsommer wieder verabschieden? Aus wissenschaftlicher Sicht könne alles nach der Dokumentation wieder verschlossen werden, so Teichner. Grundsätzlich möglich sei es aber auch, die Grabungen geöffnet, sichtbar und somit erfahrbar zu machen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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