Auf die Spur gekommen

Bislang „ungesehen“: Bruno Obermann zeigt plastische Kunst in der Galerie im Garten in Grund.  Foto: ne

ne Grund. Einer weniger bekannten Seite in Bruno Obermanns künstlerischem Schaffen ist seit Sonntag in der Galerie im Garten in Grund mithilfe einer Fülle unikater Kunstobjekte, Wandplastiken oder Assemblagen nachzuspüren – und viele Freundinnen und Freunde zeitgenössischer Kunst machten gleich zur Vernissage schon reichlich Gebrauch von der Einladung, sodass sich zeitweilig die Besucherschlange bis vor die Tür der Galerie hinzog.

Von so viel Erfolg beflügelt, reflektierte die Galeristin Christa Meesmann zur Einstimmung auf die Schau eloquent ihren persönlichen Zugang zur plastischen Kunst Bruno Obermanns, berichtete auch, wie die Ausstellung mit dem Titel „Ungesehenes …“ zustande gekommen ist, da gerade die Objektkunst Obermanns bisher ein Schattendasein in der Ausstellungsbilanz des erfolgreichen informellen Malers führte. Meesmann wurde während wiederholter Atelierbesuche anlässlich der jährlich kuratierten Kunstsommer-Events auf die kleinen, aber feinen Gebilde aufmerksam, die die Regale und Ecken des Malerateliers in Deuz besetzt hielten, wie vergessenes, einst geliebtes Spielzeug.

In den Räumen der Galerie Meesmann entfalten die plastischen Objekte, die zusammengesuchten Reliefs, die verfremdeten Fundstücke aus Natur und Zivilisationsmüll eine Aura von Entdeckerfreude, mutieren zu visualisierten Statements Obermannscher Kunstauffassung, die den Dialog mit der Ästhetik des Gegenstandes sucht, die einen Hang zur Ironie hegt, ein Faible für Unperfektion pflegt und Vergänglichkeit der Dinge und auch der Kunst als Metapher einer allgemeinen Ethik reflektiert.

„Ich möchte keine Geschichten mit meinen Bildern erzählen“, postuliert Obermann, doch der Künstler müsste diese Aussage im Hinblick auf die ausgestellten Objekte revidieren, denn Fundstücke, also Gegenstände, die einstmals oder aktuell einer bestimmten Bedeutung, einem genauen Inhalt zuzuordnen waren oder sind, in einen neuen Zusammenhang zu bringen, mit anderen Dingen zu einem neuen Objekt zu vereinen, beziehen ja zu einem großen Teil ihre Faszination aus eben dieser historistisch-reflektierten Ausgangssituation.

Beispielsweise wirft ein ausgestelltes Objekt – ein auf zwei kleine Rollen aufgewickeltes Tonband, wovon die eine Spule nahe der Raumdecke an die Wand genagelt, die andere am Fuße der Wand auf dem Boden liegend arrangiert worden ist, also teilaufgespult und verknittert – Fragen nach der Geschichte des Objektes auf: Was ist auf dem Tonband, was protokollierte es? Ist die Aufnahme nun zerstört durch den künstlerischen Eingriff oder war das Band schon zuvor gelöscht? Spricht das Objekt von der Fragilität von Kommunikation oder der Unmöglichkeit, echte Kommunikation zu archivieren? Kann man dieser so beredten Collagekunst, der mit so schillerndem narrativen Charakter ausgezeichneten Materialkonstruktionen und Dekonstruktionen des Bruno Obermann bis auf den Grund gehen, oder – im Wortsinne bei der beispielhaften Arbeit mit dem Tonband – auf die Spur kommen?Spannungsreiche Versuche, diese zwischen humorvoller Gesellschaftskommentierung und persönlicher Zeitreflexion changierenden Kunst für sich selbst zu entdecken, sind in Grund noch bis Sonntag, 17. Mai, zu den bekannten Öffnungszeiten (mittwochs, donnerstags und wochenends von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung) möglich.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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