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Abenteuer "Menage Müsen" geht weiter
Aussichten eines Kreativen

Über den Dächern von Müsen: Rainer Zipp Fränzen.
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js Müsen. Den Sportsgeist lässt sich Rainer Fränzen so leicht nicht austreiben. Dass dem Hausherrn der alten Menage in Müsen immer wieder neue Steine in den Weg purzeln, hat ihn bislang nie vom Kurs abgebracht. Er springt drüber, macht weiter. Auch wenn diese Sprünge nicht allzu groß ausfallen. Denn: Die Rettung des historischen Bergarbeiterwohnhauses an der Müsener Stollenhalte ist eine echte Hausnummer. Eine Lebensaufgabe, der sich Schauspieler und Filmemacher Fränzen, genannt „Zipp“, gestellt hat. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, sagt der Wahl-Müsener und könnte es ebenso gut folgendermaßen formulieren: Mühsam ernährt sich der Künstler.

Drei Jahre sind nun ins Land gegangen, seitdem sich Fränzen die Stadt Hilchenbach von einem Ladenhüter befreit hat.

js Müsen. Den Sportsgeist lässt sich Rainer Fränzen so leicht nicht austreiben. Dass dem Hausherrn der alten Menage in Müsen immer wieder neue Steine in den Weg purzeln, hat ihn bislang nie vom Kurs abgebracht. Er springt drüber, macht weiter. Auch wenn diese Sprünge nicht allzu groß ausfallen. Denn: Die Rettung des historischen Bergarbeiterwohnhauses an der Müsener Stollenhalte ist eine echte Hausnummer. Eine Lebensaufgabe, der sich Schauspieler und Filmemacher Fränzen, genannt „Zipp“, gestellt hat. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, sagt der Wahl-Müsener und könnte es ebenso gut folgendermaßen formulieren: Mühsam ernährt sich der Künstler.

Drei Jahre sind nun ins Land gegangen, seitdem sich Fränzen die Stadt Hilchenbach von einem Ladenhüter befreit hat. Für einen symbolischen Euro kaufte er die lange Zeit leerstehende ortsbildprägende Immobilie, um sie fortan für private, geschäftliche und öffentliche Zwecke wiederzubeleben. Die Menage war nach dem Aus der Bergbaugeschichte jahrelang in mehrere Parteien unterteilt vermietet worden und blieb zuletzt ein Jahrzehnt lang unbewohnt. Kaufen wollte es in dieser Zeit niemand, ein Mann mit Vision musste her.

Neue Haube für die alte Menage

Rainer Fränzen hat diese Vision: Er möchte in der Menage eine Wohnung für sich und eine zum Vermieten einrichten und seinen Ein-Mann-Betrieb von der Stollenhalde aus führen. Das Erdgeschoss soll zum Eventbereich werden. Hier bereitet Fränzen mit seinem Kompagnon Werner Halft zwei „Escape Rooms“ vor, die sich thematisch an der Montangeschichte des Standorts orientieren. Zudem soll ein gemütlicher Salon für kleinere Veranstaltungen eingerichtet werden.

Wann diese Wünsche alle in der Wirklichkeit ankommen, ist nicht ganz klar. Zipp zögert inzwischen, wenn er danach gefragt wird. Auf konkrete zeitliche Prognosen lässt er sich nicht ein. Er ist ein gebranntes Kind, hat seit der Unterzeichnung des Kaufvertrags jede Menge dazu gelernt – nicht nur in handwerklicher Hinsicht, sondern auch, was Rückschläge betrifft. Brandschutzauflagen im Denkmalbestand zu erfüllen in einem solchen Multifunktionsgebäude, das ist kein Pappelstiel. Das Finanzielle lief ebenfalls nicht immer rund – auf Kredite von Banken kann Fränzen nicht setzen in seinen Plänen. Nicht einmal bei der Sanierung des Daches war ein Darlehen zu haben, und das, obwohl das NRW-Heimatministerium einen gewaltigen Batzen aus dem Dorferneuerungsprogramm 2019 zugeschossen hat. 42 000 Euro für das neue Dach des Baudenkmals kamen aus Düsseldorf. Den Rest der auf 135 000 Euro veranschlagten Sanierungsmaßnahme musste Fränzen selbst aufbringen oder mit einem Privatdarlehen von Müsenern decken.

Ausgesprochen knapp wurde es, die wetterdichte „Haube“ aufs Haus zu bringen. Erst kurz vor Weihnachten waren die Arbeiten abgeschlossen. Das Schieferdach mit Gauben und neuen Schornsteinen musste noch im alten Jahr fertig werden; andernfalls wäre der Landeszuschuss perdu gewesen. „Ich musste meine kompletten Rücklagen da reinstecken“, erklärt Zipp, dasss die Eröffnung der Escape Rooms (eigentlich für vergangenes Jahr angekündigt) noch auf sich warten lassen müssen. Beruhigend: Das neue Dach schützt die Bausubstanz. Der Zeitdruck ist nun raus.

Das hilft ein wenig, denn auch die Corona-Krise trifft den Künstler hart. Nach guter Auftragslage in den ersten Monaten des Jahres hat Rainer Fränzen nun unerwünscht viel Zeit. Gut zum Renovieren, schlecht zum Verdienen. Seine schauspielerischen Auftriffte in Filmproduktionen und auf Szene-Events sind derzeit nicht gefragt, die Branche liegt brach.

Umso mehr Kreativität ist nun gefragt – und die hat Fränzen mit seinem Partner Werner Halft zu einem Kooperationsprojekt mit den Siegener Waldrittern gebracht. Wenn Escape-Spiele im echten Leben derzeit nicht möglich sind, wenn die Menage noch kein Publikum empfangen darf, kann es doch zumindest in der virtuellen Welt klappen. Unter dem Titel „Grave Escape“ soll bereits in Kürze eine Serie von Online-Escape-Abenteuern starten und ins Netz gehen: ein bisschen Beschäftigung für die Leute „da draußen“.

Nach wie vor begeistert ist Rainer Fränzen vom Rückhalt in der Dorfgemeinschaft überm Wasser. Seitdem er sich der Rettung des Gebäudes verschrieben hat, kann er mit und auf tatkräftige Unterstützung aus Müsen bauen. „Die alte Menage zu retten, ist ja kein Ego-Projekt von mir“, betont er; vielmehr gehe es um das „Wir“ im Dorf.

Ein bisschen Ego schimmert dann aber doch durch, wenn er von seiner Freude darüber berichtet, wenn er von Spaziergängern angesprochen wird, die seine Bemühungen um das Bergarbeiterhaus loben. Dieses Wechselspiel sei es, was seine Motivation immer wieder anschiebe, sagt der Schauspieler, dem derzeit die eigentliche Bühne fehlt. „Das ist wie der Applaus für einen Künstler.“ <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p"> Jan Schäfer</chartag>

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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