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Klassentreffen in Hilchenbach
Aussiedlerklasse feiert Wiedersehen nach 50 Jahren

Sieben der damals 18 Absolventen durchschritten an einem sonnigen Samstagabend noch einmal das eiserne Schultor an der Jung-Stilling-Allee, heute Eingang zur Carl-Kraemer-Realschule.
  • Sieben der damals 18 Absolventen durchschritten an einem sonnigen Samstagabend noch einmal das eiserne Schultor an der Jung-Stilling-Allee, heute Eingang zur Carl-Kraemer-Realschule.
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bjö Hilchenbach. Tradition verpflichtet auch nach 50 Jahren: Das Engagement als Klassensprecher damals hat Eugen Olszowy jedenfalls bis zum heutigen Tag ernst genommen – erneut ergriff er nun die Initiative, die Mitschülerinnen und Mitschüler „seiner“ Aussiedlerklasse des damaligen Jung-Stilling-Gymnasiums zu einem Klassentreffen 50 Jahre nach dem Abitur nach Hilchenbach einzuladen.

Die Mühe lohnte sich

Sieben der damals 18 Absolventen durchschritten an einem sonnigen Samstagabend noch einmal das eiserne Schultor an der Jung-Stilling-Allee, heute Eingang zur Carl-Kraemer-Realschule.

bjö Hilchenbach. Tradition verpflichtet auch nach 50 Jahren: Das Engagement als Klassensprecher damals hat Eugen Olszowy jedenfalls bis zum heutigen Tag ernst genommen – erneut ergriff er nun die Initiative, die Mitschülerinnen und Mitschüler „seiner“ Aussiedlerklasse des damaligen Jung-Stilling-Gymnasiums zu einem Klassentreffen 50 Jahre nach dem Abitur nach Hilchenbach einzuladen.

Die Mühe lohnte sich

Sieben der damals 18 Absolventen durchschritten an einem sonnigen Samstagabend noch einmal das eiserne Schultor an der Jung-Stilling-Allee, heute Eingang zur Carl-Kraemer-Realschule. Mit dabei ihr damaliger Klassenlehrer Rolf Jüngermann, der vor einem halben Jahrhundert als Studienassessor nur wenige Jahre älter war als seine Schüler und ihnen damals schon das „Du“ anbot – „das war für die damalige Zeit ungeheuerlich“, erinnert sich Eugen Olszowy. Das Besondere an der damaligen Aussiedlerklasse verrät schon der Name: Deren Schüler kamen als sogenannte Spätaussiedler aus Polen, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion.

Wir waren wirklich eine eingeschworene Gemeinschaft.
Eugen Olszowy
Klassensprecher

Für sie erschien eine gesonderte Klasse schon deshalb sinnvoll, weil sie in der Vergangenheit nicht Englisch, sondern Russisch in der Schule gelernt hatten. Während die Mädchen privat in der Hilchenbacher Siedlung wohnten, waren die Jungen in einem Schülerheim der Inneren Mission untergebracht. Darunter auch der in Polen aufgewachsene Eugen Olszowy, der nach dem dritten Ausreiseantrag seiner Eltern 1968 ins Siegerland kam und dort geblieben ist: „Seitdem bin ich ein Siegerländer Mäckes“, sagt er schelmisch und hat seinen Lebensweg nicht bereut: Der ehemalige Rektor der Dreisbachschule wohnt heute in Geisweid und machte das Siegerland zu seiner neuen Heimat.

Erinnerung an eine schöne Zeit 

Es waren zumeist schöne Erinnerungen, in denen er mit seinen Schulkameraden von damals schwelgte: Im Gasthaus „Pampeses“ erinnerten sie sich an „Klassenfeste noch und nöcher“, daran, dass sie fast jedes Wochenende gemeinsam verbrachten – sei es auf der Wigrow mit Jupps Akkordeon und einer Kiste Bier oder bei „Frau Jurak“ in der Kneipe im Ort. „Da hat später auch unser Klassenlehrer mitgemacht“. So manchen Schabernack seiner Pennäler erfuhr Rolf Jüngermann allerdings auch erst beim neuerlichen Treffen seiner damaligen Klasse. Die hatte sich nach zehnjährigem Abstand erneut in Hilchenbach getroffen und versäumte es nicht, ihm eine Medaille für „den besten Lehrer der Welt“ zu überreichen. Die nahm Rolf Jüngermann gerührt mit nach Gelsenkirchen. Das Treffen war geprägt von Herzlichkeit: „Wir waren wirklich eine eingeschworene Gemeinschaft“, erinnert sich Eugen Olszowy an den starken Zusammenhalt der Klasse vor 50 Jahren, der dazu führte, dass sich die heutigen Senioren schnell wieder vertraut waren.

Ausgrenzung zumindest hier nie ein Thema

An Ausgrenzung durch die anderen Schüler des Gymnasiums damals kann er sich nicht erinnern, zumal sich die Aussiedler höchstens in einem kleinen Akzent von den anderen unterschieden. Stichwort Akzent: Als Eugen Olszowy als Neuankömmling im Zug zwischen Siegen und Hilchenbach unterwegs war, interpretierte er den Siegerländer Slang mit rollendem „R“ in der Sprache der Mitreisenden auf seine Weise: „Ich dachte: Verdammt viele Engländer hier im Siegerland. Verstehen konnte ich jedenfalls nichts davon.“ Neben Eugen Olszowy ist auch seine damalige Mitschülerin im Siegerland geblieben: Susanne Stark, damals aus Russland ausgesiedelt, wurde später sogar Lehrerin am Jung-Stilling-Gymnasium. Die anderen Klassenkameraden wohnen heute verstreut: Einer war sogar aus dem polnischen Sopot angereist. Die Flugverbindung kann er sich bereits vormerken, denn für die einstige Hilchenbacher Aussiedlerklasse ist schon jetzt klar: „Wir treffen uns das nächste Jahr um die gleiche Zeit wieder.“

Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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