Bahnt dem Herrn den Weg

Güttler und Ensemble / Sächsische Bläserweihnacht

G.S. Hilchenbach. Hektische Betriebsamkeit bestimmt den Tagesablauf. Die Ruhe der Vorweihnachtszeit ist längst gestört. Tägliche Meldungen über Terror und Gewalt in aller Welt, aber auch über die wirtschaftliche Notlage im eigenen Land verunsichern die Menschen. In die Dunkelheit dieser Zeit der frohen Erwartung zündet hoffnungsvolle Musik in vielen Kirchen und Konzertsälen so manches helle Licht an und alle Sorgen und Ängste versinken wie Staub vor dem Sturm dieser Töne.

Zu einem solchen Konzert hatten am Sonntagabend der Gebrüder-Busch-Kreis und die Stadtsparkasse Hilchenbach in die ev. Kirche eingeladen. Zum vierten Mal führten Ludwig Güttler und sein Blechbläser-Ensemble die große Zuhörergemeinde (die Kirche war vollbesetzt) durch die Klangwelten feinster Bläsermusik. Die formende Kraft Güttlers, sein Spürsinn für das Echte und seine klaren Wertmaßstäbe schufen in 25 Jahren eine Bläsergemeinschaft, die in Zusammensetzung, technischem und musikalischem Können höchsten Ansprüchen genügt.

Nach der von frohlockenden Bläserrhythmen durchpulsten Eröffnungsmusik von Claudio Monteverdi blieb die weitere, klug zusammengestellte Programmfolge innerhalb der Grenzen, in denen das schwarze Kleid der Reformation die prunkvollen Gewänder Roms abgelöst hatte. Der Einfluss Martin Luthers (der die Musik nicht nur liebte, sondern auch viel davon verstand) führte zu Choralmelodien, Märschen und Sonaten, Kanons und Sinfonien, Paduanen, Motetten und Canzonen vieler frühbarocker Zeitgenossen. Deren Werke, mit höchster Sorgfalt für Blechbläser eingerichtet, waren in die Partiten Advent, Weihnachten, Weihnachtsfreude und Ausklang gegliedert.

Der Luther-Choral »Nun komm der Heiden Heiland«, von Raselius für Bläser bearbeitet, Rankes »Tochter Zion« auf einen Händel-Marsch getextet und Crügers vierstimmiger Bläserchor »Wie soll ich dich empfangen« stimmten in die Adventszeit ein, die Albinonis C-Dur-Sonate festlich krönte. Das Weihnachtsfest handelten die Bläser über die alte Trierer Weise »Es ist ein Ros’ entsprungen« ab. Zunächst erklang die Vulpius-Melodie als Kanon für vier Posaunen. Zu ihnen gesellte sich die Solotrompete, um den Satz als Sinfonie und Choral aus Praetorius’ »Musae Sioniae« zu interpretieren. Den Zyklus beschloss eine »Paduane für vier Corni da caccia, Horn, Posaunen und Tuba« von William Brade.

In der dritten Werkgruppe kam mit Giovanni Gabrielis Canzon XVI für drei Bläserchöre die Venezianische Mehrchörigkeit ins Spiel, die Heinrich Schütz als Gabrieli-Schüler auch seinem Mentor, Moritz Landgraf von Hessen, vermittelte. Dieser Programmpunkt – Weihnachtsfreude – wurde kontrastierend bereichert durch die »Allemande et Courande« für zwei Pauken von Ludwig Güttler und die Bearbeitung der drei Spirituals »Gwine up«, »Mary and Martha jes’ gone long« und »I’m troubled in mind« aus »Seven Negro-Spirituals op. 58d« von Adolf Busch, durch seinen Sohn Bernhard Güttler. Diese Hommage an Adolf Busch ist ein Geschenk der Dresdner an den Gebrüder-Busch-Kreis für die langjährige gute Zusammenarbeit.

Johann Crügers Liedvertonungen »Fröhlich soll mein Herze springen« und »Gelobet seist du Jesu Christ«, jeweils als Bläserchoral mit zwei hohen Trompeten und Pauke, das »Echo für drei Bläsergruppen« (BWV 821) von Johann Sebastian Bach und die »Canzona für Blechbläser und Pauken« von Samuel Scheidt ließen ein Konzert ausklingen, das ohne Worte tief in der Bedeutung der Geburt Jesu für die gesamte Christenheit wurzelte.

Stürmische Ovationen, Liebesgaben von St. Nikolaus und seinem Helfer an alle Musiker und drei Zugaben, die letzte mit der eindringlichen Bitte um Frieden auf Erden, beendeten die Sächsische Bläserweihnacht.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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