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Prozess um Bluttat in Vormwald
Beschuldigter prahlt mit Messerstichen in den Kopf

Keine leichte Aufgabe für die Justiz: Im Vormwalder Mordprozess wird noch bis in den Mai hinein vor dem Siegener Landgericht verhandelt.
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  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Vormwald/Siegen. Josef S. hat es zu einem traurigen Bekanntheitsgrad gebracht. Der Vormwalder Senior, der im August vergangenen Jahres einen extrem gewaltsamen Tod starb, ist einer der stets erwähnten Protagonisten in dem Prozess vor dem Siegener Landgericht, in dem sich der 20-jährige Max M. vor der 2. großen Strafkammer verantworten muss. Immer wieder kommt die Sprache auf den mit zahlreichen Stichverletzungen malträtierten Mann – einen Menschen, über den offenbar niemand besonders viel wusste.
„Richtig kannte ihn keiner“, berichtet der Leiter der Hagener Mordkommission im Zeugenstand. Einsam und zurückgezogen wie ein Eremit habe der Witwer in seinem Haus gelebt, über sein Leben sei nicht viel bekannt. Selbst der Kontakt zum eigenen Sohn sei vor über zwei Jahrzehnten abgebrochen.

js Vormwald/Siegen. Josef S. hat es zu einem traurigen Bekanntheitsgrad gebracht. Der Vormwalder Senior, der im August vergangenen Jahres einen extrem gewaltsamen Tod starb, ist einer der stets erwähnten Protagonisten in dem Prozess vor dem Siegener Landgericht, in dem sich der 20-jährige Max M. vor der 2. großen Strafkammer verantworten muss. Immer wieder kommt die Sprache auf den mit zahlreichen Stichverletzungen malträtierten Mann – einen Menschen, über den offenbar niemand besonders viel wusste.
„Richtig kannte ihn keiner“, berichtet der Leiter der Hagener Mordkommission im Zeugenstand. Einsam und zurückgezogen wie ein Eremit habe der Witwer in seinem Haus gelebt, über sein Leben sei nicht viel bekannt. Selbst der Kontakt zum eigenen Sohn sei vor über zwei Jahrzehnten abgebrochen. In seinem vollgestopften Messie-Haus habe er offenbar – unter anderem – Uhren gesammelt, diese repariert und verkauft. War der 74-Jährige an jenem Sonntagabend ein zufälliges Opfer von Max M.? Wie war der 20-Jährige dazu gekommen, bei Josef S. einzusteigen, diesen zu töten und von seinem Computer zwei hochpreisige E-Bikes zu bestellen?

Beschuldigter prahlt mit seiner Tat vor Polizisten

Ein knappes Dutzend Polizisten helfen der Kammer an diesem sechsten Prozesstag beim Puzzeln – etwa die Siegener Beamten, die den am Tag nach der Tat festgenommenen jungen Mann „erkennungsdienstlich“ behandelt, also Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen haben. Bei ihnen hätte M. schweigen dürfen, entsprechend wurde er belehrt. Dennoch wählte er einen anderen Weg: „Es sprudelte aus ihm heraus“, berichten gleich mehrere Beamte. In seinem ungewöhnlich regen Mitteilungsbedürfnis habe der Beschuldigte sich damit gerühmt, sehr lang und hart gegen den Mann gekämpft zu haben. Zigfach habe er seinem Opfer in den Kopf gestochen, das aber sei immer noch herumgelaufen – für sein Alter sei S. „wie ein Tier“ gewesen. „Das habe ich doch gut gemacht, oder?“, soll Max auf Zustimmung gedrängt haben für sein Handeln.

Stolz darauf, den Senior aus Vormwald so "zugerichtet zu haben"

Stolz sei er darauf gewesen, den 74-Jährigen so „zugerichtet“ zu haben. Begründet habe der Beschuldigte seine Prahlerei damit, dass er sein Opfer für einen Täter gehalten habe, berichtet auch ein weiterer Polizeibeamter. „Der musste weg, das war ein Kinderschänder“, habe M. behauptet und sich auch gleich als V-Mann für die Polizei „beworben“ – als Pädophilenjäger. Der Senior habe Drogen an Minderjährige verkauft, um diese gefügig zu machen – an diese Aussage von Max M. erinnern sich gleich mehrere Polizisten aus Siegen.

Mit blutender Wunde ins Bankgebäude marschiert

Die Beweislage spricht hingegen eine andere Sprache. Auch wenn die Arbeit der Spurensicherung in dem verwahrlosen und bis unters Dach zugerümpelten Haus kein Leichtes war: Die Hagener Beamten fanden weder einen Zusammenhang zwischen Josef S. und der Marihuana-Plantage im Nachbarhaus – noch gab es Anzeichen dafür, dass es sich bei ihm um einen Pädophilen gehandelt habe. „Seht auf seinem Computer nach“, habe M. den Polizisten geraten. Fündig wurden sie dort nicht.
Bis zum Tatabend wurde besagter PC vor allem für die Suche rund ums Thema Uhren(-reparatur) genutzt. In der Nacht dann änderte sich das Nutzerverhalten, statt Josef S. hat offenbar Max M. die Maus in die Hand genommen. Suchworte wie „Kinderschänder“ wurden eingegeben oder „Psychose“ und „Psychopath“. Auf Youtube wurden Rapvideos aufgerufen, in denen Satanismus, Gewalt und das Töten von Menschen Thema waren. Zudem wurde „World of Warcraft“ gezockt.

Angst vor gruseligen Puppen

Bei der Abnahme der Fingerabdrücke soll M. auch die selbst tätowierten Buchstaben auf seinen Fingeraußenseiten dechiffriert haben: Das, so sagte er, sei der Name seiner zweiten Persönlichkeit.
Der Verdacht gegen Mitbewohner Dennis H. indes habe sich nicht erhärten lassen. H. sei mit Max zwar am Tattag in der Plantage gewesen. Als dieser dann zum Nachbarn gegangen sei, „ins Puppenhaus“, sei H. nicht mitgegangen. Zu gruselig habe er die Puppen empfunden, soll er der Polizei gesagt haben. Wie er zu dieser Einschätzung gekommen ist, bleibt ein Rätsel: Vom „Plantagenhaus“ aus war das Zimmer voller Puppen nicht zu sehen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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