Celenus Hilchenbach setzt auf Sicherheit
Besucher müssen draußen bleiben

Die Celenus-Klinik zieht die Reißleine: Ab Samstag werden keine Besucher mehr ins Haus gelassen.
  • Die Celenus-Klinik zieht die Reißleine: Ab Samstag werden keine Besucher mehr ins Haus gelassen.
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js Hilchenbach. Diese Entscheidung schmerzt: Die Celenus-Klinik für Neurologie in Hilchenbach wird ab Samstag, 4. Juli, keine Besucher mehr ins Haus lassen. Bis auf Weiteres müssen die Patienten also auf den direkten Kontakt zu ihren Freunden und Angehörigen verzichten. „Dieser Schritt fällt uns nicht leicht“, sagt Klinikdirektorin Susanne Halhuber. Er sei aber notwendig. Grund für die Rückkehr zur coronabedingten Sicherheitsmaßnahme sind schlechte Erfahrungen aus den vergangenen Wochen. Nachdem die Klinik ihre gläsernen Türen wieder für externe Gäste geöffnet hatte, gab es immer wieder Vorfälle, die sich Chefarzt Dr. Andreas Sackmann zuvor nicht hätte träumen lassen. Die Hygienevorschriften seien missachtet worden, der vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz sei von einigen – aber eben doch zu vielen – unverschämten Besuchern ignoriert worden. Auch Aufforderungen hätten in manchen Fällen nicht geholfen. Beispiel: Ein Mann habe auf der Intensivstation nur 20 Zentimeter von seiner Mutter entfernt ohne Schutz gesessen. Der Besucher sei uneinsichtig gewesen, habe vor die Tür gesetzt werden müssen.

Besucher haben sich daneben benommen

Um die Patienten und Mitarbeiter zu schützen, habe die Klinikleitung auf die Notbremse getreten. Nicht ein bestimmter Vorfall habe dazu geführt, sondern die Häufung. „Wir haben hochgefährdete Patienten“, sieht sich Susanne Halhuber in der Verantwortung. „Uns zerreißt es das Herz, denn es trifft natürlich auch die Falschen.“ Man dürfe in diesem Umfeld aber einfach kein Risiko eingehen. Ordnungshüter zu spielen, kommt auf Dauer aber nicht in Frage fürs Team. Zeit und Energie können weitaus besser eingesetzt werden. „Unser Ziel ist natürlich nicht, die Klinik dauerhaft für Besucher geschlossen zu halten“, meint Susanne Halhuber, die nun abwartet, wie sich die Vorgaben der Landesregierung entwickeln.

"Schade, aber es funktioniert nicht"

„So locker wie möglich, so hart wie nötig“: Nach diesem Motto hat die Klinikleitung nun den Riegel vorgeschoben. Die Einschränkungen der vergangenen beiden Wochen, in denen Besuch nur in bestimmten, rotierenden Abteilungen gestattet wurde, reichten nicht aus. Halhuber: „Schade, aber es funktioniert nicht.“ Ganz aus der Welt zu schaffen seien die Risiken damit nicht – mobile Patienten dürften schließlich weiterhin das Klinikgelände verlassen. „Wir setzen auf Vernunft.“
Dass Celenus jetzt so sensibel reagiert, hat einen Grund – die Klinik ist in Sachen Corona ein gebranntes Kind: Anfang April hatte es eine Reihe von Infektionen im Haus gegeben, sowohl Patienten als auch Mitarbeiter waren betroffen. Zwei Wochen lang konnte das Haus keine neuen Patienten aufnehmen, musste in Quarantäne gehen. „Gespenstisch“ sei das gewesen, erinnert sich Doris Prager, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, an diese Zeit. Das eigentlich so belebte Haus sei extrem ruhig gewesen, als nur noch 80 Patienten vor Ort waren – und die alle auf ihren Zimmern. Einen zweiten Lockdown dieser Art möchte die Klinik dringend verhindern. Auch ohne ein solch drastisches Eingreifen habe sie durch die Corona-Krise mit zusätzlichen Belastungen zu tun, die systembedingte Probleme noch verschärften.

Schwierige Zeiten

Schwierige Wochen und Monate liegen nämlich hinter den Mitarbeitern der Neuroklinik. Corona hat das Haus nicht nur ganz konkret getroffen in der Osterzeit, in der es mit einer Reihe von Infektionen zu kämpfen hatte. Auch die pandemiebedingten Sicherheitsvorkehrungen haben der Rehaklinik zusätzliche Lasten aufgebürdet.  Zunächst wurde sie in die Verantwortung genommen, als der Kreis Siegen-Wittgenstein Celenus mit ins Boot geholt hat, um einen Notfallplan zu erstellen. Noch bevor das (nach wie vor leer stehende) Behelfskrankenhaus Kredenbach wieder belegt worden wäre, hätten die Hilchenbacher Patienten aufnehmen müssen, um die Intensivstationen der Akutkrankenhäuser bei einer potenziellen Covid-19-Welle zu unterstützen. 22 Intensivbetten und 60 „normale“ wären im Bedarfsfall sofort bereitzustellen gewesen; ein beachtlicher Anteil der 200 Betten, die das Haus bei seiner personellen Ausstattung belegen darf.

Versorgungsenpässe nicht überwunden

Der Betten-Notstand kam nie zum Tragen seit Ausbruch der Pandemie, die reservierten Betten blieben also Theorie. Ganz praktische Belastungen kamen aber dennoch auf, seitdem die Klinik auf den viral bedingten „C-Modus“ umgeschaltet hat. Wie alle Krankenhäuser muss auch Celenus hohe Sicherheitsstandards und ein mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Hygienekonzept einhalten. Und genau das verursacht Kosten, die in normalen Zeiten undenkbar gewesen wären. Bei Schutzkitteln etwa müssten die fünf- bis sechsfachen Preise gezahlt werden. Der Klinik sei einmal ein Desinfektionsmittel zum Literpreis von 80 Euro angeboten worden. Wie es um die Refinanzierung dieser Zusatzkosten bestellt sein wird, muss sich zeigen. Chefarzt Dr. Andreas Sackmann und Klinikdirektorin Susanne Halhuber machen sich keine Illusionen, dass die Verhandlungen mit den Kostenträgern beim Schließen der Finanzierungslücken helfen werden. Mit einem eigentlich Corona-Zuschlag rechnen die beiden nicht.
Doch ganz abgesehen von den Kostensteigerungen habe die Klinik überhaupt damit zu kämpfen, alle benötigten Materialien zu bekommen. „Es gibt noch immer Versorgungsengpässe“, betont Halhuber. Die Versorgung mit den stark überteuerten Kitteln sein „ein Drama“, momentan gebe es eine Knappheit bei Flächendesinfektionsmitteln. Corona stellt den Klinikbetrieb auf eine harte Probe.
Die Zusammenarbeit mit dem Kreis-Gesundheitsamt und anderen Klinikträgern indes habe gut funktioniert, verweisen Halhuber und Sackmann auch auf die positiven Erfahrungen in der Krisenzeit, in der man sich gegenseitig ausgeholfen und Material ausgetauscht habe.

Keine Hilfestellung habe es andererseits gegeben, als es darum gegangen sei, in der Notsituation Personal aus dem Ausland anerkennen zu lassen. Vier Ärzte aus dem arabischen Raum hätten ihre Approbation nicht bekommen. Auch 16 ausgebildete Pflegekräfte aus den Philippinen müssen noch viele hundert Stunden in Akutkrankenhäusern leisten, damit ihre Examina anerkannt werden. „Es werden möglichst große Forderungen an uns gestellt, ohne uns aber entgegenzukommen“, moniert Andreas Sackmann.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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