Charme in Schrankkoffern

Kokettes Terzett: Die Puppini Sisters aus London huldigten am späten Sonntagabend mit viel Charme, Witz und Selbstironie den legendären Andrew Sisters und gaben köstliche Coverversionen in perfektem Harmoniegesang. Wie das swingte! Foto: dima
  • Kokettes Terzett: Die Puppini Sisters aus London huldigten am späten Sonntagabend mit viel Charme, Witz und Selbstironie den legendären Andrew Sisters und gaben köstliche Coverversionen in perfektem Harmoniegesang. Wie das swingte! Foto: dima
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zel Grund. Das Automobil streikte bei Frankfurt, daher lieferte es seine kostbare Fracht erst etwas später ab in der Zeltstadt auf dem Giller. Mit ein wenig Verspätung – denn es wollten ja noch die Haare gelegt und die Federn hineingesteckt, der rote Lippenstift aufgetragen, die silberglänzenden sexy Kostüme und die rot glitzernden Highheels angezogen werden, die geradezu der Dorothy aus dem „Zauberer von Oz“ entliehen schienen – begann am späten Sonntagabend die Zeitreise in die 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Puppini Sisters aus London nahmen rund 400 Besucher im kleinen Zelt mit in ihre Welt aus Show, Spaß und Swing.

Im Handumdrehen hatten die Italienerin Marcella Puppini, die Irin Stephanie O‘Brian und die Britin Kate Mullins ihr Publikum in der Hand: mit so viel Charme, Witz und Selbstironie, die sie bestimmt in riesigen Schrankkoffern transportieren, aber vor allem mit ihrem perfekten Harmoniegesang. Songs der legendären Andrew Sisters machten einen Gutteil der Show aus: „Bei mir bist du schön“, „Don‘t Sit Under The Apple Tree“, „Hold Tight“ oder der „Boogie Woogie Bugle Boy“, allzeit stil- und druckvoll begleitet von drei Herren an Gitarre, Drums und Kontrabass und rhythmisch beklatscht vom Publikum.

Doch Halt: Da hat sich doch Plastic Bertrands „Ca Plane Pour Moi“ druntergemogelt! Und hier fing der Spaß erst richtig an: nämlich mit köstlichen Coverversionen in pfiffigen Arrangements, die nicht mal so eben nebenbei entstehen, sondern für die es musikalischen Sachverstand von einiger Größe braucht. Beyoncés „Crazy In Love“ etwa raste nur so los, „Panic“ von den trüb-düsternen Smiths wurde ein fröhliches Stückchen Swing (der DJ ließe sich von den drei Damen sicher gerne hängen), und Kate Bushs „Wuthering Heights“, ohnehin schon ein Meisterwerk, setzte das kokette Terzett noch das Swing-Pop-Sahnehäubchen auf.

Schön, dass der Abend auf der „The-Rise-And-Fall-Of-Ruby-Woo“-Tour nur hier und da eigene Songs der Puppinis bot, die sie auf der aktuellen CD präsentieren und die zwar ins große Stil-Konzept passen, bei denen der Spaßfaktor aber nicht ganz so groß ist. Lieber „Mr. Sandman“, bei dem die Puppini Sisters sich an Geige, Akkordeon und Melodica selbst begleiteten, das herrlich seufzende „Sway“ von Dean Martin, ein Ranschmeißer sondergleichen, das „Doo-wat doo-wat“ von Duke Ellingtons „It Don‘t Mean A Thing“ oder das wilde „Tu vuo‘ fa l‘americano“, allzeit mit kleinen Tanzschrittchen und Choreografien aufgepeppt: Beim „Java Jive“ etwa tranken die Girls mit abgespreizten kleinen Fingern „a cup, a cup, a cup, a cup“ leckeren Kaffees oder Tees. Hoch die Tässchen!

Das traurige Liebeslied „I Will Survive“ sangen die Puppini Sisters für einen Herzensbrecher in der ersten Reihe, der sogar auf Knien um Verzeihung bat, und nachdem das Publikum klatschend, füßetrampelnd und stehend um eine Zugabe bat, gab es noch einen etwas eskalierenden Tanz und den Bangles-Hit „Walk Like An Egyptian“, wie er vielleicht 1932 im mittleren Westen geklungen hätte. Augen und Ohren freuen sich noch heute, dabei gewesen zu sein!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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