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Hohe Auflagen und weniger Geld
Corona: Bürgertest-Stationen werfen das Handtuch

Die Frequenz lässt nach: Teststationen wie die auf dem SMS-Firmenparkplatz in Dahlbruch müssen zudem mit neuen technischen Hürden klarkommen.
  • Die Frequenz lässt nach: Teststationen wie die auf dem SMS-Firmenparkplatz in Dahlbruch müssen zudem mit neuen technischen Hürden klarkommen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen/Dahlbruch. Guido Fuhrmann schüttelt mit dem Kopf. Der Hilchenbacher Pflegedienstbetreiber hat auf dem Parkplatz der Firma SMS in Dahlbruch eine zeitweise sehr stark frequentiertes Corona-Schnellteststation an den Start gebracht und dort zahlreiche Nordsiegerländer mit tagesaktuellen Schnelltestergebnissen versorgt. Jetzt hat der „Stationsleiter“ seine liebe Not mit neuen Hürden der Technik und der Bürokratie. Der Aufwand stehe bald nicht mehr im Verhältnis zu den Einnahmen, berichtet er. Etwa 65 Tests am Tag müssen bei ihm gemacht werden, damit die Kosten gedeckt sind. Dieser Schnitt droht in Kürze abhanden zu kommen. „Irgendwann lohnt es sich nicht mehr.

js Siegen/Dahlbruch. Guido Fuhrmann schüttelt mit dem Kopf. Der Hilchenbacher Pflegedienstbetreiber hat auf dem Parkplatz der Firma SMS in Dahlbruch eine zeitweise sehr stark frequentiertes Corona-Schnellteststation an den Start gebracht und dort zahlreiche Nordsiegerländer mit tagesaktuellen Schnelltestergebnissen versorgt. Jetzt hat der „Stationsleiter“ seine liebe Not mit neuen Hürden der Technik und der Bürokratie. Der Aufwand stehe bald nicht mehr im Verhältnis zu den Einnahmen, berichtet er. Etwa 65 Tests am Tag müssen bei ihm gemacht werden, damit die Kosten gedeckt sind. Dieser Schnitt droht in Kürze abhanden zu kommen. „Irgendwann lohnt es sich nicht mehr.“

Corona-Teststationen setzen im Kreis Millionen um

Corona-Teststationen müssen Bescheinigungen vor Ort ausdrucken

Dass die Kassenärztliche Vereinigung bei der Abrechnung deutlich weniger vergütet als zu Beginn, konnte er noch schlucken. Pro Testung gibt es nun nur noch 8 Euro statt früher 12, bei den Sachkosten werden statt zunächst 6 noch 3,50 Euro erstattet – sinkende Marktpreise für die Tests kamen ihm bei der Kalkulation entgegen. Mit der neuen Änderung jedoch wird es abermals deutlich schwieriger für ihn und seine Mitarbeiter. Die Testergebnisse muss er per E-Mail an den Getesteten schicken können, zudem muss er nun dafür sorgen, dass er vor Ort – in seinem Fall ohne Stromanschluss und auf Akku-Basis – Bescheinigungen ausdrucken kann. Die Datenschutzerklärung sei nun ein achtseitiges Papier. „Die Behörden machen es sich etwas zu einfach“, findet Fuhrmann.

Corona-Testergebnisse müssen online eingepflegt werden

Auch an diesem Freitagvormittag kommen Testwillige, nach und nach kommen sie auf den offenen Firmenparkplatz. Anders als in der Warn-App vorgesehen, spuckt das Portal (bislang?) noch keinen QR-Code zum Testergebnis aus. Der Kunde, der es gern am nächsten Tag im Phantasialand vorzeigen möchte, ist irritiert. Guido Fuhrmann zuckt mit den Schultern. Mehr gibt das System gerade nicht her; der Getestete muss den per E-Mail versandten Beleg mit nach Brühl nehmen.

Und das ist neu: Seit Anfang August müssen die Teststationen die von ihnen ermittelten Testergebnisse in einem Online-Portal einpflegen. Das ist mit der offiziellen Corona-Warn-App verknüpft – hilfreich für statistische Auswertungen und dem Sicherheitsaspekt geschuldet. Bekannterweise wurde durchaus Schindluder getrieben von dubiosen Schnelltestern, die u. a. nicht durchgeführte Abstriche in Rechnung gestellt hatten. Noch ein bisschen Zeit zum Üben hat die Teststation – ab dem kommenden Monat jedoch müssen die Eingaben über das Portal funktionieren. Sonst werden die Kosten nicht abgerechnet.
Die Zeiten, in denen an gefühlt jeder dritten Straßenecke ein solches Schnelltestzentrum seine Zelte aufgeschlagen hat, sind inzwischen ohnehin passé. Die Corona-Politik, die ab dem Frühjahr auf diese von Gewerbetreibenden gelieferte Stütze setzte, hat inzwischen andere Wege eingeschlagen.

Corona-Schnelltests ab Oktober nicht mehr kostenfrei

Mit dem – wenn auch verbesserungswürdigen – Fortschreiten der Impfquote sollen die Bürgerschnelltests an Bedeutung verlieren. Ab Oktober sollen sie für einen Großteil der Bürger nicht mehr kostenfrei angeboten werden, entsprechend deutlich dürfte die Nachfrage endgültig einbrechen.
Doch schon jetzt dünnt sich das Angebot aus. Von zeitweise über 100 Adressen listet der Kreis Siegen-Wittgenstein aktuell nur noch knapp 80. Einige Arztpraxen haben sich von der Liste streichen lassen, auch private Anbieter haben sich zurückgezogen. Einige schwarze Schafe wurden behördlicherseits aus dem Verkehr gezogen, die Vergütungen wurden in der Folge für die gesamte „Schafherde“ zusammengekürzt.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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