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Verein Altenberg und Stahlberg hält Montangeschichte für die Nachwelt fest
Digital in die dritte Dimension

Das Ergebnis ist sehr genau, besteht aber aus einer grauen Punktwolke. Diese in Flächen umzurechnen bedeutet eine Menge Arbeit – und enorme Kosten.
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  • Das Ergebnis ist sehr genau, besteht aber aus einer grauen Punktwolke. Diese in Flächen umzurechnen bedeutet eine Menge Arbeit – und enorme Kosten.
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Müsen. Tief unter die Erde richtet sich der Blick des Müsener Vereins Altenberg und Stahlberg. Die engagierten Heimatforscher, die „überm Wasser“ das drittälteste Bergbaumuseum Deutschlands betreiben – und nach wie vor das kleinste –, haben sich für 2025 einiges vorgenommen. Was genau das ist, muss sich allerdings noch erweisen. Fest steht: Zum 100-jährigen Bestehen des Museums auf der Stollenhalde (eröffnet wurde es am 24. Dezember 1924) möchten sie ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Und derer haben sie bereits einige nachzuweisen, wie Rolf Golze, stellv. Vorsitzender des montanhistorischen Vereins, kürzlich im Hilchenbacher Kulturausschuss ausführte.

js Müsen. Tief unter die Erde richtet sich der Blick des Müsener Vereins Altenberg und Stahlberg. Die engagierten Heimatforscher, die „überm Wasser“ das drittälteste Bergbaumuseum Deutschlands betreiben – und nach wie vor das kleinste –, haben sich für 2025 einiges vorgenommen. Was genau das ist, muss sich allerdings noch erweisen. Fest steht: Zum 100-jährigen Bestehen des Museums auf der Stollenhalde (eröffnet wurde es am 24. Dezember 1924) möchten sie ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Und derer haben sie bereits einige nachzuweisen, wie Rolf Golze, stellv. Vorsitzender des montanhistorischen Vereins, kürzlich im Hilchenbacher Kulturausschuss ausführte.

Kleine Stollen entdeckt und Grabungsartikel gesichert

Seit der 700-Jahr-Feier der Grube Stahlberg im Jahr 2013 schon läuft ein Projekt, das mit dem Zukunftspreis des Kreises Siegen-Wittgenstein ausgezeichnet wurde und in dem der Verein mittelalterliche Bergwerke erforscht. Sieben kleine Stollen wurden in diesem Zusammenhang entdeckt, zahlreiche aufschlussreiche Grabungsartikel gesichert. „Auf die Fläche bezogen können wir uns mit den großen Bergbaurevieren messen“, berichtete Rolf Golze. Fünf mittelalterliche Stollen, zurückdatiert mitunter bis ins 13. Jahrhundert – so etwas finde man nicht so schnell andernorts. Derzeit restauriere der Verein einen Stollen im Müsener Revier. Begehbar machen könne er ihn nicht, er werde aber zumindest für Forschungszwecke gesichert.

Digitalisierung spielt tragende Rolle

Wie also kann das Entdeckte und Erforschte museal genutzt werden? Genau das sei noch in der Diskussion. Klar scheint aber bereits zu sein, dass die Digitalisierung hier eine tragende Rolle spielen wird. Und schon jetzt hat sie diese übernommen – bei der Virtualisierung eines Bergwerks aus dem 18. Jahrhundert, eben jenem Teilprojekt, das 2019 den Kreis-Zukunftspreis „Ehrenamt 4.0: engagiert – digital – gestalten“ erhielt.

Bis vor einigen Jahren wurden die Ergebnisse von aufwändigen Grubenvermessungen in zweidimensionaler Form dokumentiert. Grubenrisse nennt man die recht einfachen Zeichnungen, die den Verlauf der Stollen und Schächte nachvollziehbar machten. Seit 2015 aber beschäftigen sich die Müsener damit, auch die dritte Dimension für ihre Dokumentation zu erschließen. In der Grube Brüche wurden erstmals ein 500 Meter langer Stollen und drei Maschinenhallen 100-prozentig genau gescannt und in einer Computersimulation aufbereitet.

Fotorealistische Darstellungen möglich, aber teuer

Inzwischen ist die Technik einige Schritte weiter, mit kleineren Geräten können weitaus detailliertere Aufnahmen gemacht werden. Etwas schwieriger aber wird es, daraus eine brauchbare 3-D-Visualisierung zu machen. „Eine Stunde Scan zieht acht Stunden Büroarbeit nach sich“, gab Golze zu bedenken. Entsprechend teuer sei es, fotorealistische Darstellungen zu erzielen. Möglich sei es aber durchaus.

Der preisgekrönte Scan bedarf noch einer sehr aufwändigen Nachbearbeitung, bis jeder einzelne Ziegelstein zu erkennen ist. Der Scanner selbst erfasst zwar millionenfache Messpunkte, die ergeben bei genauer Betrachtung aber eine grobe graue Punktwolke. Daraus flächige Darstellungen zu machen, ist kein Hexenwerk, aber eine kostspielige Fleißarbeit. „Es ist die einzige Möglichkeit, unsere Forschungsergebnisse für die folgenden Generationen zu erhalten.“ Die Gruben selbst hielten schließlich nicht ewig.

„Wir sitzen hier auf einem Kulturgut, das viele gar nicht so wahrnehmen“, zeigte sich Ausschussvorsitzender Andreas Bolduan beeindruckt. Wie aber solle dies der Öffentlichkeit präsentiert werden? „Man könnte unheimlich viel daraus machen“, sagte Rolf Golze. „Das ist aber alles eine Frage der Kosten.“ Schnell gerate man in den sechsstelligen Euro-Bereich. Im Verein werde noch diskutiert, wie es weitergehen solle. Auch der LWL, dessen Archäologen eng mit den Müsenern zusammenarbeiten, „schwimmt nicht im Geld“.

Projekt für Regionale 2025 und Gymnasium?

Eine Idee brachte Dr. Peter Neuhaus (Grüne) ins Gespräch: Wäre das Projekt des Vereins nicht ideal für die Regionale 2025? Schließlich hat Hilchenbach noch keine Projektidee entwickelt, mit der sich die Stadt den Fördertöpfen nähern könnte. Daran habe er auch schon gedacht, als er davon in der Zeitung gelesen habe, räumte Golze ein. Hans-Jürgen Klein von der Stadtverwaltung sagte zu, das Thema mit der Südwestfalenagentur zu besprechen. Dr. Jochen Dietrich, Leiter von Stift Keppel, bot eine Zusammenarbeit mit seinem Gymnasium an. Denkbar sei es, Oberstufenschüler im Rahmen von Facharbeiten einzubinden. Da werde oftmals nach Themen mit Realitätsbezug gesucht. Auf diese Weise könnte vielleicht die für das Rendern der Bilder benötigte Manpower gestellt werden.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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