Dirigent nimmt Stellung

Chefdirigent Russel N. Harris. Foto: Philharmonie

sz Hilchenbach. Mehrfach ist inzwischen berichtet worden, dass der Vertrag zwischen der Philharmonie Südwestfalen und Chefdirigent Russell N. Harris nach 2011 nicht wieder verlängert wird. In einer schriftlichen Erklärung nimmt der Orchesterleiter nun selbst noch einmal Stellung.

Nachdem nun alle Seiten die Möglichkeit genutzt haben, meine Vertragsnichtverlängerung in der Öffentlichkeit ausführlich auszubreiten, sehe ich mich zu einem persönlichen Statement veranlasst, da einige äußerst merkwürdige Bemerkungen über mich und meine Arbeit als Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen in der Presse ein verzerrtes Bild wiedergeben, welches ich so nicht einfach ignorieren und bestehen lassen kann.

Ich möchte heute einmal ganz klar betonen, dass ich die Entscheidung des Orchesters, eine neue Ära zu beginnen, eine andere künstlerische Handschrift kennenlernen zu wollen, voll und ganz verstehe, es akzeptiere und natürlich auch für wichtig erachte. Dabei müssen meine persönlichen Wünsche eine untergeordnete Rolle spielen. Ich habe nach wie vor eine große Wertschätzung für dieses Orchester, die im Laufe der gemeinsamen Jahre des Zusammenmusizierens gewachsen ist. Während dieser Zeit haben wir zusammen Konzerte von höchster Qualität aufgeführt. Die konstante Erarbeitung dieser Konzerte hat die bundesweite Anerkennung für die Philharmonie Südwestfalen zum Resultat.

Ich verstehe meine Profession als Dirigent und Musiker, möglichst viele Menschen für Musik zu begeistern und viele Möglichkeiten zu nutzen, die Konzertsäle für ALLE zu öffnen. Dafür muss man heute, und das betrifft speziell die kleineren Sinfonieorchester, den Spagat wagen, sich allen Musikgenres zu öffnen, ohne das klassische „Kernrepertoire“ zu vernachlässigen. Allein ein Beethoven und Mozart und leere Konzertsäle sind sowohl künstlerisch als auch ökonomisch unverantwortbar.

Natürlich wird es da immer wieder Gegner geben, die das sogenannte leichtere Repertoire und leider manchmal auch den Anspruch des Publikums als Abwertung der hohen Kunst betrachten, und man wird dann eben als Dirigent ganz schnell zum Big-Band-Leader degradiert. Allerdings können und dürfen wir uns diese unzeitgemäße Arroganz nicht mehr leisten. Unser Auftrag in unserer Profession muss sein, möglichst viele Menschen für die mannigfaltigste Musik mit unseren Konzerten und in unseren Konzertsälen zu begeistern und als Konzertbesucher „auf Dauer“ zu gewinnen.Genau diese Gratwanderung habe ich mit der Philharmonie Südwestfalen umsetzen können. Ich habe von dem Orchester alles abverlangt, und ich habe in bemerkenswerten Aufführungen wunderschönes Miteinandermusizieren zurückbekommen. Es ist absolut unstrittig, dass wir eben auch das sogenannte leichtere Repertoire auf demselben künstlerischen Niveau musiziert haben, wie zum Beispiel Werke von Beethoven, Mahler oder Bartók. Und genau das zeichnet dieses Orchester aus, vielseitigste musikalische Höchstleistungen zu bringen und alle Kompositionen der Musikliteratur mit gleichberechtigter Ernsthaftigkeit und Professionalität zu musizieren.Insofern lasse ich mir von niemandem meine künstlerische Arbeit kaputtreden! Ich werde bis zum Auslaufen meines Vertrags mit der Philharmonie Südwestfalen wie bisher mit hohem künstlerischem Anspruch zusammenarbeiten. Die Musik spricht eine andere Sprache und die sollte unser Miteinander prägen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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