Additive Fertigung bei der SMS Group
Druckreifes Material

Beschreitet völlig neue Gedankengänge bei der Konstruktion von Bauteilen: Sarah Hornickel aus der Abteilung Forschung und Entwicklung zeigt einen Schmierverteiler für eine Rohrschweißanlage – additiv gefertigt, d. h. dreidimensional gedruckt. Fotos: Jan Schäfer
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  • Beschreitet völlig neue Gedankengänge bei der Konstruktion von Bauteilen: Sarah Hornickel aus der Abteilung Forschung und Entwicklung zeigt einen Schmierverteiler für eine Rohrschweißanlage – additiv gefertigt, d. h. dreidimensional gedruckt. Fotos: Jan Schäfer
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js Dahlbruch. Neue Wege in die Zukunft beschreiten – das ist erklärtes Ziel einer Projekreihe, die bei der SMS Group unter dem Namen „New Horizon“ geführt wird und in Arbeitsbereiche vorstößt, in denen das Traditionsunternehmen sein in vielen Jahrzehnten aufgebautes Know-how mit innovationen Technologien zusammenbringen möchte. Der Anlagenbauer hat die Talsohle seiner Krise hinter sich gelassen, blickt voller Zuversicht nach vorn – mit frischen Aufträgen und der Erkundung vielversprechender Arbeitsbereiche, die den Weltmarktführer bei seiner strategischen Neuausrichtung stärken sollen.

Herausforderung Digitalisierung 

Digitalisierung ist eine der Herausforderungen, die laut Unternehmenssprecher Thilo Sagermann auch im Familienunternehmen mit Stammsitz in Dahlbruch massiv angegangen werden. SMS habe in allen Betriebszweigen und -abteilungen interessierte Ambassadore gefunden, die das Thema Digitalisierung flächendeckend durch die Unternehmensgruppe transportieren. Auch die sozialen Medien spielen in der Welt des Maschinenbaus inzwischen eine Rolle, ein Social-Media-Manager ergänzt seit zwei Wochen die Reihen der Unternehmenskommunikation.

Neue Produktionsweisen

Besonders hoch im Kurs sind auch völlig neue Produktionsweisen und -ansätze wie die additive Fertigung, mit der der 3-D-Druck Einzug hält in die Produktion der Metallbauer. Am Standort Mönchengladbach stellt die SMS Group extrem feines Metallpulver her, aus dem in 3-D-Druckern maßgeschneiderte Bauteile für den Anlagenbau hergestellt werden können. In der Abteilung Forschung und Entwicklung (kurz „F&E“) tüftelt und feilt ein junges und ambitioniertes Team daran, an welcher Stelle die additive Fertigung konventionelle Produktionsprozesse sinnvoll ergänzen und unterstützen kann.

Form folgt der Funktion

„Wir konstruieren nicht mehr fertigungsorientiert“, berichtet Sarah Hornickel von der komplett neuen „Denke“, die mit additiver Fertigung einhergeht. Die Form könne nun völlig der Funktion folgen. Es müsse beispielsweise nicht mehr berücksichtigt werden, wie ein Bauteil im Fertigungsprozess in einer Maschine eingespannt werden könne. Der 3-D-Drucker bringt das Metall im laserbasierten Pulverbettverfahren Schicht für Schicht in jede gewünschte Form. Aus ehemals vielteiligen Baugruppen werden monolithische Bauteile, die nicht noch zusammengeschweißt werden müssen. Gesetzmäßigkeiten der Aerodynamik können besser befolgt, Leitungen und Kanäle strömungsoptimiert geführt werden. „Es wäre auf konventionelle Weise nicht möglich, diese Bauteile so herzustellen“, berichtet Sarah Hornickel.

Immense Vorteile durch 3-D-Druck

Zudem biete das neue Produktionsverfahren weitere immense Vorteile, ergänzt Unternehmenssprecher Thilo Sagermann. Es sei denkbar, an weltweiten Standorten 3-D-Drucker bereitzuhalten und die Konstruktionsdateien – etwa für benötigte Ersatzteile – online zur Produktion dorthin zu schicken. Das bedeute erhebliche Erleichterungen bei der Transport- und Lagerlogistik. Nach Bedarf kann gedruckt werden, in kurzer Zeit ist das benötigte Bauteil vor Ort. Darüber hinaus könnten neue Materialien genutzt werden; auch Kunststoffe spielen inzwischen eine Rolle in Bereichen, bei denen bislang nur Metall in Frage kam. Das spare Kosten, besonders aber Gewicht.

German Design Award 2019 gewonnen

Das Produkt aus der Entwicklung ist nicht nur druckreif, sondern auch preisgekrönt: Mit einem additiv gefertigten 3-D-Sprühkopf für eine Gesenkschmiedepresse hat die SMS Group den German Design Award 2019 an Land gezogen – ein guter Ansporn für das gesamte Team. Sarah Hornickel berichtet voller Begeisterung von ihrer kreativen Tätigkeit, zu der sie ihre Laufbahn im Unternehmen geführt hat. Ihrer Ausbildung als technische Zeichnerin ließ sie ein duales Maschinenbaustudium folgen, jetzt blüht sie bei F&E auf, genießt abwechslungsreiche Aufgabenstellungen.

Offenes Ausbildungskonzept

Als nicht ganz typisches Beispiel ist sie eine Vorzeigemitarbeiterin für das Unternehmen. „Es tut mir in der Seele weh, wie wenig Mädchen sich für technische Berufe interessieren“, betont Marion Hermanns. Die Ausbildungsleiterin der SMS Group wirbt für die Berufsfelder in der Industrie. Noch sei es möglich, guten Nachwuchs zu finden. Im September starten wieder 70 Neue. Die Bewerberzahlen aber seien spürbar zurückgegangen, technikorientierte Fachkräfte würden rar. Am jährlichen „Tag der Ausbildung“ zeigt das Unternehmen stets auf, wie der Nachwuchs auf die vielfältigen Aufgabenbereiche vorbereitet wird. Es böten sich Chancen, Entwicklungsmöglichkeiten, Karrierewege. Das offene Konzept des „Lernwerks“ ermögliche es den Azubis, interdisziplinär zu arbeiten und zu denken. Schon in der modernen Ausbildungswerkstatt arbeiten die jungen Mitarbeiter an echten Aufträgen mit, sind Teil der Produktions- und Wertschöpfungskette. „Wir lassen die jungen, freien Geister ran“, freut sich Hermanns.

Auch in Dahlbruch hat die additive Fertigung bereits Einzug gehalten – neben der Produktion an konventionellen Maschinen kommt seit einigen Jahren ein 3-D-Drucker zum Einsatz. Nach und nach eröffnen sich neue Horizonte im „Lernwerk“; im Einklang mit bewährter Technik sollen sie die SMS Group bereit machen für die Zukunft.

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