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Stichwahl in Hilchenbach
Duell um den Chefsessel im Rathaus

Frau oder Mann, Externe oder Interner, Erstplatzierter oder Zweitplatzierte? Die Kommunalwahl ist für die Hilchenbacher Wähler erst am Sonntagabend beendet. Überraschungen sind möglich, sie sind aber eher die Ausnahme.
  • Frau oder Mann, Externe oder Interner, Erstplatzierter oder Zweitplatzierte? Die Kommunalwahl ist für die Hilchenbacher Wähler erst am Sonntagabend beendet. Überraschungen sind möglich, sie sind aber eher die Ausnahme.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Hilchenbach/Siegen. Eine Ehrenrunde drehen, das mussten nur nur zwei Kandidaten bei den Bürgermeisterwahlen im Kreis Siegen-Wittgenstein. In fast allen Städten und Gemeinden hatten sich am Abend des 13. September klare Sieger herauskristallisiert – mit mehr als der Hälfte der abgegebenen und gültigen Wählerstimmen haben sie sich beim Rennen auf den Chefsessel des jeweiligen Rathauses durchgesetzt. Einzig und allein in Hilchenbach fiel das Votum der Wähler nicht deutlich genug aus – die müssen am Sonntag daher noch einmal ran.
Von fünf Bewerbern – keiner davon hatte aus dem Amt heraus kandidiert – entfielen die meisten Stimmen auf Kyrillos Kaioglidis (parteiloser Einzelbewerber mit SPD-Unterstützung) und Edelgard Blümel (parteilose Kandidatin von CDU, UWG und FDP).

js Hilchenbach/Siegen. Eine Ehrenrunde drehen, das mussten nur nur zwei Kandidaten bei den Bürgermeisterwahlen im Kreis Siegen-Wittgenstein. In fast allen Städten und Gemeinden hatten sich am Abend des 13. September klare Sieger herauskristallisiert – mit mehr als der Hälfte der abgegebenen und gültigen Wählerstimmen haben sie sich beim Rennen auf den Chefsessel des jeweiligen Rathauses durchgesetzt. Einzig und allein in Hilchenbach fiel das Votum der Wähler nicht deutlich genug aus – die müssen am Sonntag daher noch einmal ran.
Von fünf Bewerbern – keiner davon hatte aus dem Amt heraus kandidiert – entfielen die meisten Stimmen auf Kyrillos Kaioglidis (parteiloser Einzelbewerber mit SPD-Unterstützung) und Edelgard Blümel (parteilose Kandidatin von CDU, UWG und FDP). Die Nase vorn hat Kaioglidis (49): 3264 Wähler sprachen sich für den Stabsstellenleiter aus dem Rathaus aus, 2604 für die Kreuztaler Beigeordnete Blümel (60). Beide mussten mit ihren Unterstützern noch einmal kräftig die Werbetrommel rühren – um in der Stichwahl zu punkten.

Viele spannende Fragen vor der Stichwahl in Hilchenbach

Ist die Wahl denn schon gelaufen? Ist aus dem ersten Ergebnis lediglich eine Tendenz herauszulesen – oder lässt sich eine echte Prognose ableiten? Natürlich, bei der bloßen Addition der Zahlen für die Zweitplatzierte und denen der dritt- bis fünftplatzierten Bewerber, käme eine Mehrheit zustande – 4128 der gültigen Stimmen landeten eben nicht auf dem Konto des Favoriten. Um aus einem solchen nicht ganz eindeutigen Ergebnis mehr Klarheit herauszudestillieren, gibt es die Stichwahl. Der erste Bürger oder die erste Bürgerin soll am Ende von der Mehrheit der Wähler ins Amt gehoben werden.
Dass die für die nunmehr unterlegenen Kandidaten abgegebenen Stimmen nun automatisch bei Bewerberin Nr. 1 oder Bewerber Nr. 4 (so die Reihenfolge beim ersten Urnengang) landen, lässt sich so einfach nicht voraussagen. Empfehlungen haben die restlichen Kandidaten oder ihre Fraktionen inzwischen abgegeben. Ob sich die gleichen Wähler wieder mobilisieren lassen? Ob sie sich an Empfehlungen halten? Ob die Wahlbeteiligung noch einmal bei knapp 61 Prozent liegen wird? Das alles wird sich erst am Sonntag nach 18 Uhr ablesen lassen, wenn nach und nach die Ergebnisse aus den einzelnen Wahl- und Briefwahlbezirken eintrudeln.

Ein Blick in die Wahl-Historie

Die Stadt Hilchenbach mag in dieser Runde die einzige Kommune in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sein, bei der eine Stichwahl nötig ist. In früheren Wahlen gab es diesen Entscheid in zweiter Runde jedoch immer wieder.

Das Hin und Her der Stichwahlen in NRW Nordrhein-Westfalen war 1994 das erste Bundesland, das Stichwahlen einführte. Damals war die SPD-Regierung um Johannes Rau in der Verantwortung. 2007 schaffte die CDU-/FDP-Landesregierung um Jürgen Rüttgers die Stichwahl ab. Bei der Kommunalwahl 2009 war daher bereits nach der ersten Runde klar, wer das Rennen machte. Glück gehabt: Dr. Torsten Spillmann (SPD) in Bad Laasphe (42,6 Prozent) und der parteilose Paul Wagener in Netphen (48,7 Prozent) hätten sich ansonsten noch einmal den Wählern stellen müssen. Das blieb ihnen erspart. 2011 holte die Landesregierung um Hannelore Kraft (SPD) die Stichwahl zurück. Noch vor einem Jahr hatte es abermals so ausgesehen, als komme die Kommunalwahl 2020 ohne ein Stechen in zweiter Runde aus. Die aktuelle CDU-/FDP-Landesregierung um Armin Laschet hatte sie im April 2019 wieder abgeschafft. Dagegen hatten SPD und Grüne geklagt und beim Verfassungsgericht eine richterliche 4:3-Mehrheit bekommen.

1999 wurden erstmals hauptamtliche Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen gewählt – davor gab es eine Doppelspitze aus einem Hauptverwaltungsbeamten (Stadt- oder Gemeindedirektor) und einem ehrenamtlichen Repräsentanten. Bei dieser Wahl gab es in Hilchenbach bereits eine Stichwahl – Günter Schlabach (SPD) musste sich darin noch gegen Wolfgang Weber (CDU) durchsetzen. In Bad Berleburg wurde Hans-Werner Braun (SPD) erst in der Stichwahl zum Bürgermeister, zuvor hatte der parteilose Rolf Born (als CDU-Kandidat) noch ein Wörtchen mitzureden. Rudolf Biermann (CDU), Bürgermeister der Stadt Kreuztal, musste den ehemaligen Stadtdirektor Kurt Erdmann (SPD) ebenfalls „ausstechen“.
2004 gab es in Siegen, Netphen, Hilchenbach und Erndtebrück Stichwahlen, bei denen Ulf Stötzel (CDU), Rüdiger Bartsch (Einzelberwerber), Hans-Peter Hasenstab (parteilos) und Karl-Ludwig Völkel (SPD) die Ergebnisse des ersten Wahldurchgangs bestätigten. Anders lief es in der Gemeinde Kirchhundem ab, wo Michael Grobbel (SPD) in der ersten Runde mit 31,4 Prozent der Stimmen hinter seinem UK-Konkurrenten Gerhard Stamm (34,1 Prozent) lag – in der Stichwahl aber wendete sich das Blatt: Grobbel holte 56,2 Prozent der Stichwahlstimmen.

Landrat Andreas Müller sorgte für einen echten Paukenschlag

2014 musste einzig Bernd Fuhrmann (CDU) in Bad Berleburg noch einmal zittern und sich auf ein Duell gegen Dietmar Beuter von der SPD einlassen. Schon in der ersten Wahlrunde hatte er jedoch die meisten Stimmen eingesammelt. Weitaus überraschender ging diese Wahl für Landrat Paul Breuer (CDU) aus. Der hatte mit 43,3 Prozent der Stimmen zwar einen klaren Vorsprung vor seinem jungen Herausforderer Andreas Müller (SPD), der zunächst auf 35,8 Prozent gekommen war. Die Stichwahl führte zur Kehrtwende: 59,5 Prozent sprachen sich für Müller aus.
2015 standen nur dort Bürgermeisterwahlen an, wo die Rathauschefs ihr Schicksal nicht freiwillig im Vorjahr an die Kommunalwahl angedockt hatten. Stichwahlen gab es in Freudenberg, wo Nicole Reschke (SPD) ihre Führung gegen Heide Batz, die Kandidatin von CDU, FDP und Grünen, ausbaute. In Drolshagen (Kreis Olpe) musste Ulrich Berghof (CDU) noch einmal gegen Christoph Lüttike (parteilos) ran. Auch hier gab es keine überraschende Wende.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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