Durchblicke zur Kunst

Helga Seekamp (l.) und Helga Schwoch laden in der Galerie im Garten zu Einblicken, Aufblicken, Ausblicken und Durchblicken ein.  Foto: gmz
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gmz Grund. Hinter den vergitterten Fenstern der ehemaligen Pferdeboxen in Christa Meesmanns „Galerie im Garten“ in Grund sind stark vergrößerte Fotos von voll erblühten Blumen versteckt, eingesperrt, ist man versucht zu sagen. Die faszinierende Offenheit der Rhododendronblüten, der Stiefmütterchen und Petunien, ihre komplexen Strukturen, die fast laszive Opulenz ihrer Farben und Formen verschwinden beinahe hinter den Gittern. Trotzdem sind sie ein Blickfang. „Umweltschutz“ heißt diese Installation von Helga Seekamp. Die „Unterschutzstellung“ und die herausfordernde Präsentation lenken den Blick des Betrachters auf die meist achtlos übersehene Schönheit der Blüten. Zugleich drängt sich dem Betrachter die Frage auf, ob der Umweltschutz tatsächlich so weit gehen muss, um selbst „alltägliche“ Blumen noch schützen zu können oder ob nicht auch die Art und Weise des Schutzes gelegentlich einer kritischen Betrachtung bedarf ...

Die Künstlerin Helga Seekamp stellt gemeinsam mit der ehemaligen Kunstlehrerin und Freundin aus Grundschultagen Helga Schwoch ab Sonntag, 11 Uhr, in Christa Meesmanns Galerie aus: „Einblicke, Aufblicke, Ausblicke, Durchblicke“ heißt die Ausstellung, die das Schauen als Grundvoraussetzung für künstlerisches Erfassen thematisiert. Wer Helga Seekamps Arbeiten kennt, weiß, dass sie diese Überlegungen mit installativen Kniffen und witzigen Einfällen in Szene setzt. Im kleinen Türfenster, das einen Blick in einen Scheunenraum ermöglicht, hängt ein Foto, das den Betrachter fast zum Voyeur macht, denn es suggeriert einen Blick durch ein Fenster in einen Raum, in dem man eine junge Frau – in Rückenansicht – erkennt ... Beim Hinausgehen findet man in einem anderen Türfensterchen ein schemenhaftes Bild eines Fahrrades, das an einem Zaun lehnt. Die Landschaft dahinter sieht man dann in der Realität. Dieses Spiel mit Vorstellung und Wirklichkeit, von Wahrnehmen und Erkennen setzt Seekamp fort in den filmsequenz-ähnlichen Eindrücken, die sie von Alltagssituationen aufnimmt: „10 Minuten vor Siegen“ heißt beispielsweise eine Serie von Fotos, die unverbundene Eindrücke während einer Bahnfahrt kurz vor der Einfahrt nach Siegen wiedergibt. Die eigentlich zufällige Banalität der Eindrücke zwingt den Betrachter, die Lücken zwischen den Bildern zu schließen und seine Geschichte dazu zu erdenken. Das kann spannend sein.

So wie Helga Seekamp mit dem Schauen-Wollen spielt, zeigt auch Helga Schwoch in ihren Seh-Stücken, welchen Effekt das Schauen haben kann. Sie zeigt, gekonnt in pastos, leuchtend aufgetragenem Acryl, Strukturen des Alltags, die poetische Zusammenhänge ergeben. Wie in der „Brückenlandschaft“: Der Blick des Betrachters wird von einem toten Raum unter einer Brücke, der HTS gleich, auf die Stadtsilhouette im Hintergrund gelenkt, so dass sich die gesamte Szene belebt.

Die „Rote Grotte“ entzieht sich einem weißen Nebel, der sich über einer roten Landschaft ausbreitet. Die Grotte wird von dem Weiß nicht verdrängt, das Blau des Himmels erobert sich seinen Raum ebenfalls zurück. Schön auch der „Waldrand“, der, eigentlich völlig unspektakulär, ein Ort der Ruhe wird, der keine Grenze darstellt, sondern einen offenen, einladenden Raum bildet. In anderen, noch stärker abstrakten Bildern entwickeln die aufeinander abgestimmten, aber dennoch lebhaften Farben ein Eigenleben, beginnen zu leuchten, strahlen (u. a. durch farbiges Seidenpapier, das Tiefe und Strahlkraft verleiht), zeigen Temperament und Elan. Wie ein Einblick, der zum Durchblick verhilft!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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