Eiche für unverzichtbar erklärt

Wilhelm-Münker-Stiftung listet Argumente zum Erhalt dieser Baumart im Siegerland auf

Hilchenbach. Die Exkursion der Arbeitsgemeinschaft „Naturgemäße Waldwirtschaft” im Hilchenbacher Forst (die SZ berichtete) hat nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen. Die Wilhelm-Münker-Stiftung, die sich schwerpunktmäßig mit Wandern, Wald, Naturschutz und Heimatpflege beschäftigt, hat Vorbehalte geäußert zu den Aussagen über das gewünschte Zurückdrängen der Eichen.

In einem Brief an den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Freiherr Sebastian von Rotenhan, schreibt Vorstandsmitglied Jost-Peter Weiß: „Die Feststellung der Forstexperten, die Eiche sei durch puren Zufall im Rothaargebirge gelandet, ist tatsächlich nicht haltbar.” Die Eichenarten (Stiel- und Traubeneiche) seien dem an sich hier vorherrschenden Buchenwald schon beigemischt gewesen, bevor die Kelten vor 2500 Jahren mit der Holzverkohlung zur Eisenerzgewinnung begonnen hätten. Eichen und Birken seien durch die damalige Übernutzung des Buchenwaldes begünstigt worden, weil sie besser aus dem Stock ausschlagen könnten als Rotbuchen. Vor diesem historischen Hintergrund entspreche die Behauptung, nur zwei Prozent der Böden in Siegen-Wittgenstein seien für Eichen tauglich, nicht den Tatsachen. Eine wissenschaftliche Grundlage fehle, solange die Boden- und Standortkartierung, die zurzeit durchgeführt werde, nicht abgeschlossen sei.

Einschränkend gesteht Weiß, auf durchschnittlichen Böden sei die Rotbuche den Eichen überlegen. Nicht die Böden seien die Ursache, das atlantische Klima sei für Rotbuchen vorteilhafter als für Eichen. Buchen als Schattenbaumarten duldeten lichtliebende Baumarten wie Eichen nur in sehr beschränktem Umfang neben und unter sich. Deshalb sei „die Rotbuche bei uns die Baumart, die sich ohne Einfluss des Menschen fast überall durchsetzen würde”.

Zugleich streitet Weiß aber ab, dass Eichen „bei uns nicht wachsen könnten”. Der Waldbesitzer entscheide; er könne es durchaus für zweckmäßig erachten, einen Anteil seines Waldes mit Eichenarten zu bestocken, sei es aus Gründen eines wohl sortierten Holzangebots, sei es aus Gründen der Landschaftsökologie oder zur Erhaltung des durch Eichenreichtum geprägten Landschaftsbildes.Daneben äußert die Stiftung ihr Bedauern, dass nach den Jahrzehnte langen Bemühungen der örtlichen Forstverwaltungen um eine Förderung der Eichenarten im Siegerland „solche unbewiesenen Behauptungen aufgestellt werden können”.

Wissenschaftlich fundierte Gutachten zur Anbaufähigkeit der Eichen im Siegerland, wie sie um 1970 durch die Uni Göttingen und die Baden-Württembergische Forstliche Versuchsanstalt mit erheblichem Aufwand erstattet worden seien, seien unbeachtet geblieben. Dies schade der guten Überzeugungsarbeit erheblich.

Noch enttäuschender sei die kundgegebene Abkehr vom Unterbau der Eichen. Völlig unverständlich sei die neue Zielsetzung, die Eichen zu einem beträchtlichen Teil durch naturgemäße Vegetation zu ersetzen. Weder die Fichte noch die Douglasie seien von Natur aus ein Bestandteil der natürlichen Vegetation des Siegerlandes. Die Stiftung hegt die Hoffnung, dass die bei der Exkursion geäußerten Gedanken nur Denkanstöße gewesen seien und eine Abkehr von der erfolgreichen Waldwirtschaft im Siegerland nicht beabsichtigt sei.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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