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,,Herzenswunsch-Krankenwagen''
Ein letzter Wunsch geht in Erfüllung

Eine Gesamtspende von 2710 Euro übergab die Dorfgemeinschaft Grund jetzt an Michael Hermann für den Herzenswunsch-Krankenwagen. Die Reise von Ernst Otto Winchenbach gab den Anstoß, dass Vereine, Gruppen und Einzelpersonen im Dorf sammelten und den Erlös verschiedener Aktionen spendeten. Mit dabei waren die Grunder Dorfjugend mit der größten Einzelspende, der Frauenkreis, der Heimatverein, die Jungschar, der „Grünger Kreisel“ der Turngemeinde und die ev. Gemeinschaft, die einen „lebendigen Adventskalender“ organisiert hatte.
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  • Eine Gesamtspende von 2710 Euro übergab die Dorfgemeinschaft Grund jetzt an Michael Hermann für den Herzenswunsch-Krankenwagen. Die Reise von Ernst Otto Winchenbach gab den Anstoß, dass Vereine, Gruppen und Einzelpersonen im Dorf sammelten und den Erlös verschiedener Aktionen spendeten. Mit dabei waren die Grunder Dorfjugend mit der größten Einzelspende, der Frauenkreis, der Heimatverein, die Jungschar, der „Grünger Kreisel“ der Turngemeinde und die ev. Gemeinschaft, die einen „lebendigen Adventskalender“ organisiert hatte.
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ihm Grund/Ramsau. Ein kleiner Mann mit einem großen Herzen – so kannten Ernst Otto Winchenbach viele Menschen. In seinem Heimatdorf Grund war er allgegenwärtig, wenn es etwas zu tun gab. Anpacken, mitmachen, gesellig sein – E. O., wie er von allen genannt wurde, gehörte einfach dazu.
Monatelang kämpfte der 77-Jährige gegen seine schwere Krankheit an. Dass er nicht mehr gesund werden würde, wusste er wohl. Noch einmal die Alpen sehen, sein geliebtes Ramsau in Österreich, wo er seit vielen Jahren Urlaub machte – das wünschte er sich, aber wie sollte das gehen?
Herzenswunsch ging noch in Erfüllung
Familie, Freunde, Nachbarn dachten nach. E. O. mal eben ins Auto packen und 700 Kilometer nach Süden fahren? Ausgeschlossen. Der Patient lag im Krankenhaus, er brauchte medizinische Betreuung.

ihm Grund/Ramsau. Ein kleiner Mann mit einem großen Herzen – so kannten Ernst Otto Winchenbach viele Menschen. In seinem Heimatdorf Grund war er allgegenwärtig, wenn es etwas zu tun gab. Anpacken, mitmachen, gesellig sein – E. O., wie er von allen genannt wurde, gehörte einfach dazu.
Monatelang kämpfte der 77-Jährige gegen seine schwere Krankheit an. Dass er nicht mehr gesund werden würde, wusste er wohl. Noch einmal die Alpen sehen, sein geliebtes Ramsau in Österreich, wo er seit vielen Jahren Urlaub machte – das wünschte er sich, aber wie sollte das gehen?

Herzenswunsch ging noch in Erfüllung

Familie, Freunde, Nachbarn dachten nach. E. O. mal eben ins Auto packen und 700 Kilometer nach Süden fahren? Ausgeschlossen. Der Patient lag im Krankenhaus, er brauchte medizinische Betreuung. Also eine Fahrt im Krankenwagen? Wer bezahlt so etwas? Wer trägt die Verantwortung? Wer kennt sich mit einer Magensonde aus?

Neuer Wagen „Ich möchte nicht einfach eine Fahrt machen, sondern es soll immer ein besonderes Erlebnis für den Gast werden. Dabei geht es nicht um den Tod, sondern um das Leben!“ Michael Hermann (44) hat seine Lebensaufgabe gefunden. Er erfüllt mit dem betagten Krankenwagen, der in vielen Stunden hergerichtet wurde, seit 2019 Herzenswünsche sehr kranker Menschen. „Das muss immer schnell gehen. Die Leute melden sich oft spät bei uns, da weiß man nie, wie viel Zeit noch bleibt.“ Manche schaffen es nicht mehr … Der alte Krankenwagen soll 2023 durch einen neuen ersetzt werden. Rund 120 000 Euro wird das wohl inklusive aller notwendigen Umbauten kosten. Dafür sammelt Michael Hermann schon jetzt Spenden. Und nur durch Spenden wird auch der laufende Betrieb getragen. Schirmherrin des Herzenwunsch-Krankenwagens der Malteser ist übrigens die Bad Laaspher Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach. Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst Bad Laasphe DE66 3706 0120 1201 2162 70 Stichwort: Herzenswunsch

Auf alle diese Fragen gab es eine Antwort: den „Herzenswunsch-Krankenwagen“ der Malteser, der seit 2019 todkranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllt. Notfallsanitäter Michael Hermann, im Hauptberuf bei der Rettungswache in Womelsdorf beschäftigt, ist der Wunscherfüller. Mehr als 20 Touren hat er schon für Menschen organisiert, denen nicht mehr viel Lebenszeit bleibt. „Dieses Projekt ist mein Baby, dafür tue ich alles.“

Strahlender Sonnenschein in Ramsau

E. O. bekam für zwei Nächte Urlaub vom Krankenhaus. Der Grunder Ortsvorsteher Martin Born, selbst hauptberuflicher Rettungsdienstler, war mit von der Partie. Als E. O. sich im umgebauten Krankenwagen auf der Liege niederließ, wartete die erste Überraschung auf ihn: Sein Reise-Kumpel Andreas Dreisbach aus Dotzlar, der mit ihm immer wieder in Ramsau Urlaub gemacht hatte, stand vor dem Wagen: „Du glaubst doch nicht, dass ich dich allein fahren lasse?“

In Grund hieß er nur E. O., in seinem Urlaubsdomizil Ramsau nannten ihn alle Otto. Auf seiner letzten Reise lebte er noch einmal auf.
  • In Grund hieß er nur E. O., in seinem Urlaubsdomizil Ramsau nannten ihn alle Otto. Auf seiner letzten Reise lebte er noch einmal auf.
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Strahlender Sonnenschein begrüßte die vier Männer in Ramsau. Vor dem Stammhotel hatten sich zwei junge Männer aufgebaut. E. O. traute seinen Augen nicht: Die Grunder Nick Stein (27) und Samuel Braukmann (28) waren auf eigene Faust in die Steiermark gefahren. Über die Brille hinweg fixierte er die beiden gerührt: „Ihr Saujonge!“ Die gemischte Reisegruppe aus Siegerland und Wittgenstein ließ sich von der Krankheit nicht ausbremsen. Als es E. O. nachts schlecht ging, bekam er – den Profis sei Dank – Infusionen. Michael Hermann: „Ich glaube, er war der kränkste Gast, den ich bisher gefahren habe.“ Trotzdem wollte E. O. unbedingt noch einmal mit der Seilbahn auf den Dachstein. Martin Born: „Je höher wir kamen, desto knapper wurde ihm die Luft. Wir haben ihm Sauerstoff angehängt, dann ging es.“

Ich glaube, er war der kränkste Gast, den ich bisher gefahren habe.
Michael Hermann
Initiator des Projekts
Herzenswunsch-Krankenwagen

Bekannt auch in der zweiten Heimat

Dass die Freunde mit eigenen Augen sahen, wie wunderschön diese Landschaft ist und was es alles zu entdecken gibt, das war E. O. besonders wichtig. Vielleicht wichtiger, als selbst alles noch einmal anzuschauen. Nick Stein: „Er war dort unten überall bekannt, alle nannten ihn ,Otto’. Das war uns erst fremd, aber er hatte dort eine richtige zweite Heimat. Das wussten wir vorher gar nicht.“

Die Wirtsleute im Vier-Sterne-Hotel Rösslhof, in dem E. O. und Andreas immer abstiegen, übernahmen bei dieser letzten Reise sämtliche Kosten für die beiden. Die beiden Notfallsanitäter bezahlten ihre Übernachtungskosten aus dem Spendentopf des Herzenswunsch-Krankenwagens, das junge Grunder Begleitkommando reiste natürlich auf eigene Kosten.

Auf der Alm sitzen und die Sonne genießen, die Berge schimmern sehen und mit den Freunden lachen – E. O. hat das Leben an diesem Wochenende genossen, da sind sich seine Begleiter sicher. Am Sonntagabend lieferten sie ihn wieder im Jung-Stilling-Krankenhaus ab. Fünf Tage später starb er.

Eine Gesamtspende von 2710 Euro übergab die Dorfgemeinschaft Grund jetzt an Michael Hermann für den Herzenswunsch-Krankenwagen. Die Reise von Ernst Otto Winchenbach gab den Anstoß, dass Vereine, Gruppen und Einzelpersonen im Dorf sammelten und den Erlös verschiedener Aktionen spendeten. Mit dabei waren die Grunder Dorfjugend mit der größten Einzelspende, der Frauenkreis, der Heimatverein, die Jungschar, der „Grünger Kreisel“ der Turngemeinde und die ev. Gemeinschaft, die einen „lebendigen Adventskalender“ organisiert hatte.
In Grund hieß er nur E. O., in seinem Urlaubsdomizil Ramsau nannten ihn alle Otto. Auf seiner letzten Reise lebte er noch einmal auf.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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