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Personalabbau von bis zu 140 Arbeitsplätzen
Eisenbau Krämer auf Diätkurs

Keinen Grund zum Feiern gibt es im 100. Jahr der Firmengeschichte bei Eisenbau Krämer in Kredenbach (und Recklinghausen). Es droht Stellenabbau.
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nja/vö Kredenbach. Das Kredenbacher Traditionsunternehmen Eisenbau Krämer GmbH (EBK) will sich gesund schrumpfen und kündigt in einer am Dienstagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung eine „umfassende Restrukturierung im Jubiläumsjahr“ an. Demnach hat der Röhren-Spezialist eine Neuausrichtung seines Geschäftes auf den Weg gebracht, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Über die Einzelheiten wurde am Dienstag zuerst die Belegschaft informiert.

„Im Jahr unseres 100-jährigen Bestehens reagieren wir damit auf die seit Jahren andauernde schwierige Wirtschaftslage, die in der gesamten Branche beobachtet werden muss“, erläutert Geschäftsführer Dr. Boris Wernig.

nja/vö Kredenbach. Das Kredenbacher Traditionsunternehmen Eisenbau Krämer GmbH (EBK) will sich gesund schrumpfen und kündigt in einer am Dienstagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung eine „umfassende Restrukturierung im Jubiläumsjahr“ an. Demnach hat der Röhren-Spezialist eine Neuausrichtung seines Geschäftes auf den Weg gebracht, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Über die Einzelheiten wurde am Dienstag zuerst die Belegschaft informiert.

„Im Jahr unseres 100-jährigen Bestehens reagieren wir damit auf die seit Jahren andauernde schwierige Wirtschaftslage, die in der gesamten Branche beobachtet werden muss“, erläutert Geschäftsführer Dr. Boris Wernig. Gesellschafter, Geschäftsleitung und Beirat hätten in Abstimmung mit den Hausbanken einen Restrukturierungsplan erarbeitet, der Eisenbau Krämer langfristig wirtschaftlich absichern und auf die Zukunft ausrichten solle. Unter dem Strich bedeute dies, dass man bis zu 140 Vollarbeitsplätze abbauen müsse. Boris Wernig: „Das muss in diesem Jahr geschehen.“

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie

Die Geschäftsführung nimmt kein Blatt vor den Mund: EBK habe trotz größter Anstrengungen und hoher Flexibilität aller Mitarbeiter in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste verbucht. Hinzu kämen die wirtschaftlichen Folgen der noch immer andauernden Corona-Pandemie, deren Größenordnung nicht abzusehen seien. Der Geschäftsführer formuliert es folgendermaßen: „Der Markt war ja schon vor der Krise heiß umkämpft und wurde über den Preis bestimmt. Corona hat da wie ein Brandbeschleuniger gewirkt.“

„Die Restrukturierung ist notwendig, um die Kostensituation zu verbessern und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Damit sind allerdings auch einige schmerzliche Einschnitte verbunden – so ist die Reduzierung von Arbeitsplätzen unumgänglich. Hierzu führen wir bereits Gespräche mit den Betriebsräten, der Gewerkschaft und dem Arbeitgeberverband“, gibt Wernig Einblick in den Stand der Dinge. Man werde versuchen, den Personalabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Allerdings seien in der jetzigen Situation betriebsbedingte Kündigungen nicht zu vermeiden.

Dringend notwendige Investitionen

Zurzeit arbeiten bei EBK nach Angaben des Unternehmens rund 400 Menschen – in Kredenbach und Recklinghausen. Der Geschäftsführer richtet den Blick nach vorn: Es stünden dringend notwendige Investitionen in die Modernisierung des Unternehmens an, vor allem in Digitalisierung und Produktivitätssteigerung sowie in neue Produkte im Wachstumsmarkt korrosionsbeständiger Leitungsrohre. Dafür sei eine ausreichende Liquidität erforderlich, die EBK mit Unterstützung der Hausbanken sicherstellen wolle. In dieser Konstellation von Kostenreduzierung, Liquiditätssicherung und Zukunftsinvestitionen stelle sich EBK jetzt auf einer soliden Basis neu auf. „Die Röhrenindustrie im Siegerland hat eine lange Tradition. Eisenbau Krämer hat eine lange Tradition. Auch wenn die wirtschaftliche Situation derzeit nicht gut ist, wollen wir diese Tradition auch in Zukunft weiter fortsetzen. Dies ist für uns nicht nur Geschichte, sondern auch Verpflichtung“, unterstreicht Wernig.

„Wenn man das Unternehmen retten will, dann muss man bittere Schritte gehen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Arno Stähler. Er hält die Größenordnung des geplanten Personalabbaus jedoch für nicht haltbar. Zum einen sei der Kollegenstamm in den vergangenen Monaten schon geschrumpft.

Digitalisierung zu spät durchgeführt

„So gab es Aufhebungsverträge in der Verwaltung, Eigenkündigungen, und auch der flexible Übergang in die Rente wurde wahrgenommen.“ Andererseits müssten neue Prozesse erst einmal ans Laufen gebracht werden, bevor über eine Reduzierung der Personalzahl nachgedacht werde: „Man braucht schon auch noch Menschen!“ Die Digitalisierung sei zu spät und nicht konsequent durchgeführt worden, auch habe es bislang kein umfängliches Personalkonzept gegeben. Eine Neuausrichtung, so sein Credo, müsse stattfinden: „Wir sind sehr breit aufgestellt, uns fehlt das Herausstellungsmerkmal!“

Ein Unternehmen – zwei Standorte Seit der Gründung im Jahr 1921 produziert die Eisenbau Krämer GmbH längsnaht-geschweißte Stahlrohre. Sie kommen u. a. als Leitungs- und Konstruktionsrohre zum Einsatz. Neben dem Stammwerk in Kredenbach betreibt das Unternehmen einen Produktionsstandort in Recklinghausen.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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