Elf Häuser, drei Treppen und viele Komplikationen

Die aus kommunaler Sicht einfachste Lösung sieht so aus: Die Anwohner bauen selbst Treppen zur Straße und sichern sich rechtlich per Schild ab.  Foto: js
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js Allenbach. Die Situation ist historisch gewachsen, kurios und verzwickt: Am Hang unterhalb der Allenbacher Dr.-Moning-Straße wurden Ende der 1960er Jahre elf Wohnhäuser errichtet. Die Grundstücke sind Eigentum von Stift Keppel und wurden in Erbpacht für 99 Jahre an die Häuslebauer abgetreten. Damit die Bewohner überhaupt zu ihren Haustüren gelangen können, wurde seinerzeit ein Fußweg als Erschließung angelegt. Der wiederum gehört der Stadt Hilchenbach, liegt einige Meter unterhalb des Straßenniveaus, ist an drei Stellen per Treppe mit der Dr.-Moning-Straße verbunden und „durchschneidet“ die Grundstücksparzellen.

Ob eine Kommune sich heute auf eine solch komplizierte Erschließung einlassen würde, ist fraglich. Die Stadt Hilchenbach jedenfalls ist Eigentümerin besagter Weg-/Treppen-Anlage und muss sich um deren Erhalt kümmern. Das ging einige Jahrzehnte lang gut, inzwischen hat sich der berüchtigte Zahn der Zeit in den Stufen verbissen. Wie berichtet, musste die Stadt im Frühling reagieren und im Sinne der Verkehrssicherung die mittlere der Verbindungstreppen sperren.

Den Anwohnern ist dies ein Dorn im Auge. Sie möchten weiterhin an drei Stellen an „ihre“ Straße angeschlossen sein, sehen die Stadt in der Pflicht, die marode Erschließung wieder auf Vordermann zu bringen. Zudem sehen sie die Anlage gespickt mit gefährlichen Stolperfallen.

Dieser Tage erreichte die Problematik die Hilchenbacher Politik. Der Bauausschuss sah sich in seiner jüngsten Sitzung vor Ort um. Ziel dieser Visite war es, gemeinsam mit der Verwaltung einen Weg zu finden, um die elf betroffenen Anwohnerparteien wieder an den Rest der Stadt anzubinden.

An Vorschlägen mangelte es nicht im Kreis der Ausschussmitglieder. Einig waren sich alle darin, dass die zurzeit gesperrte Treppe ersatzlos gestrichen und die Erschließung von zwei Seiten – einmal östlich und einmal westlich – durch modifizierte Aufgänge gewährleistet werden müsse. André Helmes (UWG) schlug vor, den Weg mitsamt der Erschließungsproblematik an die Anwohner zu verschenken. „Als Alternative könnte man ihnen ja ein Angebot mit einer KAG-Maßnahme machen.“ Sprich: Die Stadt schlägt einen Neuausbau der Anlage vor und rechnet diese nach dem Kommunalen Abgabengesetz ab, wodurch die Anlieger die Hälfte der Kosten zu tragen hätten. Helmes bezeichnete das als „Meinungsverstärker“ zugunsten der Schenkungsvariante. Diese sah Arne Buch (CDU) als unrealistisch an. Schließlich müssten die Anwohner sich dann gegenseitig mit Wegerecht ausstatten. „Wir werden den Weg einfach nicht los.“Nun sollen also Möglichkeiten ausgelotet werden, wie die sichere Erschließung von zwei Seiten erfolgen kann. Im Osten könnte der Verbindungsweg zur Unteren Klappeiche besser angeknüpft werden, im Westen ist eine tiefergelegte Anbindung an die Garagen der Häuser denkbar, vielleicht auch eine langgezogene Rampe oberhalb dieser Autostellplätze, deren Grund und Boden die Stadt Hilchenbach in Erbpacht von Stift Keppel übernommen hat, um die einzelnen Stellplätze wieder unterzuverpachten – nur an wenigen Orten im Stadtgebiet sind die Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten so kompliziert wie hier!Die aus Sicht von Stadt und Politik einfachste Lösung wäre Sache der Hausbesitzer selbst. Sie können als Erbpächter den Böschungsbereich recht frei gestalten, haben also die Möglichkeit, eigene Treppen zu bauen. Zwei solcher Privataufgänge gibt es bereits. Laut Tiefbauamtsleiter Michael Schwenke haben diese den Vorteil, dass sie sich nicht so sehr an bauliche Vorgaben halten müssen wie städtische Treppen – sie können z. B. steiler sein. Wichtig sei es jedoch, dass die Eigentümer der Stufen sich mit entsprechenden Schildern gegen eventuelle Haftungsansprüche schützten.Bei allen Überlegungen um die Zukunft der Allenbacher Erschließungsanlage soll die Barrierefreiheit eine Rolle spielen. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, wohl aber einen „moralischen“, wie Michael Schwenke sagte. Der Tiefbauamtsleiter soll nun die Vorschläge aus dem Fachgremium prüfen und nach dem Sommer Bericht erstatten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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