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6. Hafenfest im Naturfreibad (mit Video)
„Endlich Seewetter in Müsen“

Die 69 Jahre sieht man dem Müsener Feuerlöschboot nicht an, der Kahn hat längst Kult-Status erreicht. Im Laufe der Woche werden über 800 Gäste erwartet.
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bjö Müsen. Mit einem milden Lächeln lief Matthias Lau am Samstag kurz nach Mittag durch den Nieselregen auf dem Müsener Freibadgelände: „Ist ja nicht schlimm – in Hamburg ist auch Regen.“ Recht hatte er, immerhin gibt es da auch einen Hafen – aber einen nicht so schönen wie in Müsen. Und der hätte zumindest zur mittäglichen Eröffnung ein paar Sonnenstrahlen verdient gehabt.

Der Stimmung konnte das Wasser von oben an „Deutschlands schönsten Gebirgshochseehafen“ zur Eröffnungszeremonie samt Fassanstich durch Bürgermeister Holger Menzel nichts anhaben. Auch Christoph Schütz vom Turn- und Sportverein Müsen, gemeinsam mit der Müsener Feuerwehr Veranstalter des Hafenfestes, formulierte es in seiner Eröffnungsrede positiv, dass „endlich Seewetter hier in Müsen“ herrsche.

bjö Müsen. Mit einem milden Lächeln lief Matthias Lau am Samstag kurz nach Mittag durch den Nieselregen auf dem Müsener Freibadgelände: „Ist ja nicht schlimm – in Hamburg ist auch Regen.“ Recht hatte er, immerhin gibt es da auch einen Hafen – aber einen nicht so schönen wie in Müsen. Und der hätte zumindest zur mittäglichen Eröffnung ein paar Sonnenstrahlen verdient gehabt.

Der Stimmung konnte das Wasser von oben an „Deutschlands schönsten Gebirgshochseehafen“ zur Eröffnungszeremonie samt Fassanstich durch Bürgermeister Holger Menzel nichts anhaben. Auch Christoph Schütz vom Turn- und Sportverein Müsen, gemeinsam mit der Müsener Feuerwehr Veranstalter des Hafenfestes, formulierte es in seiner Eröffnungsrede positiv, dass „endlich Seewetter hier in Müsen“ herrsche.

Start mit "Promi"-Fahrt

Als eine gute halbe Stunde später die „Muzena“ mit der ersten Delegation von „Prominenten“ und Presse in See stach, hatte sich nicht nur der Regen verzogen, sondern auch der Nebel über der Wasseroberfläche von Südwestfalens größtem Naturfreibad. Nach dem dreifachen „Ahoi“ von Michael Fick vom Förderverein der Müsener Feuerwehr war das 6. Müsener Hafenfest offiziell eröffnet.

Erstmals führte der Weg für die Schiffspassagiere über einen Steg an Deck der „Muzena“, die zwar schon 69 Jahre auf dem Buckel hat, aber „immer noch wie am ersten Tag“ fährt, so die Müsener Feuerwehr. Sie ist Besitzerin des Schiffes, das einst im Duisburger Binnenhafen sein Dasein fristete, bevor die Müsener es als ihr Löschboot entdeckten und in ihr Herz schlossen. Nun ist es bis zum nächsten Wochenende der Mittelpunkt von einem „regionalen Fest mit dörflichen Charakter“, wie Christoph Schütz das Müsener Hafenfest beschrieb. Er erinnerte in seiner Eingangsrede an die „Gründungsväter“ des Hafenfestes: darunter das TuS-Urgestein Herbert Jung, der der Eröffnungsfeier wegen einer Trauung in Hilchenbach fernbleiben musste, aber später vorbeizuschauen versprach; ebenso an den verstorbenen Müsener Löschzugführer Martin Lau, der dafür gesorgt habe, dass die „Muzena“ einst „auf abenteuerlichen Wegen hierhergekommen“ sei – übrigens mit der Hilfe der Berufsfeuerwehr Duisburg.

Und er dankte TuS-Mitglied und Chef im Müsener Freibad Wieland Abele, dem „Mann mit den Listen, Plänen und den ungezählten Kontakten“.

1000 Menschen feierten am ersten Festabend

Abele fand zwar Zeit, an der Jungfernfahrt des Hafenfestes teilzunehmen, steckte aber in Gedanken schon längst im „Rettungsplan“ für die bayrische Band „Herz Ass“, die abends im Zelt spielen sollte: Sie musste auf dem Weg zum Hafenfest in Gießen nämlich wegen Motorschadens eine Zwangspause einlegen, war aber abends pünktlich im Festzelt auf der Bühne. 1000 Menschen tummelten sich dann auch abends auf dem Freibadgelände bzw. im Festzelt, um das Hafenfest auch musikalisch zu feiern.

Eine Pause ohne Zwang, aber mit einem umdrehungsstarken Drink legte die „Muzena“ auch mit den ersten Passagieren des Tages ein, und zwar auf der „Insel zum zollfreien Einkauf“. Michael Loos als erster Kapitän des Tages, wusste die wertvolle menschliche Fracht im Heck des Mini-Dampfers souverän durch Müsener Untiefen zu steuern. „Für mich ist die Herausforderung die Höhe“, erklärte er auf Nachfrage, was für ihn am Steuer des „Muzena“ anstrengend sei: Als Zwei-Meter-Mann musste sich der 22-Jährige auf seiner Kommandobrücke ducken, um gute Sicht zu haben. Beim Ablegen von der Strandbar passierte es dann doch, dass trotz aller Vorsicht des ersten von zwölf Kapitänen ein Ruck durch das Schiff ging, der Feuerlöscher ebenso zu Boden krachte wie eine Kiste Fassbrause an Bord.

Doch Seegang mindert beim Hafenfest erfahrungsgemäß mitnichten das erfolgreiche Miteinander im Bauch des Schiffes: „Hier werden auch Verträge abgeschlossen“, behauptet jedenfalls Matthias Lau, der als Chef der Müsener Feuerwehr weiß, welche Gruppen – und darunter eben auch Firmen mit ihren Kunden – eine Fahrt mit der „Muzena“ gebucht haben. Welche Art von Verträgen? Matthias Lau umschreibt es so: „Die Leute sind immer mit einem Lächeln von Bord gegangen.“

Über 800 Passagiere erwartet

Über 800 Menschen dürften es sein, die im Laufe dieser Woche mit dem einzigen Löschboot, das das Siegerland zu bieten hat, unterwegs sein werden. Unterwegs im Freibad im Uhrzeigersinn, wobei: „Kapitäne, die richtig gut drauf sind, fahren auch schon mal eine Acht – dann muss aber der Kapitän am Steuer rudern ohne Ende“, weiß Lau.

Bevor die erste Gruppe von der Strandbar wieder Richtung Ufer tuckerte, war es diesmal die TuS-Mitorganisatorin Christina Weber, die für Momente an der Spitze des Schiffes wie eine Filmheldin dastand und die Arme ausbreitete: „Irgendjemand muss immer die ,Titanic‘ machen, damit wir gut nach Hause kommen“, erklärte dabei jemand aus der Menge das Zeremoniell, das an den romantischsten Moment der legendären Titanic-Verfilmung mit Leonardo di Caprio erinnerte.

Und die Müsener werden die ganze Woche lang immer wieder daran erinnert, dass in ihrem Freibad Hafenfest ist: Das Schiffshorn der „Muzena“ ist jedenfalls ebenso unüberhörbar wie das ebenfalls an Bord befindliche Martinshorn.

Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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