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Tierheim will Katzen nur gegen über 4000 Euro herausgeben
Erbittertes Tauziehen um zwei Samtpfoten

Inge Taphorn kann ihre beiden Lieblinge nur noch auf Fotos betrachten – sie leben inzwischen seit über einem Jahr im Siegener Tierheim.
  • Inge Taphorn kann ihre beiden Lieblinge nur noch auf Fotos betrachten – sie leben inzwischen seit über einem Jahr im Siegener Tierheim.
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  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Hilchenbach/Siegen. Micky hat schneeweißes Fell, Tommy ist schwarz wie die Nacht. Inge Taphorn (79) schaut auf die Fotos der beiden Katzen und seufzt. „Wenn ich doch meine Katzen wieder hätte ...“ Ob und wann dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist völlig offen. Denn Micky und Tommy sind seit Monaten ein Fall für die Anwälte.

Es begann im Sommer 2018. Die Hilchenbacherin Inge Taphorn erlitt zwei Schlaganfälle, sie fiel ins Koma. Die Prognose der Ärzte, so berichtet sie der SZ, war niederschmetternd: „Sie haben meiner Tochter gesagt, dass ich nicht mehr aufwachen werde.“ Die Tochter, die nicht im Siegerland wohnt, erwirkte eine Bestellung als „vorläufige Betreuerin“ bei Gericht – die Mutter war nicht handlungsfähig, und es gab einiges zu regeln. Zum Beispiel die Versorgung der Katzen.

ihm Hilchenbach/Siegen. Micky hat schneeweißes Fell, Tommy ist schwarz wie die Nacht. Inge Taphorn (79) schaut auf die Fotos der beiden Katzen und seufzt. „Wenn ich doch meine Katzen wieder hätte ...“ Ob und wann dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist völlig offen. Denn Micky und Tommy sind seit Monaten ein Fall für die Anwälte.

Es begann im Sommer 2018. Die Hilchenbacherin Inge Taphorn erlitt zwei Schlaganfälle, sie fiel ins Koma. Die Prognose der Ärzte, so berichtet sie der SZ, war niederschmetternd: „Sie haben meiner Tochter gesagt, dass ich nicht mehr aufwachen werde.“ Die Tochter, die nicht im Siegerland wohnt, erwirkte eine Bestellung als „vorläufige Betreuerin“ bei Gericht – die Mutter war nicht handlungsfähig, und es gab einiges zu regeln. Zum Beispiel die Versorgung der Katzen. Für die Familie war klar: Die Katzen müssen ein neues Zuhause finden, denn man musste bei der Mutter mit dem Schlimmsten rechnen.

Aus dem Koma erwacht

Per Abgabevertrag kamen die Katzen ins Tierheim nach Siegen – zur Vermittlung. Dann geschah das Wunder: Inge Taphorn erwachte aus dem Koma, erholte sich und konnte wieder nach Hause. Die Wohnung an der Rothenberger Straße kam der Rentnerin schrecklich leer vor: „17 Jahre habe ich meine Katzen hier gehabt, und dann waren sie weg.“ Inge Taphorn besuchte die beiden beim Tag der offenen Tür im Tierheim: „Gleich sind sie angekommen, als sie mich sahen.“

Wann genau sie sich entschlossen hat, Micky und Tommy wieder zu sich zu holen, geht aus den Akten nicht hervor. Die Angaben der Tierheimleitung und der Hilchenbacherin gehen hier auseinander. Fest steht: Inge Taphorn möchte ihre Katzen zurück. Aber das Tierheim gibt sie nicht heraus. Seitdem sind die Fellnasen ein Fall für die Juristen.

Kein guter Zustand 

Aus Sicht von Tobias Neumann, dem Leiter des Siegener Tierheims und Geschäftsführer des Tierschutzvereins, stellt sich die Angelegenheit so dar: Die beiden Katzen kamen – sozusagen als Notfall – ins Tierheim. Sie seien in keinem guten gesundheitlichen und pflegerischen Zustand gewesen, erinnert sich Neumann: „Die Zähne sanierungsbedürftig, sie hatten Ohrmilben und Übergewicht.“ Das Tierheim ließ Micky und Tommy ärztlich behandeln.

Dann liefen die Vermittlungsbemühungen an. Die beiden sind freundlich und verschmust, schnell fanden sich Interessenten. Als Inge Taphorn auf der Bildfläche erschien und die Tiere zurückhaben wollte, „haben wir die Vermittlung, die kurz vor dem Abschluss stand, sofort gestoppt. Wir mussten ja erst einmal die Rechtslage klären“, sagt Tobias Neumann.

Tierheim ist keine Pension

Und diese ist kompliziert. Ob die Betreuungsurkunde, die die Tochter vorgelegt hat, sich überhaupt auf die Katzen erstreckte, ist zum Beispiel fraglich. Möglicherweise ist der Abgabevertrag deshalb gar nicht rechtsgültig. In diesem Fall wären Micky und Tommy immer noch Eigentum von Inge Taphorn und hätten sozusagen ein gutes Jahr in Pension verbracht. Tobias Neumann;: „Wir sind aber keine Tierpension. Wir nehmen Tiere auf und vermitteln diese an neue Besitzer. Pflegetiere können wir nicht versorgen.“

Inge Taphorn reichte über ihren Anwalt Klage gegen den Tierschutzverein auf Herausgabe der Katzen ein. Der Verein rief seinerseits juristischen Beistand an. Und verlangte: Bevor Inge Taphorn ihre beiden Lieblinge wiederbekommt. soll sie die dem Tierheim entstandenen Kosten ersetzen – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Hilchenbacherin die Katzen wieder übernehmen wollte. Es ist von 6000 Euro die Rede. Im März erstellt das Tierheim eine detaillierte Rechnung: 4207,50 Euro. Alles wird genau aufgeschlüsselt: ein gutes halbes Jahr Unterbringung und Futter bei einem Tagessatz von 9 Euro je Tier, macht 3672 Euro, dazu 450 Euro für medizinische Untersuchung und Behandlung. Nicht zu vergessen: 85,50 Euro Mehrwertsteuer.

"Wie soll ich das zahlen?"

Diese Forderung treibt der Rentnerin die Zornesröte ins Gesicht: „Wie soll ich das denn zahlen? Das Geld habe ich nicht.“ Dass die Vermittlung an Fremde – die ja auch nicht die angefallenen Kosten ersetzen müssten – nach Ansicht des Tierheims besser sein soll als die Rückgabe an das ursprüngliche Frauchen, das versteht die 79-Jährige nicht.

Tobias Neumann hat auch hier eine andere Auffassung: „Wir halten eine Vermittlung im Sinne des Tierwohls für besser.“ Zum Beispiel könnten die Katzen in einem neuen Zuhause vermutlich Freigang bekommen: „Sie lieben es, bei uns im Freilauf zu liegen.“ An der Rothenberger Straße war ihr Lieblingsplatz der Balkon, aus der Wohnung kamen sie ansonsten nicht heraus.

„Was ist, wenn Frau Taphorn aus gesundheitlichen Gründen wieder ausfällt?“, gibt Tobias Neumann außerdem zu bedenken. Inge Taphorn hat sich darüber auch schon Gedanken gemacht. „Ich habe Leute, die sich kümmern, das ist kein Problem.“ Im vergangenen Jahr sei die Situation eine ganz andere gewesen: „Die Ärzte haben ja gesagt, ich sterbe. Da musste meine Tochter doch eine dauerhafte Lösung finden. “

Richter wird wohl entscheiden müssen

Tierheimleiter Tobias Neumann kann nachvollziehen, dass nicht jeder die Haltung des Tierschutzvereins versteht. Schließlich setzt dieser alles daran, Tiere in ein liebevolles Zuhause zu vermitteln, und ist froh, wenn jemand Tiere aufnehmen will. Dass Inge Taphorn Micky und Tommy vermisst und unter der Trennung leidet, steht auch für Neumann außer Frage. Ob aber für die beiden Samtpfoten die Rückkehr nach Hilchenbach die beste Lösung ist, bezweifelt der Tierheimchef. Nun wird der Fall wohl vor Gericht landen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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