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Familie flüchtete vor dem Schimmel
Feuchter Albtraum unbewohnbar

Heftiger Schimmelpilzbefall: Das Ordnungsamt nennt diese Wohnung unbewohnbar.
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js Dahlbruch. Klamm und stickig war die Luft, die den Besuchern am Mittwochnachmittag entgegenschlug, als sie die Wohnung der Familie Safarov betraten. „Ich weiß nicht, wie sie es so lange ausgehalten haben“, schüttelt Katrin Fey den Kopf. Die engagierte Flüchtlingshelferin und Integrationslotsin hatte gemeinsam mit ihrem Ehrenamtskollegen Dieter Wissenbach dafür gesorgt, dass dieser Ortstermin stattfinden würde. Nicht nur eine Vertreterin der Vermietungsgesellschaft, sondern auch Mitarbeiter des Hilchenbacher Ordnungsamts waren an diesem Tag nach Dahlbruch gekommen, um sich ein Bild zu machen von dem, was Jeyhun Safarov bereits seit Monaten angemahnt hatte. Feuchtigkeit und Schimmel haben in der Wohnung im Obergeschoss des Wohnblocks am Witschenberg das Regiment übernommen.

js Dahlbruch. Klamm und stickig war die Luft, die den Besuchern am Mittwochnachmittag entgegenschlug, als sie die Wohnung der Familie Safarov betraten. „Ich weiß nicht, wie sie es so lange ausgehalten haben“, schüttelt Katrin Fey den Kopf. Die engagierte Flüchtlingshelferin und Integrationslotsin hatte gemeinsam mit ihrem Ehrenamtskollegen Dieter Wissenbach dafür gesorgt, dass dieser Ortstermin stattfinden würde. Nicht nur eine Vertreterin der Vermietungsgesellschaft, sondern auch Mitarbeiter des Hilchenbacher Ordnungsamts waren an diesem Tag nach Dahlbruch gekommen, um sich ein Bild zu machen von dem, was Jeyhun Safarov bereits seit Monaten angemahnt hatte. Feuchtigkeit und Schimmel haben in der Wohnung im Obergeschoss des Wohnblocks am Witschenberg das Regiment übernommen.

Vor zwei Jahren, als die Safarovs die Wohnung übernahmen, sei noch alles in Ordnung gewesen. Das berichtet der Familienvater, der vor vier Jahren aus Aserbaidschan nach Deutschland flüchtete und hier anerkannter politischer Asylant ist. Im vergangenen Jahr erst habe es angefangen: Die Decken und Wände wurden feucht, Fensterscheiben beschlugen zunehmend mit Wasser. Schimmel machte sich sicht- und riechbar breit, verfärbte die Zimmerecken bedrohlich schwarz. Nach und nach waren Raum um Raum betroffen. Wohnzimmer, Küche, die beiden Kinderzimmer. „Im Schlafzimmer könnte man duschen, so sehr tropft es dort von der Decke“, beschreibt Integrationslotse Wissenbach die Situation drastisch.

Mehrfach habe er die Vermieter auf das wachsende Problem aufmerksam gemacht, sagt der 32-jährige Mieter. Er sei aber nicht ernst genommen worden. Stets habe man den Mietern selbst die Schuld gegeben. Mangelhaftes Lüftungsverhalten und trocknende Wäsche seien als Gründe genannt worden. Jeyhun Safarov winkt ab: Daran könne es nicht liegen, das Wasser dringe sichtbar vom Dach in die Wohnung. Auch von den Überständen über Laubengang und Balkon tropft es herunter. Gelüftet habe seine Familie durchaus, insbesondere in den vergangenen Wochen sei es ohnehin gar nicht anders erträglich gewesen. „Es stinkt ja viel zu sehr!“

Im Herbst habe er die Schäden mit Fotos dokumentiert und nach Düsseldorf geschickt. Dort sitzt die Immobiliengesellschaft Fairwalter, Eigentümerin des Wohnblocks und weiterer Wohnungen im Hilchenbacher Stadtgebiet. Zweimal seien Sachverständige geschickt worden, hätten sich den Zustand der Mieteinheit angesehen und mit Messgeräten die Wände untersucht. Einblicke in das Gutachten haben die Mieter nicht erhalten.

Vor einigen Tagen nun veröffentlichte der Vater zweier Söhne (zwölf und drei Jahre alt) und einer achtjährigen Tochter Bilder und Videos von den schimmelgeschwärzten Bereichen der Wohnung auf Facebook und brachte seine Verzweiflung zum Ausdruck, äußerte seine Sorge um die Gesundheit der Kleinen. Das rief Katrin Fey und Dieter Wissenbach auf den Plan. Sie statteten den Safarovs am Dienstag einen Besuch ab und waren erschüttert über das Bild, das sich ihnen in der Wohnung bot. Schnell sei klar gewesen: „Die Familie musste da raus.“ Dieter Wissenbach rief die zuständige Mitarbeiterin der Eigentümergesellschaft an und drängte sie zum kurzfristigen Ortstermin. Katrin Fey informierte das städtische Ordnungsamt, das Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein und den Sozialen Dienst.

Städtisches Ordnungsamt zog die Notbremse

Beim Zusammentreffen am Mittwoch ging es schließlich schnell zur Sache. Der Mitarbeiter der Ordnungsbehörde habe sofortiges Handeln veranlasst. Als „schwerwiegende Gefährdung“ bezeichnete Verwaltungssprecher Hans-Jürgen Klein die Situation, die der Kollege geschildert habe. Die Familie sei umgehend in einer freien städtischen Wohnung in Allenbach untergebracht worden, die als Reserve für mögliche Flüchtlingszuweisungen vorgehalten wird. Grundlage für das kommunale Machtwort sei das Wohnungsaufsichtsgesetz, erklärte Klein. Das bringe die Stadt dann zum Handeln, wenn der eigentlich „normale“ Weg zu keinem Ergebnis führe. „Eigentlich ist dies eine Sache zwischen Mieter und Vermieter.“ In diesem Ausnahmefall habe die Behörde aber reagieren müssen.

Zudem sei der Kreis informiert worden: „Unserem Gesundheitsamt wurden vor Ort gemachte Bilder eines ausgeprägten Schimmelpilzbefalls gezeigt.“ Der Kreis stimmte der Stadt zu, dass derzeit dort niemand mehr wohnen könne – schon gar keine Kinder, hieß es auf Anfrage. „Vorrangig war also das Angebot eines alternativen Wohnraums bis zur Sanierung der Wohnung.“ Das Ordnungsamt habe dem Kreis später mitgeteilt, „wegen des extremen Schimmelbefalls, aufgequollener Fußböden sowie unerträglicher Luftfeuchtigkeit die Wohnung für unbewohnbar erklärt zu haben und dass man die Wohnung geräumt“ habe.

Wie geht es nun weiter für die Safarovs, und was geschieht am Witschenberg? Die Firma Fairwalter hat sich am Freitag gegenüber der SZ noch nicht geäußert, vertröstete auf die kommende Woche. Die Familie hat einen Anwalt eingeschaltet und nun zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf – die Möbel aus der Wohnung kann sie nicht nutzen und wird nun auf die Suche nach einer neuen Bleibe gehen. Die Stadt selbst ist in dieser Hinsicht „raus“. Gerne werde die Familie unterstützt, die Suche nach einer Wohnung müsse sie, als anerkannte Asylanten, aber selbst übernehmen, so der Rathaussprecher. Auch bei der bisherigen Wohnung sei die Kommune nicht mit im Boot gewesen. Sie sei nun vorerst eingesprungen, um Obdachlosigkeit abzuwenden.

Weitere Wohnungen betroffen?

Die Stadt Hilchenbach hat am Wohnblock ebenfalls vier Wohnungen angemietet, zwei davon sind mit Flüchtlingsfamilien belegt. Vergleichbare Probleme wie die der Safarovs seien der Verwaltung dort nicht bekannt. Dieter Wissenbach hingegen kennt weitere Fälle von Schimmelbildung im Haus, berichtete von einer Frau, die regelmäßig die Fenster mit einem Handtuch trockenwischen müsse. In einer weiteren Dachgeschosswohnung hat er am Donnerstag nachgeschaut und fotografiert. Auch auf diesen Bildern wimmelt es von schwarze Schimmelflecken.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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