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Was tun die Schnattervögel in St. Augustinus Dahlbruch?
Gänse in gänzlicher Bedeutung

Das Kirchenfenster mit dem Heiligen Liudger in der kath. Kirche Dahlbruch. Zu seinen Füßen sitzen zwei Gänse!
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  • Das Kirchenfenster mit dem Heiligen Liudger in der kath. Kirche Dahlbruch. Zu seinen Füßen sitzen zwei Gänse!
  • Foto: Dr. Erwin Isenberg
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sz - Welche Verbindung besteht zwischen Dahlbruch, Keppel und den Zugvögeln?
sz Dahlbruch/Keppel. Seit Kurzem sieht man wieder scharenweise Wildgänse auf den Keppelwiesen rasten. Wenn der Verkehrslärm nicht so laut wäre, könnte man sie hinüber bis zur kath. Pfarrkirche in Dahlbruch schnattern hören. Auf einem der Kirchenfenster im „Keppeler Dom“, wie St. Augustinus Dahlbruch auch genannt wird, sind ebenfalls Wildgänse zu sehen. Hieße das, hier wie da, Zufall?
Wohl kaum. Auf den Stiftswiesen fand man früher keine Wildgänse, wie der Autor aus eigener Beobachtung weiß. Sollte ihr heutiges Vorkommen vielleicht ein Hinweis auf Klimaveränderungen mit der Folge eines veränderten Zugverhaltens sein?

sz - Welche Verbindung besteht zwischen Dahlbruch, Keppel und den Zugvögeln?
sz Dahlbruch/Keppel. Seit Kurzem sieht man wieder scharenweise Wildgänse auf den Keppelwiesen rasten. Wenn der Verkehrslärm nicht so laut wäre, könnte man sie hinüber bis zur kath. Pfarrkirche in Dahlbruch schnattern hören. Auf einem der Kirchenfenster im „Keppeler Dom“, wie St. Augustinus Dahlbruch auch genannt wird, sind ebenfalls Wildgänse zu sehen. Hieße das, hier wie da, Zufall?
Wohl kaum. Auf den Stiftswiesen fand man früher keine Wildgänse, wie der Autor aus eigener Beobachtung weiß. Sollte ihr heutiges Vorkommen vielleicht ein Hinweis auf Klimaveränderungen mit der Folge eines veränderten Zugverhaltens sein? Aber wenn es, wie in unserem Fall, um Gänse in der Kirche geht, muss es einen anderen Grund für ihre Darstellung in einem Fenster geben.

Ein Bischof mit Gänsen

Nein, die Bischofsfigur in dem zweithintersten Fenster auf der Nordseite des Kirchenschiffs zeigt nicht den heiligen Martin. Freilich, die Gänse, die man zu Füßen dieses Bischofs sieht, könnten jenen Martin von Tours im doppelten Sinn verraten, nämlich jetzt, als kennzeichnendes Bildattribut, wie auch damals, als er sich dem ihm angetragenen Bischofsamt entziehen wollte, sich in einem Gänsestall versteckte und von dem schnatternden Getier „verraten“ wurde. Das Bischofsamt harrte seiner …
Wie es sensible, aufgeregte Gänse halt so halten, schnattern sie schnell daher, sobald sie etwas gehört haben. Wenn erst mal eine Gans den Schnabel aufmacht, tun es ihr auch die anderen nach. Man ist also nicht gut beraten, sich in einem Gänsestall zu verstecken! Gänse als Warner sind legendär. Schon auf dem römischen Kapitol, im Jahr 387 v. Chr., warnten die heiligen Gänse im Juno-Heiligtum vor der Erstürmung der Stadt und „meldeten“ den nächtlichen Anzug der Gallier.
Nun sind in unserem Fall die Gänse vor Keppel gewiss nicht heilig. Aber ein Heiliger, zumal ein Bischof, wird schon im Fensterbild einer Kirche gemeint sein. Jene Kirche, die er auf seinem Arm trägt, weist den Gottesmann als Kirchengründer aus. Da käme der Heilige Liudger (oft Ludger genannt) in Frage. Auch er hatte der Legende nach mit Gänsen zu tun, allerdings in anderer Weise. Folgt man den Wunderberichten in der „Vita Liudgeri tertia“, so erfährt man, dass es um 800 nach Christus eine große Graugänseplage im Münsterland gab. Liudger soll diese zurückgedrängt haben. Damals herrschte außerdem eine große Dürre. Darum soll er die massenhaft eingefallenen Gänse veranlasst haben, so lange mit den Füßen zu scharren, bis sie auf Wasser stießen …

Liudger und die Gänse

Sind nur zwei Gänse, wie im vorliegenden Fall, zusammen mit Liudger abgebildet, so sagt man, dass sie die missionierten Sachsen und Friesen symbolisierten.
Was wissen wir sonst noch von dem Heiligen? Liudger wurde um 742 bei Utrecht geboren. Er war der Sohn christlicher Eltern und Mitglied eines angesehenen und weit verzweigten friesischen Adelsgeschlechts. Schon früh für eine geistliche Laufbahn bestimmt, finden wir Liudger zwischen 756 und 767 als Schüler an der Utrechter Domschule (Marienstift), weiß Wikipedia. Hier unterwies ihn der Missionar Gregor von Utrecht in den „sieben freien Künsten“. Zur Vervollständigung seiner Studien reiste Liudger 767 nach York zu Alkuin. Dort wurde er noch im selben Jahr zum Diakon geweiht. Von einem Aufenthalt in Utrecht (768/769) unterbrochen, hielt sich Liudger bis Mitte 772 in England auf. Konflikte zwischen Angeln und Friesen zwangen ihn zur Rückkehr ans Utrechter Martinsstift, das er erst nach dem Tod seines Lehrers Gregor († 775) wieder verließ.

Liudger und die Mission

Ein erster Missionsauftrag führte ihn nach Deventer, wo er über dem Grab des Friesenmissionars Lebuin († 773) die Kirche neu errichtete. 776 begann er mit der Friesenmission. Im friesischen Ostergau missionierte Liudger nach seiner Priesterweihe in Köln (7. Juli 777), nur unterbrochen von der Sachsenerhebung unter Widukind (784). Damals begab er sich auf Pilgerreise nach Rom und Montecassino. Nach seiner Rückkehr nach Friesland ernannte der Frankenkönig Karl der Große Liudger zum Missionsleiter für das mittlere Friesland. Der Sachsen- und Friesenaufstand von 792 war womöglich Anlass, dass Karl ihm die Missionsleitung im westlichen Sachsen übertrug. In der Folgezeit entstand um Münster und das dort 793 von Liudger gegründete Kanonikerstift ein Missionsbistum mit einem ausgedehnten Pfarrsystem. Er gründete auch das Kloster Werden an der unteren Ruhr. Um das Jahr 800 ließ er auf eigenem Grund und Boden die Anlage errichten.
Unterdessen ging die Ausgestaltung des zukünftigen Bistums Münster weiter. Liudger wurde am 30. März 805 vom Kölner Erzbischof Hildebold (787–818) zum ersten Bischof von Münster geweiht. Zugleich war damit das neue Bistum der Kölner Kirchenprovinz angegliedert.

Liudger und die Region

Der Einfluss des Kölner Erzstuhls gibt auch das Stichwort für das Patrozinium des Heiligen Liudger über die Kirche in Krombach. Damals, das heißt Mitte des 19. Jahrhunderts, gehörten die Katholiken in Krombach bereits zur „Missionspfarrei Keppel“. Heute ist die Filialgemeinde und vorübergehende Pfarrvikarie wieder in den Pastoralen Raum Nördliches Siegerland einbezogen. Daher gebührt Liudger ein Platz auch in St. Augustinus. Was nun das nördliche Siegerland betrifft, so konnten bereits im Mittelalter die Erzdiözese Köln und ihre Lehnsträger für lange Zeit herrschaftliche Rechte gegenüber den Grafen von Nassau behaupten. Ihr Einfluss deutete sich schon im 11. Jahrhundert an. In einer Urkunde, die nach den Regierungsjahren Erzbischofs Siegewin von Köln um 1079/1089 zu datieren ist, stifteten zwei Brüder, Gerungus und Heribertus, dem Kloster St. Maria und St. Heribertus in Deuz ihren Grundbesitz in verschiedenen Siegerländer Orten, unter anderem in Haldenghusen (Holdinghausen) und Mutzhena (Müsen).
1318 ist die älteste Nennung von Krombach im Mannbuch der Abtei Deutz zu entnehmen. Das älteste Krombacher Gotteshaus, eine spätromanische Hallenkirche, seit der Reformation von der ev. reformierten Kirchengemeinde genutzt, wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und war seit jeher dem Heiligen Liudger geweiht. Das Patrozinium von St. Ludger – neben der heiligen Hedwig – wurde von der 1951 erbauten katholischen Kirche in Krombach übernommen.
Dr. Erwin Isenberg

Autor:

Redaktion Kultur

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