Geistliche Musik des 18. Jahrhunderts

Hans Peter Fries und Martin Autschbach mit Liedern aus »Schemellis Gesangbuch 1736«

G.S. Allenbach. In einer Geistlichen Abendmusik mit Liedern aus Schemellis Gesangbuch und Orgelwerken von Johann Sebastian Bach am Sonntagabend in der Stiftskirche Keppel kündeten Hans Peter Fries (Bass) und Martin Autschbach (Orgel) mit ihrem Singen und Musizieren vom Anbruch der Ewigkeit Gottes mitten in dieser vergänglichen Welt und Zeit.

Im ersten Programmteil »Das Leben Jesu Christi«, von der Geburt bis zur Auferstehung und der Sendung des Heiligen Geistes, bestimmte das durch Raum- und Zeitkategorien durchstoßende, allumfassende eschatologische Lied das ergreifende Geschehen. Auch der zweite Teil »Das Leben eines Christen«, mit Morgen- und Abendliedern, Gesängen von Glauben, Zuversicht und Sehnen, von Liebe, Anbetung und Zufriedenheit war abgesichert durch den Auftrag der Heiligen Schrift: »Singet dem Herrn ein neues Lied«.

Die Verschiedenheit der Schemelli-Lieder erfordert einen Interpreten mit weitem Tonumfang, vom tiefen Bass bis über den gesamten Baritonbereich hinaus. Dazu erheischen die Liedertexte dieselbe Aufmerksamkeit wie die Musik. Diesen beiden Kriterien wurde Hans Peter Fries vollauf gerecht. Um das Nur-Aneinanderreihen bekannter Melodien zu umgehen, hatte er seine Vorträge nach übergreifenden Gesichtspunkten, wie oben schon erwähnt, zyklisch geordnet und sie dem geistlichen Rang entsprechend von der Orgel begleiten lassen. Selbstbewusstsein und Anpassungsfähigkeit bestimmten diesen Part, den Martin Autschbach ohne jede vorlaute Geste immer als integrierenden Bestandteil kenntlich machte.

Das reichhaltige Programm von 29 Liedern ließ vor allem deutlich werden, wie sehr Hans Peter Fries das Geheimnis der biblischen Worte erfassend, nachschaffend Musik und Liedtexte zu einer Einheit verband. Als elementare Höflichkeit gegenüber den Zuhörern artikulierte er absolut verständlich. Da aber das Lied eine musikalische Form ist, verstand es der Sänger mit der sauberen Artikulation, das Wort (und die Gedanken) aus dem Klang zu entbinden. Neben der einfühlsamen Liedbegleitung spielte Martin Autschbach jeweils zu Beginn der beiden Programmteile die Präludien und Fugen C-Dur, BWV 545, und c-Moll, BWV 546 – Letzteres mit dem Präludium, das Bach später mit höchster Meisterschaft zu einer großen Fantasie erweitert hat.

Zwischen den Liedgruppen erklangen die Choralvorspiele »Wenn wir in höchsten Nöten sein«, BWV 641, und »Liebster Jesu wir sind hier«, BWV 633. In allen diesen Bachwerken bewährte sich der Organist Autschbach mit jener behutsamen Simplizität, der es bei Stücken dieser Art der vollständigen Verschmelzung von Eingebung und Stilkenntnis bedarf. Nach ergriffenem Schweigen dankten die Zuhörer den Ausführenden mit verdientem Beifall.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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