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Drogerie Beier schließt zum Jahresende
Gepflegter Abschied steht bevor

Gehören seit Jahrzehnten zu den Gesichtern des Hilchenbacher Einzelhandels: Ulrike Beier (M.) und ihre treuen Mitarbeiterinnen Beate Franz (l.) und Dagmar Taplick. Am Silvestertag schließt die Drogerie am Marktplatz nach 115 Jahren.  Fotos: Jan Schäfer
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  • Gehören seit Jahrzehnten zu den Gesichtern des Hilchenbacher Einzelhandels: Ulrike Beier (M.) und ihre treuen Mitarbeiterinnen Beate Franz (l.) und Dagmar Taplick. Am Silvestertag schließt die Drogerie am Marktplatz nach 115 Jahren. Fotos: Jan Schäfer
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js Hilchenbach.  Nach lachen dürfte ihr nicht gerade zumute sein, wenn sie am 31. Dezember mittags den Schlüssel herumdreht, ein allerletztes Mal. „Es ist aber der richtige Zeitpunkt.“ Ulrike Beier ist entschlossen. Zum Jahresende verabschiedet sich die 66-Jährige in den wohlverdienten Ruhestand, schließt ihre Drogerie am Hilchenbacher Marktplatz und beendet damit ein 115 Jahre währendes Kapitel der städtischen Einzelhandelsgeschichte.

Vier Jahrzehnte ist der Name Beier inzwischen schon mit Drogeriewaren verbunden in Hilchenbach. So lange ist es bereits her, dass Ulrich Beier das Geschäft übernahm. Der 2008 verstorbene Mann der heutigen Inhaberin war gelernter Drogist: Er hatte seine Ausbildung bei der Konkurrenz gemacht;

js Hilchenbach.  Nach lachen dürfte ihr nicht gerade zumute sein, wenn sie am 31. Dezember mittags den Schlüssel herumdreht, ein allerletztes Mal. „Es ist aber der richtige Zeitpunkt.“ Ulrike Beier ist entschlossen. Zum Jahresende verabschiedet sich die 66-Jährige in den wohlverdienten Ruhestand, schließt ihre Drogerie am Hilchenbacher Marktplatz und beendet damit ein 115 Jahre währendes Kapitel der städtischen Einzelhandelsgeschichte.

Vier Jahrzehnte ist der Name Beier inzwischen schon mit Drogeriewaren verbunden in Hilchenbach. So lange ist es bereits her, dass Ulrich Beier das Geschäft übernahm. Der 2008 verstorbene Mann der heutigen Inhaberin war gelernter Drogist: Er hatte seine Ausbildung bei der Konkurrenz gemacht; mit der Drogerie Weidlich gab es seinerzeit ein weiteres inhabergeführtes Angebot in der Hilchenbacher Stadtmitte. 1979 übernahm der junge Geschäftsmann die Drogerie Scheib. Schon damals mit dabei war Beate Franz, die bei Heinrich Scheib ihre Ausbildung gemacht hatte, und die Silvester nach fast 50 Berufsjahren in Rente geht. Die fünf Jahrzehnte hätte sie zwar gern noch voll gemacht, sagt sie. Verständnis für den Schritt ihrer Chefin hat sie dennoch – so schwer ihr der Abschied auch fällt.

Dass der Countdown läuft am Markt Nummer 9, ist unverkennbar: Die Regale haben sich schon deutlich gelichtet, seit Wochen läuft der Ausverkauf. Prozentzeichen begrüßen die Kunden, Schnäpppchenpreise winken – mehr aber noch die letzte Gelegenheit auf ein Schwätzchen mit den Damen im Laden. Seit einem halben Jahr steht fest, dass 2019 das letzte sein würde für die Drogerie. Gefühlt höre sie bereits seit fünf Jahren auf, schmunzelt Ulrike Beier. Jetzt ist sie 66 und fühlt sich bereit für den Ruhestand, auch wenn dieser zugleich das Ende der Drogeriegeschichte bedeutet. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht, darum habe sie sich auch gar nicht erst bemüht. Zu hart sei das Brot des Selbstständigen heutzutage, gerade in dieser Branche sei es nicht leicht. „Unterm Strich muss schließlich eine schwarze Zahl stehen“, weiß die erfahrende Kauffrau, die in Hilchenbach schon viele Läden hat kommen und gehen sehen.

Im eigenen Ladenlokal habe sie ebenfalls Höhen und Tiefen durchgemacht, sowohl geschäftlich als auch privat. Auf gute Anfangsjahre – in denen der Laden rasch vergrößert und zeitweise auch um Filialen erweitert wurde – folgten schwierige, verbunden mit Veränderungen in der Branche. Die hatte es zwar auch schon gegeben, bevor die Beiers das Ruder übernahmen – in früheren Zeiten konnten die Kunden bei Scheibs u. a. auch ihre Autos tanken. Aber neue Konkurrenzsituationen und veränderte Vorschriften machten es immer wieder nötig, das Sortiment anzupassen, sich neu zu erfinden. Einige Produkte wurden apothekenpflichtig, fielen also raus. Weiterhin frei verkäufliche Arzneimittel, Geschenkartikel, Reformwaren, Pflegeprodukte, Düfte und Naturkosmetik gehörten fortan zum Angebot. Die Discounterkette Schlecker machte zeitweise mit gleich zwei Läden Druck, Beiers aber erschlossen sich neue Nischen, fanden andere Produktlinien – und überzeugten nicht zuletzt mit persönlicher Beratung und offenem Ohr für die Kundschaft.

Ulrich Beier bildete sich darüber hinaus zum Heilpraktiker weiter, seine Frau machte Fußpflege zu ihrem zweiten Standbein. Stets Verlass war in all den Jahren auf das kleine, treue Team im Laden. Nicht nur Beate Franz, die als junge Angestellte samt Inventar von den Beiers übernommen worden war, hat die Drogerie mit geprägt – auch Dagmar Taplick ist bereits seit 39 Jahren mit von der Partie. „Die beiden sind weit mehr als nur Kolleginnen, sie sind schon so etwas wie Familienmitglieder“, betont Ulrike Beier. Eine besondere Rolle spielte das, als ihr Mann Ulrich verstarb. „Ohne die Beate und Dagmar hätte ich das nicht geschafft!“

Dass Ulrike Beier ihre Drogerie im Jahr der Rossmann-Eröffnung im neuen Einkaufszentrum schließt, steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang. Die ersten Wochen habe sie zwar sehr zu spüren bekommen, räumt sie ein. „Ich dachte, dass ich schon im Sommer zumachen muss.“ Dann aber seien die Kundinnen wiedergekommen. „Aber der Kuchen wurde halt wieder einmal neu aufgeteilt.“

Was mit dem ab Januar ungenutzten Laden in bester Marktlage passieren wird, steht zurzeit noch in den Sternen. „Es wird kein Café“, raubt die 66-Jährige manche Illusion. Anfragen habe sie bereits bekommen, jetzt müsse sie sich aber erst einmal in Ruhe sortieren. Ihre Fußpflege bietet sie weiterhin an. Klar ist für Ulrike Beier auch, dass sie sich erst einmal mehr Zeit für ihre Hobbys nehmen wird, fürs Wandern und für Reisen etwa. Und natürlich für die drei Enkelkinder. Alles Weitere dürfte sich schnell finden. Langeweile jedenfalls wird nicht gepflegt. <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Jan Schäfer</chartag>

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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