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"Lützeler Heide": Erndtebrücker Firma bekundet Interesse
Gewerbefläche oder Magerwiesen?

Eine nur leicht geneigte, 5 Hektar große Fläche, direkt angrenzend an einen vorhandenen Betrieb und ausgewiesen als Gewerbegebiet – eigentlich ideale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum. Das sehen die Naturschützer allerdings anders.
  • Eine nur leicht geneigte, 5 Hektar große Fläche, direkt angrenzend an einen vorhandenen Betrieb und ausgewiesen als Gewerbegebiet – eigentlich ideale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum. Das sehen die Naturschützer allerdings anders.
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ihm Lützel. Da war die Hilchenbacher Stadtverwaltung ein wenig voreilig. Die Gewerbefläche Lützeler Heide – gleich neben der Eisenstraße talwärts gelegen – ist im noch gültigen Regionalplan als Fläche für gewerbliche und industrielle Nutzung ausgewiesen. In einem „Werkstattgespräch“ Anfang 2020 hat die Stadtverwaltung der Bezirksregierung aber mitgeteilt, dass keine Entwicklungsabsichten für dieses Gebiet mehr bestünden. Folge: Im neuen Regionalplanentwurf haben die Arnsberger flugs „allgemeinen Freiraum und Agrarbereich“ auf der Heide ausgewiesen.
AST am Areal interessiertNun rächt sich das womöglich, denn Entwicklungsabsichten gibt es inzwischen. Die Erndtebrücker Firma AST hat grundsätzliches Interesse bekundet.

ihm Lützel. Da war die Hilchenbacher Stadtverwaltung ein wenig voreilig. Die Gewerbefläche Lützeler Heide – gleich neben der Eisenstraße talwärts gelegen – ist im noch gültigen Regionalplan als Fläche für gewerbliche und industrielle Nutzung ausgewiesen. In einem „Werkstattgespräch“ Anfang 2020 hat die Stadtverwaltung der Bezirksregierung aber mitgeteilt, dass keine Entwicklungsabsichten für dieses Gebiet mehr bestünden. Folge: Im neuen Regionalplanentwurf haben die Arnsberger flugs „allgemeinen Freiraum und Agrarbereich“ auf der Heide ausgewiesen.

AST am Areal interessiert

Nun rächt sich das womöglich, denn Entwicklungsabsichten gibt es inzwischen. Die Erndtebrücker Firma AST hat grundsätzliches Interesse bekundet. Für den Kunststoffbetrieb könnte sich die Fläche als Erweiterungsreserve eignen. Gleich nebenan nämlich ist man zurzeit dabei, den Aufbau einer Kunststoffrecycling-Anlage vorzubereiten. Dafür hat AST Grundstück und Gebäude der Spedition Pickhan gekauft. Ein Antrag auf Nutzungsänderung läuft. Kaum wurde die Perspektive für die Lützeler Heide bekannt, gibt es bereits Gegenwind von Naturschutz-Seite. Die Naturschutzverbände Nabu und BUND Siegen-Wittgenstein haben sich an die Hilchenbacher Ratsfraktionen gewandt. Sie fordern eine Abkehr von den Plänen: „Der jetzt noch bestehende Freiraum an der Eisenstraße hat eine große landschaftsbildnerische Bedeutung, da das Gebiet nach Westen bis zum Rothaarkammabfall, südlich des Bahneinschnittes und östlich talwärts bis zum einmündenden Edertal weitgehend frei von großen technisch geprägten Strukturen ist. Gewerbehallen und Freilager, möglicherweise noch mit sichtbaren Halden von Kunststoffabfällen am Beginn der von vielen Erholungssuchenden beliebten Naturerlebnisregion Rothaarkamm wirken touristisch nicht sehr anziehend. Auch der in unmittelbarer Nähe vorbeiführende Wanderweg Rothaarsteig würde negativ beeinflusst.“

Wertvolle Magerwiesen

Um das Grundstück zu ebnen, seien große Hangaufschüttungen nötig. Die jetzt als Magerwiesen genutzten Flächen böten ein reiches Biotopspektrum, sie seien ein sehr beliebter Rastplatz für Zugvögel. Auch wenn die Freiflächen nicht unter Naturschutz stehen, befürchten die Naturschützer negative Auswirkungen auf Flora und Fauna. Während Nabu und BUND die Aufstellung des Bebauungsplans ablehnen, fordern die Grünen eine Verschiebung des Themas. Man müsse erst mehr Informationen haben, heißt es.
Nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung soll der Rat schon in der kommenden Woche die Planaufstellung beschließen. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens muss es eine Artenschutzprüfung und einen Umweltbericht geben. Weitere Gutachten wie Lärmprognosen oder eine Verträglichkeitsprüfung aufgrund der Nähe zu Fauna-Flora-Habitat oder Naturschutzgebieten können erforderlich werden.

Der Interessent setzt auf Nachhaltigkeit Die AST Kunststoffverarbeitung GmbH ist ein familiengeführtes Unternehmen und stellt seit 1977 geblasene Kunststoffverpackungen her. Schwerpunkt ist die Produktion von Kanistern und Fässern mit Gefahrgutzulassung für die chemische und die Lebensmittelindustrie. Neben dem Stammwerk in Erndtebrück gibt es Fertigungsstätten in Gemmingen bei Heilbronn, in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden. Insgesamt sind rund 400 Mitarbeiter bei AST beschäftigt. Vor wenigen Tagen gab die Firma bekannt, dass sie sich zusätzlich dem Thema Recycling widmen werde. Die Kunststoffe, die man für Kanister, Fässer und Flaschen braucht, will man selbst recyceln und aufbereiten. Dafür sollen in Lützel und in Großbritannien Recyclingbetriebe aufgebaut werden, wo Behälter gereinigt und wieder an den Kunden ausgeliefert werden. Verpackungen, die nicht gereinigt werden können, sollen zerkleinert und als Granulat soweit aufgearbeitet werden, bis aus diesem Material wieder ein neuer Rohstoff gewonnen wird. Der Erndtebrücker Standortleiter Henrik Zepp: „Bei der Anlagentechnik legen wir auf energetische und umweltschonende Technologien Wert.“ Da in Erndtebrück Erweiterungsmöglichkeiten fehlen, hat AST das Gelände der Spedition Pickhan in Lützel gekauft, die nach Schameder umsiedelt. Neben dem Lützeler Speditionsgelände, nur getrennt durch die Bahnlinie, liegt die Gewerbefläche, um deren Erschließung es nun geht. Die Stadt Hilchenbach hat dem Unternehmen signalisiert, dass dort eine Erweiterungsoption bestehe. „Auf dieser Grundlage haben wir unser generelles Interesse bekundet und um Prüfung gebeten, wie belastbar diese Option ist.“ Alternativen bei der Standortsuche gebe es natürlich immer. „Wir fühlen uns jedoch mit der Region Siegen-Wittgenstein sehr verbunden. Aus diesem Grund wäre eine heimische Option für uns immer die erste Wahl“, teilt das Unternehmen mit. Henrik Zepp bringt das Ziel der Firma für Lützel auf folgenden Nenner: „Wir wollen hier etwas Nachhaltiges entwickeln, und wir wollen in Lützel gute Nachbarn sein!“
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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