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Hallenbad Dahlbruch
Goldjubilar eine feste Größe im nördlichen Siegerland

Der Drei-Meter-Turm wurde in den Sommerferien frisch saniert.
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js Dahlbruch. Die Idee keimte 1964 auf – Dahlbruch könnte ein Hallenbad vertragen. Bis ersten Worten Taten folgten, musste zwar noch einige Zeit ins Land gehen, die Geduld, die der Kulturelle Marktplatz auf dem Weg zur Realisierung abverlangt, war aber keinesfalls nötig. Drei Jahre später, am 16. Februar 1967, stimmte der Rat der Gemeinde Dahlbruch für den Bau.
Grundsteinlegung erfolgte  1968Grundsteinlegung für das dritte Hallenbad im Kreisgebiet war im Jahr darauf, am 22. Februar 1968, Richtfest wurde am 6. Dezember 1968, Eröffnung am 25. Oktober 1969 gefeiert, als Dahlbruch bereits frisch gebackener Stadtteil von Hilchenbach war.

js Dahlbruch. Die Idee keimte 1964 auf – Dahlbruch könnte ein Hallenbad vertragen. Bis ersten Worten Taten folgten, musste zwar noch einige Zeit ins Land gehen, die Geduld, die der Kulturelle Marktplatz auf dem Weg zur Realisierung abverlangt, war aber keinesfalls nötig. Drei Jahre später, am 16. Februar 1967, stimmte der Rat der Gemeinde Dahlbruch für den Bau.

Grundsteinlegung erfolgte  1968

Grundsteinlegung für das dritte Hallenbad im Kreisgebiet war im Jahr darauf, am 22. Februar 1968, Richtfest wurde am 6. Dezember 1968, Eröffnung am 25. Oktober 1969 gefeiert, als Dahlbruch bereits frisch gebackener Stadtteil von Hilchenbach war. Bis heute erinnert im Hallenbad eine Tafel mit der Aufschrift „Schwimmhalle Dahlbruch – das letzte Großbauwerk der selbstständigen Gemeinde Dahlbruch“ an die Entstehungsgeschichte. Zur Eröffnungsfeier wurden neben den lokalen leitenden Verwaltungsbeamten und den Vorsitzenden der Sportvereine auch Schulleiter, Landrat und die Vorsitzenden der Kreis- und Landessportverbandes eingeladen. Bereits am Folgetag wurde es sportlich, fanden die Westdeutschen Meisterschaften im schwimmerischen Fünf- und Jahnkampf im neuen Hallenbad statt.

Auf 74 Pfählen errichtet

Das Gebäude der Schwimmhalle wurde aufgrund der Bodenbeschaffenheiten auf 74 Pfählen errichtet, die 13 Meter tief im Erdreich versenkt wurden. Ursprünglich wurden 1,4 Mill. DM für den Bau veranschlagt, doch nicht zuletzt aufgrund der komplizierten „Pfählung“, einer Überschwemmungskatastrophe während der Bauphase und dem Entschluss, das Schwimmbecken statt in einer Größe von 8 x 25 m in der endgültigen Größe von 10 x 25 m zu bauen, beliefen sich die Kosten nach Fertigstellung auf 2,6 Mill. DM. Zusätzlich zur reinen Errichtung des Hallenbades kamen noch die Gaststätte mit einer Kegelbahn (die seit einigen Jahren geschlossenen „Rothaarstuben“), der Saunabereich und der Umbau der Turnhalle hinzu. Die Kosten dafür waren bereits in den 2,6 Mill. DM enthalten – dennoch eine gewaltige Summe für die kleine Gemeinde Dahlbruch. Schon von Beginn des Badbetriebs an bot man neben einfachen Eintrittskarten auch vergünstigte Zehner- und Dauerkarten an, um Vielschwimmer und vor allem Familien den häufigen Besuch des Hallenbades zu ermöglichen. Zudem nutzten sieben Hilchenbacher und Kreuztaler Schulen, insgesamt 28 Klassen, das Hallenbad für den Schwimmunterricht. Auch der Vereins- und Behindertensport sollte über Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart hinein eine wichtige Rolle spielen. Die Schwimmmeister aus dem Freibädern Müsen, Allenbach und Hilchenbach wurden im Winter im Dahlbrucher Hallenbad eingesetzt, um in allen Bädern und zu jeder Zeit Fachpersonal vor Ort zu haben. Auch heute noch bleibt das Hallenbad in den Sommerferien geschlossen, meist wird die Zeit für Wartungsarbeiten genutzt.

1970: erste Mängel

Erste Mängel aus der Bauphase traten 1970 zutage, als Fliesen im Becken abfielen. Das Wasser musste abgelassen werden, das Bad brauchte eine erste kostenintensive Sanierung. Wasserknappheit und eine damit verbundene Notstandsverordnung sorgten nur ein Jahr später, im September 1971, dafür, dass das Hallenbad bis in den November hinein geschlossen bleiben musste. 1981 kam abermals eine große Zahl ins Spiel, diesmal eine positive: Der millionste Badegast wurde begrüßt.

Proteste gegen Schließungsabsicht

Dennoch beschloss man im Dezember 1982 wegen immens hoher Kosten die Schließung des Hallenbades. Massive Proteste aus der Bevölkerung und den Vereinen führten jedoch dazu, dass man das Hallenbad schließlich auch nach der Sommersaison 1983 wieder in Betrieb nahm. Die Stadt versuchte, durch Anpassung der Öffnungszeiten und weiterer Angebote kosteneffizienter zu arbeiten. Auch in den Folgejahren steigerte das Bad seine Attraktivität mit immer neuen Ideen, etwa mit Spielenachmittagen, an denen Kinder Wassermatratzen und Wasserbälle mitbringen durften. 1990 wurden schließlich eigene Spielgeräte, wie „Rennboote, Badeflöße, Laufmatte und Frösche“ für die Spielenachmittage angeschafft, 1997 folgte ein großer aufblasbarer Oktopus. Auch mit einer Schwimmdisco lockte das Bad in den Neunzigern mehrfach. 1999 wurden das Becken und die Technik des Hallenbads nach drei Jahrzehnten Betrieb für fast 1 Mill. DM aufwendig saniert, das Becken bekam eine zeitgemäße Überlaufrinne, sodass die Wasseroberfläche auf die Ebene der Einfassung gebracht wurde. Mit seiner Zustimmung zu dieser sechsmonatigen Sanierung hatte der Rat eindeutig Stellung gegen eine drohende Schließung des Hallenbads bezogen. Nicht zuletzt der Umstand, dass man sich Mitte der 1980er gegen den Umbau in ein Erlebnisbad entschieden hatte, führte dazu, das kostengünstigere „Hallenbad von der Stange“ weiter betreiben zu können.

Unrühmliche "Bäderaffaire"

„Grundsätzlich ist der Bäderbetrieb für Kommunen immer mit einem enormen Kostenaufwand verbunden und kann nie kostendeckend arbeiten“, berichtet Stadtarchivarin Verena Hof-Freudenberg. „Dies zeigt sich auch heute immer wieder, wenn Bäder geschlossen werden müssen und insbesondere Kinder darunter leiden, in der Schule nicht mehr schwimmen lernen zu können. Dieser Umstand führte in den Sommern oft zu tödliche Schwimmunfällen. Dass sich der Sanierungsaufwand schließlich lohnte, zeigte sich bereits im Jahr 2000 mit einem Besucherzuwachs von 22 Prozent.“  Als unrühmliches Kapitel ging die „Bäderaffäre“ in die Annalen ein, die 2003 zur Entlassung von zwei Betriebsleitern und zu polizeilichen Ermittlungen führte. Die beiden Schwimmmeister hatten über Jahre angebliche Überstunden dokumentiert, die nie geleistet wurden. Zudem wurden zahlreiche Gerätschaften und Produkte über das Bad und somit auf Kosten der Stadt angeschafft, die ausschließlich für den Privatgebrauch gedacht waren. Es folgten Kündigungen, polizeiliche Ermittlungen, eine politische sowie eine juristische Aufarbeitung der Affäre.

Lenne-Therme neue Betreiberin

Als sich der Sturm gelegt hatte, vollzog die Stadt einen Schritt, zu dem sie schon seit längerer Zeit angesetzt hatte: Seit Mitte der 1980er hatte sie bereits nach einem privaten Partner Ausschau gehalten, seinerzeit noch mit der Vorstellung, ein „Badeparadies unter Palmen“ zu schaffen. Daraus wurde nichts. 2004 nahm die Verwaltung der Stadt Hilchenbach erste Gespräche mit dem Betreiber der Meggener Lenne-Therme wegen Verpachtungsplänen an das privatwirtschaftliche Unternehmen auf – mit Erfolg. Die Verträge wurden gemacht, und bis heute betreibt das Unternehmen neben vier weiteren kommunalen Bädern in der Region das Dahlbrucher Hallenbad, der Pachtvertrag wurde erst vor wenigen Tagen um weitere fünf Jahre verlängert. Aus Sicht der Stadt Hilchenbach war es die richtige Entscheidung, damals einen Partner für das Bad zu suchen, sagt Kämmerer Udo Hoffmann. Es sei nicht möglich gewesen, den Badbetrieb aus eigenen Kräften im selben Umfang zu meistern, die Ausgaben – insbesondere wegen des benötigten Fachpersonals – wären sonst höher ausgefallen. Ein Zuschussgeschäft bleibt das Bad dennoch: Etwa eine halbe Million Euro groß ist das jährliche Defizit, das aus dem Stadtsäckel bezahlt werden muss. Enthalten sind darin aber auch die Kosten für das Schulschwimmen.

Schul- und Vereinsschwimmen

Es sei sehr viel passiert seit der Übernahme, erklärt Ralf Wortmann aus Sicht der Lenne-Therme. „Das, was die Kunden merken ist, dass das Angebot deutlich verbessert wurde.“ Zu nennen sind Aquafitness- und Kinderschwimmkurse. „Außerdem ist es uns gelungen, die Auslastung des Bades durch Schul- und Vereinsschwimmen erheblich zu verbessern. So nutzen neben den Hilchenbacher Schulen auch Schulen der Stadt Kreuztal, des Stifts Keppel und die b-school das Bad.“ Insgesamt sei das Bad an 79 Stunden pro Woche geöffnet, davon sind 42 Stunden öffentlicher Schwimmbetrieb und 37 Stunden Schul- und Vereinsschwimmen. In Gebäude und Technik seien seit 2004 rund 680 000 Euro investiert worden, um das Bad dauerhaft zu erhalten und auch für die Kunden attraktiv zu machen. „Darin enthalten sind auch die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik und die Neuverfliesung der Duschen und Umkleidebereiche.“ Das Bad befinde sich heute in einem technisch guten Zustand, der einen Betrieb für weitere Jahre sichere. „Voraussetzung sind jedoch zukünftig weitere Investitionen in die Technik, um die bädertechnischen Anlagen zuverlässig betreiben zu können.“ Über eine mögliche Erweiterung von Gebäude und Angebot verhandelt Lenne-Therme derzeit mit der Stadt Hilchenbach – geplant sind ein Fitnessstudio und ein Saunabereich.

Viele Stammgäste

Stammgäste hat das Bad viele. Familien, sportliche und gemütliche Schwimmer, Aqua-Jogger und zahlreiche Senioren kommen immer wieder gern. Besonders treue Gäste sind die Sportler der Schwimmgemeinschaft (SG) Wellenbrecher. Ende der 90er gingen diese aus dem TuS Hilchenbach hervor, als der Verein seine Schwimmabteilung aus finanziellen Gründen nicht weiterführen konnte. 1998 ging es dann unter neuem Namen weiter, wie Gründungsmitglied und Chef-Wellenbrecher Jan Strackbein der SZ erläuterte. „TuS Dahlbruch und TV Allenbach haben uns damals aufgenommen. Wir sind mit wenigen Mitgliedern gestartet und haben heute fast 200 in der Abteilung allein.“ Die SG Wellenbrecher bieten vom Kinderschwimmen bis zum Sport-/Leistungsschwimmen alles an, an vier Tagen in der Woche, mit rund 15 ehrenamtlichen Trainern. Die Wellenbrecher erfreuen sich übrigens immer noch eines Mitgliederwachstums – davon können viele andere Vereine nur träumen. Jan Strackbein ist Stadt und Betreiber dankbar, „dass wir die Stunden weiter im Bad haben können und die Schwimmabteilung wachsen lassen können“. Eine Feier zum 50-Jährigen steht nicht an, auch am Jubiläumsfreitag öffnet der Pool als „Familienbad“ und lädt zum Planschen und Bahnenziehen ein. Das Dahlbrucher Hallenbad bleibt sich damit treu. Ganz unaufgeregt.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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