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Patienten bleiben aus Furcht vor Corona lieber daheim
Große Angst vorm Arztbesuch

Komplett leer ist das Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis Marcus Fey und Monika Rutsch zwar selten, dennoch verzeichnet auch die Einrichtung in Hilchenbach während der Corona-Krise einen deutlichen Rückgang der Patientenzahlen. Viele Menschen haben offenbar die – unbegründete und irrationale – Sorge, sich mit dem Virus infizieren zu können, viele Termine werden abgesagt. Teilweise suchen Erkrankte oder Verletzte sogar in Notfällen keinen Mediziner auf.
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  • Komplett leer ist das Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis Marcus Fey und Monika Rutsch zwar selten, dennoch verzeichnet auch die Einrichtung in Hilchenbach während der Corona-Krise einen deutlichen Rückgang der Patientenzahlen. Viele Menschen haben offenbar die – unbegründete und irrationale – Sorge, sich mit dem Virus infizieren zu können, viele Termine werden abgesagt. Teilweise suchen Erkrankte oder Verletzte sogar in Notfällen keinen Mediziner auf.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Hilchenbach/Siegen. Marcus Fey gerät plötzlich ziemlich in Eile. Mundschutz trägt der Facharzt für Allgemeinmedizin in seiner Hilchenbacher Gemeinschaftspraxis, die er zusammen mit Monika Rutsch betreibt, ohnehin permanent, ebenso Handschuhe. Jetzt kommt ein blauer Kittel hinzu, bevor er die Räumlichkeiten an der Rothenberger Straße zügigen Schrittes verlässt. Wenige Minuten später ist Marcus Fey zurück: „So, erledigt.“ Er habe draußen bei einem potenziellen Corona-Patienten den Abstrich genommen: „Das machen wir generell außerhalb der Praxis.“ Die strikte räumliche und zeitliche Trennung von potenziell infektiösen und „normalen“ Patienten ist nur eine der vielen Maßnahmen, die die Einrichtungen in der heimischen Region treffen.

cs Hilchenbach/Siegen. Marcus Fey gerät plötzlich ziemlich in Eile. Mundschutz trägt der Facharzt für Allgemeinmedizin in seiner Hilchenbacher Gemeinschaftspraxis, die er zusammen mit Monika Rutsch betreibt, ohnehin permanent, ebenso Handschuhe. Jetzt kommt ein blauer Kittel hinzu, bevor er die Räumlichkeiten an der Rothenberger Straße zügigen Schrittes verlässt. Wenige Minuten später ist Marcus Fey zurück: „So, erledigt.“ Er habe draußen bei einem potenziellen Corona-Patienten den Abstrich genommen: „Das machen wir generell außerhalb der Praxis.“ Die strikte räumliche und zeitliche Trennung von potenziell infektiösen und „normalen“ Patienten ist nur eine der vielen Maßnahmen, die die Einrichtungen in der heimischen Region treffen. Und dennoch berichten Praxen und Krankenhäuser von einem besorgniserregenden Trend.

So sieht Marcus Fey aus, wenn er bei einem "Corona-Kandidaten" den Abstrich nimmt. Dies wird stets auf dem Parkplatz vor der Praxis erledigt.
  • So sieht Marcus Fey aus, wenn er bei einem "Corona-Kandidaten" den Abstrich nimmt. Dies wird stets auf dem Parkplatz vor der Praxis erledigt.
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Patienten bleiben teilweise selbst in Notfällen lieber zuhause

Aus Furcht, sich in den Einrichtungen Corona „einfangen“ zu können, sagen die Menschen immer öfter ihre lange geplanten Untersuchungen ab – und bleiben teilweise sogar in Notfällen lieber daheim. Die Einrichtungen im Siegerland weisen nun in aller Deutlichkeit darauf hin, dass der Besuch bei „Onkel Doktor“ mit keinerlei erhöhten Risiken verbunden ist.
Konkrete Zahlen, die die abnehmenden Patientenzahlen verdeutlichen könnten, lägen derzeit noch nicht vor, erklärt auf Anfrage die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Die braucht es jedoch auch nicht – die Beobachtungen der heimischen Mediziner sind eindeutig. Auf 50 bis 75 Prozent beziffert Marcus Fey den Rückgang der Untersuchungen; von Kollegen aus anderen Kommunen habe er ähnliche Angaben vernommen. Dies sei ein „ganz, ganz klarer Effekt“ der Corona-Krise. Ob Check-ups, Untersuchungen für Diabetiker oder bei Bluthochdruck – viele Patienten verschieben ihre Termine.
Meist mit dem Gedanken, die weitere Entwicklung rund um Covid-19 erst einmal abzuwarten. „Mittlerweile ist aber klar: Das wird noch Monate andauern“, stellt Marcus Fey klar.

Infektions-Risiko im Supermarkt höher als in der Praxis

Zu Beginn der Pandemie, deren Verlauf niemand abschätzen konnte, ging es darum, das System nicht zu überfordern – inzwischen hat sich vieles eingespielt. Marcus Fey sagt in aller Deutlichkeit: „Das Risiko, sich anzustecken, ist hier im Rewe höher als in unserer Praxis.“

In der Praxis werden selbstverständlich alle Schutz- und Hygienemaßnahmen eingehalten.

Kollegin Monika Rutsch stößt ins gleiche Horn. Viele Patienten versuchten zunächst offenbar, ihre Krankheiten auszusitzen. Einen ganz „krassen“ Fall habe es in Hilchenbach zwar bislang nicht gegeben, „aber viele kommen erst, wenn es gar nicht mehr anders geht – zwei, drei Tage früher wären da oft besser gewesen“, führt die Allgemeinmedizinerin aus und ist sich sicher: „Im normalen Praxisbetrieb ist es eigentlich nicht möglich, sich anzustecken.“ Die Wartezone habe man aufgeteilt, die Abstandsregeln würden strikt eingehalten, das gesamte Team trage Mundschutz und Handschuhe. Stichwort Mundschutz: Auch von den Patienten wird erwartet, dass sie sich beim Besuch der Praxis an der Rothenberger Straße Nase und Mund bedecken. Monika Rutsch: „Das ist auf jeden Fall sinnvoll“, es gehe schließlich auch darum, andere zu schützen.
Die Gemeinschaftspraxis selbst rechnet über das Jahr gesehen übrigens ebenfalls mit Einnahmeneinbußen im fünfstelligen Bereich. Marcus Fey: „Es geht uns aber besser als vielen anderen Menschen, da wollen wir uns nicht beschweren.“

Siegener Kliniken melden zurückgehende Patientenzahlen

Die Siegener Krankenhäuser bestätigen die Entwicklung zurückgehender Patientenzahlen. „Wir beobachten mit wachsender Sorge, dass Patienten bemüht sind, auch notwendige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden oder herauszuzögern“, gibt etwa die Pressestelle des St.-Marien-Krankenhauses zu Protokoll. Das könne gerade bei Krebs- und Herzerkrankungen zu unkalkulierbaren Risiken führen. In „vertretbarem Maß“ sei man inzwischen dazu übergegangen, planbare Operationen wieder durchzuführen. Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling spricht ebenfalls von einem „deutlich reduzierten“ Patientenaufkommen.
Und das Kreisklinikum konstatiert einen Rückgang der Zahlen in der Notaufnahme. Die Herzinfarkt- und Schlaganfallzahlen seien deutlich niedriger, wobei die Zahl der schweren Schlaganfälle nicht abgenommen habe. Seltener kämen zurzeit Patienten mit leichteren Schlaganfällen, obwohl die Gefahr eines wiederholten Schlaganfalls bzw. einer Verschlechterung gerade in der Frühphase extrem hoch sei.
Die Schlaganfallversorgung auf der Spezialstation laufe unverändert weiter, „auch die Herzinfarkt-Versorgung in dem Linksherzkatheter-Messplatz unserer Kardiologie ist rund um die Uhr gesichert und versorgt nach wie vor Patienten“.

Konsequente Einhaltung aller Schutzmaßnahmen

Die Kliniken betonen, dass alle Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Ärzte und Personal tun alles, um die Patienten so gut es geht zu schützen – nun ist die Vernunft eines jeden Einzelnen gefragt, irrationale Sorgen zur Seite zu schieben.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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