Realschulrektorin Renate Setzer verabschiedet
Gründerin reicht ihre "kleine Firma" weiter

Mit einer Feierstunde in der Schulaula wurde Renate Setzer in den Ruhestand verabschiedet. Ihr Nachfolger, Joachim Steinebach, stellte sich bei dieser Gelegenheit vor.
  • Mit einer Feierstunde in der Schulaula wurde Renate Setzer in den Ruhestand verabschiedet. Ihr Nachfolger, Joachim Steinebach, stellte sich bei dieser Gelegenheit vor.
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js Hilchenbach. „Der Status der Nicht-Verantwortung fühlt sich schrecklich an“, zitierte Lydia Schnitger, Dezernentin der Bezirksregierung Arnsberg, das letzte Telefonat mit der Frau, deren Abschied in den Ruhesstand am Dienstag mit geladenen Gästen in Hilchenbach gefeiert wurde – und von allen anderen, nur nicht von ihr selbst, organisiert und gestaltet worden war. Renate Setzer solle sich ruhig schon einmal an dieses Gefühl gewöhnen, riet Schnitger. In den „unendlichen Sommerferien“, die der angehenden Pensionärin bevorstehen, werde die „Powerfrau“ jede Menge Verantwortung los sein.

Schule vor 16 Jahren aufgebaut

16 Jahre lang hat Renate Setzer die Hilchenbacher Realschule nicht nur geleitet; sie gehörte auch zu den ersten drei Lehrern, die das neue Angebot auf dem Hilchenbacher Schulhügel überhaupt erst ans Laufen bringen mussten. 1358 Schüler hat sie in dieser Zeit begleitet. „Jeder einzelne lag dir am Herzen“, attestierte Konrektor Johannes Stracke. „Es war dir immer ein Anliegen, ein Wir-Gefühl zu entwickeln.“

Spagat zwischen Familie und Beruf

Dass die 63-Jährige eines Tages eine Schule leiten würde, hatte sie in ihrer Lebensplanung eigentlich nicht vorgesehen. Nach dem Studium an der Uni Siegen in den Fächern Englisch und ev. Religion arbeitete sie bereits stundenweise an einem Siegener Gymnasium, bevor sie ihr Referendariat antrat. Daneben jobbte sie als Musiklehrerin, gab Unterricht in Block- und Querflöte. Der Spagat zwischen Familie und Beruf sei Renate Setzer gelungen, zeigte sich Lydia Schnitger beeindruckt. Als junge Mutter absolvierte Renate Setzer ihr Referendariat in Siegen, mit Ehemann Wolfgang (früher Lehrer in Stift Keppel) und den Kindern zog sie 1986 nach Hilchenbach. Lehrerstellen waren damals rar, die Pädagogin arbeitete daher weiterhin als Musikschullehrerin im nördlichen Siegerland, stieg als Englisch-Dozentin bei der VHS ein. Erst Mitte der 1990er wurde sie Lehrerin an der Hauptschule in Kirchhundem, von wo aus sie ein Jahrzehnt später der Ruf nach Hilchenbach ereilte.

"Vollblutschulleiterin"

2003 wurde die zwei Jahre später nach Carl Kraemer benannte Realschule unter Renate Setzers Federführung gegründet, damals noch unter einem Dach mit der auslaufenden Hauptschule. Der Umzug ins Nachbargebäude, ehemals Jung-Stilling-Gymnasium, erfolgte 2008 – ein Jahr, bevor der erste Jahrgang Schüler entlassen wurde. Die „Vollblutschulleiterin“ habe sich völlig mit ihrer Schule identifiziert, sie „wie ihre eigene kleine Firma“ geleitet. Sie könne stolz auf das Geschaffene sein, betonte auch das Kollegium. Renate Setzer hinterlasse ein gut bestelltes Feld. 

Im Namen der Stadt als Schulträgerin dankte Bürgermeister Holger Menzel der scheidenden Rektorin für ihre „hervorragende berufliche Leistung“. Im Namen der Realschulleiterkollegen im Kreis Siegen-Wittgenstein hob Manfred Müller hervor, es sei wesentlich Renate Setzers Initiative zu verdanken, dass der Gesetzgeber Hauptschulbildungsgänge an Realschulen eingeführt habe – die Hilchenbacher war 2015 eine der ersten Schulen im Land, die ein solches Angebot einführte.
Auch um die die christliche Tradition hat sich Renate Setzer verdient gemacht: Sie habe Schule und Kirche immer in sich einander ergänzender Verantwortung gesehen, sagte Rüdiger Schnurr, Pfarrer im Ruhestand, zugleich Freund der Familie und Schwiegervater der Tochter.

Abschied in Dankbarkeit

Dankbar verlasse sie die Carl-Kraemer-Realschule, versicherte Renate Setzer in ihren Schlussworten. Die vergangenen 16 Jahre seien eine sehr bewegte Zeit gewesen – und beileibe nicht immer einfach. Respekt zollte sie den Eltern, die seinerzeit ihren Willen durchgesetzt hätten, um eine Schule der gesellschaftlichen Mitte zu schaffen. „Kritisch begleitet von der schulischen Nachbarschaft“ sei die Realschule an den Start gegangen und habe seither grundlegende Veränderungen in der Schullandschaft erlebt, sich Herausforderungen wie Inklusion, Integration und einer immer heterogeneren Schülerschaft gestellt. „Ich bin sehr stolz auf das Kollegium“, betonte Renate Setzer. Mitunter seien dicke Bretter zu bohren gewesen.
Heute halte Hilchenbach mit der CKR und dem Gymnasium Stift Keppel zwei wichtige und gute Schulen vor. Sorge bereite ihr „der gesellschaftliche Trend zum höchsten Schulabschluss“, der der Realschule Probleme bereite. Sie hoffe, dass eine Profilschärfung der Schulform ihr wieder mehr Gewicht verleihe. „Berufliche und akademische Ausbildung müssen in der Gesellschaft als gleichwertig angesehen werden!“

Neuer Leiter: Joachim Steinebach

Zuversichtlich schaue sie in die Zukunft, erklärte die dreifache Mutter und fünffache Großmutter, die sich privat insbesondere auf mehr Zeit mit ihrer Familie freut. Dienstlich ist sie erleichtert, kein leeres Schulleitungsbüro hinterlassen zu müssen. Ihr Nachfolger steht parat: Joachim Steinebach, derzeit Leiter der in zwei Jahren auslaufenden Realschule des Freien Grunds in Neunkirchen, wechselt zum Sommer ins nördliche Siegerland.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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