Güttler, Virtuosi, Dresden und die Musik

Ludwig Güttler, bereits zum sechsten Mal im Siegerland zu Gast, und die Virtuosi Saxoniae, die zum ersten Mal hier auftraten, begeisterten die Besucher in der ev. Kirche Hilchenbach mit einem wunderschönen Konzert.  Foto: gmz
  • Ludwig Güttler, bereits zum sechsten Mal im Siegerland zu Gast, und die Virtuosi Saxoniae, die zum ersten Mal hier auftraten, begeisterten die Besucher in der ev. Kirche Hilchenbach mit einem wunderschönen Konzert. Foto: gmz
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gmz Hilchenbach. Ein glasklarer, durchsichtiger, dabei kraftvoller und geschmeidiger, geradezu „silberner“ Klang, dazu spannend aufeinander bezogene Motive von packender Strahlkraft, filigran entwickelt, ein schönes, weit gespanntes Largo, ein beschwingtes Menuetto (das auch den eigentlich sehr sparsam, äußerst aufmerksam dirigierenden Ludwig Güttler sichtlich „beschwingte“) und ein dichtes Finale: Joseph Haydns Sinfonie Nr. 86 D-Dur war am Donnerstagabend beim Konzert der Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Prof. Ludwig Güttler der abschließende Höhepunkte eines Konzertes, das eindrucksvoll bewies, dass der Dresdner Streicher- und Bläserklang (immer noch) etwas Besonderes und Unverwechselbares ist.

In der Reihe „Meisterliche Kammermusik“ traten die weltbekannten Musiker in der (trotz des eisigen Wetters) gut besuchten Hilchenbacher Kirche auf und stellten ein stimmig aufgebautes, barock-klassisches Programm vor, das einen Bogen spannte von Fasch über Mozart, Händel und Telemann zu Haydn. Mit einer Besonderheit: Im Zentrum des ersten Konzertteils stand nämlich, als Hommage an Fritz Busch, den großen, aus dem Siegerland stammenden Dirigenten, zu seinem 120. Geburtstag am 13. März, eine Komposition, die sein Bruder Adolf, Geiger und Komponist, Fritz Busch vielleicht zu seinem 35. Geburtstag im Jahr 1925 gewidmet hat.

Das Divertimento op. 30 für 13 Soloinstrumente ist ein Stück von expressiver Kraft, das von dem ebenso knapp deskriptiven wie witzigen Dialog der exzellenten Solisten (fast alle Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden) lebt, von der Variation der schönen, liedhaften Melodie, vom Wechsel von romantischer Sehnsucht zu fast burlesker Lebensfreude zu dramatischem Drängen und klassischem Reflektieren, das vom Spiel mit musikalischen Ausdrucksformen bestimmt wird, in dem beispielsweise ein mittelalterliches Fanfarenmotiv in barocke und neuzeitliche Klangvorstellungen übersetzt wird und in sperrigem, unerwartetem Witz endet. Ein gekonntes Kabinettstück!

In Johann Friedrich Faschs Concerto D-Dur, mit dem die Musiker das Konzert eröffneten, bestachen der weiche, liedhafte Ton der beiden Corni da Caccia (u. a. gespielt von Ludwig Güttler) und die ausgewogene Begleitung, die die Charakteristika der sehr geschlossenen Sätze herausarbeitete. Mozarts Divertimento Nr. 3 F-Dur für Streicher KV 138 gefiel durch die Leichtigkeit des Spiels, deren Spannung im zweiten, dem langsamen, Satz aber leider etwas zerfiel, bevor das pfiffige Presto wieder mit Schwung divertierte.

Händels Suite II D-Dur (Wassermusik) strahlte im feierlichen Glanz der Festmusik, die heitere Strenge des Zwiegesprächs zwischen Horn und Trompete wurde im Minuet sogar zum gelösten Tanz, der Eleganz und Genuss versprach, dann nachdenkend innehielt, um rasant und virtuos zum Ende zu kommen.Telemanns Concerto D-Dur entwickelte sich aus dem packenden Gespräch zwischen der 1. Violine und der Trompete, das die barocke Formung und Ausstrahlung klar (im bestechend schönen Grave) und flott (im Presto) variierte. – So ein Konzert mit Ludwig Güttler und den Virtuosi könnte man noch einmal hören!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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