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„Fenster zum Hof“: Betriebshelfer Jens Menn
Hier kommt Hilfe in der Not

Sandra Six, Geschäftsführerin beim Verein Betriebshilfedienst und Maschinenring Siegen-Wittgenstein, und Landwirt Jens Menn in dessen Stall in Oberndorf. Dort hält er Angus- und Holstein-Rinder.
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  • Sandra Six, Geschäftsführerin beim Verein Betriebshilfedienst und Maschinenring Siegen-Wittgenstein, und Landwirt Jens Menn in dessen Stall in Oberndorf. Dort hält er Angus- und Holstein-Rinder.
  • Foto: Andreas Goebel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

goeb Hilchenbach-Oberndorf. Betriebsleiter in der Landwirtschaft sind auch nur Menschen. Sie stecken sich mit Grippe an, sie müssen zur geplanten Knie-OP oder sie verletzen sich beim Klauenschneiden die Hand, und es geht für sie schnurstracks in die Chirurgie. „Das passierte mal in einem Jahr vier Landwirten mehr oder weniger gleichzeitig“, erinnert sich Sandra Six. So etwas kann vorkommen.
Selbstständige kennen diese Not. Wie soll es jetzt mit der Arbeit weitergehen? Besonders brisant ist diese Situation natürlich auf Bauernhöfen, wo sonst niemand aushelfen kann. Schließlich muss die Versorgung der Tiere geregelt werden. Die Kuh gibt pünktlich Milch. Sie kann auf die Rückkehr des Bauern aus dem Krankenhaus nicht warten.

goeb Hilchenbach-Oberndorf. Betriebsleiter in der Landwirtschaft sind auch nur Menschen. Sie stecken sich mit Grippe an, sie müssen zur geplanten Knie-OP oder sie verletzen sich beim Klauenschneiden die Hand, und es geht für sie schnurstracks in die Chirurgie. „Das passierte mal in einem Jahr vier Landwirten mehr oder weniger gleichzeitig“, erinnert sich Sandra Six. So etwas kann vorkommen.
Selbstständige kennen diese Not. Wie soll es jetzt mit der Arbeit weitergehen? Besonders brisant ist diese Situation natürlich auf Bauernhöfen, wo sonst niemand aushelfen kann. Schließlich muss die Versorgung der Tiere geregelt werden. Die Kuh gibt pünktlich Milch. Sie kann auf die Rückkehr des Bauern aus dem Krankenhaus nicht warten.

Verein erhält häufig Hilfegesuche

Dafür gibt es Menschen wie Sandra Six vom Verein Betriebshilfsdienst und Maschinenring Siegen-Wittgenstein oder Landwirt Jens Menn aus Oberndorf bei Hilchenbach. Im Büro von Geschäftsführerin Six im Haus der Land- und Forstwirtschaft in Ferndorf klingelt regelmäßig das Telefon, und oft sind es Hilfegesuche, die reinkommen, seltener Hiobsbotschaften. Kurze Zeit später setzt sich Jens Menn ins Auto und steuert einen Hof in Siegen-Wittgenstein an, den er für Tage oder Wochen bewirtschaften wird.

Zwölf bis 14 Einsätze pro Jahr

Er ist selbst Nebenerwerbslandwirt mit ökozertifiziertem Hof, erzählt er, und seit 2014 fest angestellt beim Selbsthilfeverein. „Klar, da muss man flexibel sein, und man sollte sich gut auf Menschen einstellen können“, berichtet der 31-Jährige. Auf etwa zwölf bis 14 Einsätze im Jahr kommt er durchschnittlich. Das kann um die Ecke sein oder weit weg, in Liebenscheid im Westerwald beispielsweise oder in Elsoff im Wittgensteinischen. „Wir haben etwa 300 Mitglieder“, ergänzt Sandra Six. Zwei Festangestellte wie Jens Menn gibt es und sechs Landwirte im Nebenberuf, die ebenfalls einspringen können.

Selbsthilfe wird großgeschrieben

Selbsthilfe wird großgeschrieben in der Landwirtschaft. Der Verein, berichtet Six, besorge für seine Mitglieder beispielsweise Öl- und Schmierstoffe zum günstigeren Preis für Großabnehmer und – in diesen Jahren ganz wichtig – Stroh und Futtermittel. „Wir haben 2018 überhaupt erstmals Futter vermittelt. Weil wenig Regen gefallen ist, gab es im ganzen Land kaum noch was. Dürre kannten wir hier ja gar nicht. Teilweise haben wir in Frankreich bestellt.“ Auch 2019 blieb der übliche westfälische Landregen aus. „Da konnten wir Futter in Süddeutschland organisieren, weil wir guten Kontakt zu einem Maschinenring in Bayern haben.“ Auch seltener gebrauchte Maschinen, wie Miststreuer oder Grünlandwalzen, können Landwirte beim Verein leihen.

Verein vermittelt die „Feuerwehr-Einsätze“

Aber eben auch Fachkräfte sind gefragt, wenn Unvorhergesehenes passiert. Jens Menn kennt inzwischen viele Ställe, Tiere und Familien in der Region. „Die Technik ist oft ganz verschieden. Einer hat einen Melkstand, der andere vielleicht einen Melkroboter. Auch die Tagesabläufe und die Prioritäten sind auf jedem Hof andere“, hat er festgestellt.
Menns Ausbildung dafür könnte besser nicht sein. Er hat nacheinander Landwirt, Forstwirt und Agrarbetriebswirt gelernt. Über Letzteres ist der Kontakt zum Verein zustande gekommen.
„Wir sind sozusagen der soziale Vermittler zwischen Landwirtschaftlicher Krankenkasse und den Betrieben“, erklärt Sandra Six. In der Kasse sind die Vollerwerbslandwirte pflichtversichert. Mit der Kasse rechnet der Verein letztlich auch ab, der Verein organisiert und vermittelt die „Feuerwehr-Einsätze“.

Ich war mal bei einem Betrieb,
da sagte man mir:
„Da steht der Trecker,
da ist der Stall. Mach!“
Jens Menn
Landwirt und Angestellter
beim Betriebshilfedienst

Menn hat eine 40-Stunden-Woche und ein Arbeitszeitkonto, das es erlaubt, Überstunden anzuhäufen und wieder abzubauen. „So geht es im Allgemeinen übers Jahr ganz gut auf“, ergänzt Sandra Six.
Schaut man dem Oberndorfer am Einsatzort auf die Finger? „Ganz unterschiedlich“, lacht der junge Familienvater. „Ich war mal bei einem Betrieb, da sagte man mir: ,Da steht der Trecker, da ist der Stall. Mach!’“ In anderen Fällen hat er den Betriebsleiter zwei Tage an seiner Seite. Es gebe Höfe, da müsse alles haargenau so gemacht werden wie immer. „Andere fragen mir Löcher in den Bauch: ,Wie machst du das? Wie machen das die anderen?’ Wie gesagt, ich bin da sehr flexibel.“
So kommt es, dass Jens Menn angefragt wird beim Verein, wenn wieder was ist. Man kennt ihn. Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung in einer Größenordnung zwischen 50 und 130 Tieren sind in unserer Region die Regel. Aber auch in Hühnerhaltung kennt er sich aus. „Erst neulich hatte ich auch 800 Hühner zu versorgen“, erzählt er.

Mit den Familien an einem Tisch

Nicht alle haben das Glück, sich wie Menn auf aktive Eltern verlassen zu können, die alle Arbeiten auf einem Hof kennen. Für erkrankte Landwirte und ihre Familien sind Menschen wie Sandra Six vom Verein und Jens Menn Gold wert. Sie wissen: Es geht weiter, auch wenn die Hauptarbeitskraft ausfällt.
Jens Menn macht die Arbeit Spaß, er sitzt oft mit am Tisch in den Familien. Neben vielen netten Menschen, die er über den Job kennenlernt und denen er helfen kann, profitiert auch er. „Klar“, sagt er, „ich gucke mir auch so manches ab.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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