SZ

53 von 74 Mitarbeitern verlieren ihren Job
Hilma-Produktion vor dem Aus

Trübe Aussichten an der Schützenstraße: Die Firma Hilma-Römheld gibt den Produktionsstandort in Hilchenbach auf. Ende des Jahres ist Schluss.
  • Trübe Aussichten an der Schützenstraße: Die Firma Hilma-Römheld gibt den Produktionsstandort in Hilchenbach auf. Ende des Jahres ist Schluss.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

nja Hilchenbach/Wilden. Ende August kam die erste Hiobsbotschaft: Die Geschäftsführung der Hilma-Römheld GmbH mit Sitz an der Schützenstraße in Hilchenbach überlegte laut, die Produktion vor Ort einzustellen. Am Donnerstag dann dies: Nach fast 75 Jahren wird Ende des Jahres das letzte Kapitel in Hilchenbach geschrieben. 53 Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. Das teilten Betriebsrat und  Geschäftsführung auf Anfrage der Siegener Zeitung mit. Die Rede ist von einer „Teilbetriebsschließung“ der Produktion – und dem Aufbau eines neuen Kompetenzzentrums im Wilnsdorfer Ortsteil Wilden.
21 Mitarbeiter wechseln ins KompetenzzentrumBetriebsrat und Geschäftsführung haben demnach nach intensiven Verhandlungen eine Einigung getroffen.

nja Hilchenbach/Wilden. Ende August kam die erste Hiobsbotschaft: Die Geschäftsführung der Hilma-Römheld GmbH mit Sitz an der Schützenstraße in Hilchenbach überlegte laut, die Produktion vor Ort einzustellen. Am Donnerstag dann dies: Nach fast 75 Jahren wird Ende des Jahres das letzte Kapitel in Hilchenbach geschrieben. 53 Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. Das teilten Betriebsrat und  Geschäftsführung auf Anfrage der Siegener Zeitung mit. Die Rede ist von einer „Teilbetriebsschließung“ der Produktion – und dem Aufbau eines neuen Kompetenzzentrums im Wilnsdorfer Ortsteil Wilden.

21 Mitarbeiter wechseln ins Kompetenzzentrum

Betriebsrat und Geschäftsführung haben demnach nach intensiven Verhandlungen eine Einigung getroffen. „21 Mitarbeiter erhalten einen Arbeitsplatz im neuen Kompetenzzentrum und eine Standortsicherung bis Ende 2025.“ Als Gründe für die Umstrukturierung werden vor allem die Corona-Pandemie und strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie genannt. Der Markt für das Segment Werkstückspanntechnik habe sich stark verändert durch die Elektrifizierung der Automobile. Bei der Herstellung von Elektromotoren sei weniger Zerspanung notwendig. Damit reduziere sich auch der Bedarf an Spanntechnik. Das reduzierte Geschäftsvolumen könne die Fixkosten des Standorts nicht mehr decken.

Umstrukturierung reichte nicht aus

Schon Anfang 2020 wurden durch Umstrukturierungen Stellen abgebaut, um die sinkenden Umsatzzahlen aufzufangen. Dieser Abbau wurde mit einem Freiwilligenprogramm hauptsächlich für Mitarbeiter kurz vor der Rente abgewickelt. „Leider konnte die Umstrukturierung jedoch die Produktivität nicht so weit verbessern, dass die auch durch die Corona-Krise erhöhten Einbußen aufgefangen werden konnten.“ Auch Kurzarbeit im Vorjahr verringerte die Kosten nicht ausreichend. Ende August dann kam besagte Hiobsbotschaft für die Produktion – für Betriebsrat und Belegschaft überraschend. Die Bereiche Konstruktion, Vertrieb und Service sollten in einem neu gebildeten Kompetenzzentrum weiter bestehen bleiben.

Chefetage lehnte Sanierungskonzept ab

In Zusammenarbeit mit der Belegschaft vor allem der betrieblichen Führungskräfte erarbeitete der Betriebsrat ein Sanierungskonzept. Damit hätten nach eigener Abschätzung der Standort Hilchenbach gesichert und die schlechte Produktivität gesteigert werden können. Es sah u. a. die Weiterführung der Kurzarbeit vor. Der wirtschaftliche Berater des Betriebsrats hatte den Angaben zufolge die Tragfähigkeit des Konzepts bestätigt.
In Anbetracht der „unvorhersehbaren Konjunkturentwicklung durch die strukturellen Veränderungen in der Automobilwirtschaft, des nicht einschätzbaren Verlaufs dieser Veränderungen und der weiteren negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Maschinenbau“ jedoch wurde es von Geschäftsleitung und Gesellschaftern abgelehnt.

„Unter den gegebenen Umständen verträglich“

Die anschließenden Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung hätten nun ein Ergebnis gebracht, das „unter den gegebenen Umständen verträglich“ sei, hieß es am Donnerstag. Die IG Metall war mit im Boot, und es musste eine Moderation einberufen werden.
„Dem Betriebsrat ist es gelungen, dass fast jedem Mitarbeiter ein Angebot gemacht werden kann, wodurch 2021 keine Arbeitslosigkeit beginnen muss.“ Dazu werde eine Transfergesellschaft gegründet. „Es wurde eine Basishöhe an Abfindung ausgehandelt, deren Betrag im Einzelfall durch eine einvernehmliche Lösung erhöht wird. Die Schließung der Produktion wird zum 31. Dezember 2021 größtenteils abgewickelt sein. Lediglich der Ausbildungsbereich wird bis zum 30. Juni 2022 in Hilchenbach weitergeführt.“

Produktprogramm bleibt erhalten

Von den 53 Mitarbeitern, die ihre Tätigkeit verlieren, sind 30 über 50 Jahre alt. „Die qualifizierte und langjährige Ausbildung bzw. Berufserfahrung lässt mit Unterstützung der Transfergesellschaft und einer angebotenen Transferagentur auf eine schnelle Wiedereinbindung in die Arbeitswelt hoffen“, äußern sich Geschäftsführung und Betriebsrat optimistisch.
Für die 21 Mitarbeiter im künftigen Kompetenzzentrum wurde eine Standortsicherung bis 2025 ausgehandelt. In einem angemieteten Bürokomplex auf der Landeskrone sollen „moderne Kommunikationsmöglichkeiten mit Ausstellungsfläche für Kundengespräche entstehen“. Vertrieb, Entwicklung und Service sollen mit kurzen Wegen „für agiles Arbeiten in der Einheit zusammengefasst“ werden. Die Römheld-Gruppe betont, dass auch nach der Schließung der Hilchenbacher Produktion das gesamte Produktprogramm an Schraubstöcken sowie Werkzeugspann- und Wechseltechnik zur Verfügung steht.
Was geschieht mit Grundstück und Gebäuden? Dazu gibt es noch keine detaillierten Pläne: Ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen.

IG Metall: Schließung wäre nicht nötig Aus Gewerkschaftssicht wäre die Schließung des Hilma-Römheld-Standorts Hilchenbach überhaupt nicht notwendig. Andree Jorgella, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall Siegen, bedauert im SZ-Gespräch den Ausgang „zäher und harter“ Verhandlungen. „Wir haben unter schwierigen Bedingungen versucht, noch das Beste für die Beschäftigten herauszuholen.“ Eine Schließung zu verhindern, sei leider nicht möglich gewesen, sondern lediglich diese zu „gestalten“. Dabei habe es durchaus Chancen gegeben, den Standort zu sichern. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse erzielt und „keine Krise gekannt“. Aus Jorgellas Sicht handelt es sich bei der Standortschließung um eine rein unternehmerische Entscheidung, die aus wirtschaftlicher Sicht nicht zwingend sei. Die Arbeitgeberseite habe keinerlei Interesse an alternativen Möglichkeiten gehabt. „Die Leidtragenden sind die Beschäftigten“, bedauert der Gewerkschaftssprecher. Jan Schäfer
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen