Hohe Streichquartettkunst

Das Verdi-Quartett Köln gastierte im Busch-Theater

G.S. Dahlbruch. Zum 71. Konzert ihrer Reihe Meisterliche Kammermusik konnte die Brüder-Busch-Gesellschaft am Dienstagabend das Verdi-Quartett Köln begrüßen. In drei Streichquartetten – »B-Dur, KV 458« von Wolfgang Amadeus Mozert, »F-Dur« von Maurice Ravel und »a-Moll, op.41/1« von Robert Schumann – ließen Susanne Rabenschlag und Peter Stein (Violinen), Karin Wolf (Viola) und Andrei Melik (Violoncello) mit frischer Unmittelbarkeit das jeweilige Gesetz dieser glanzvollen Kompositionen erstehen.

Im Mozart-Opus bewiesen die Künstler bereits im Kopfsatz, wie persönlich dieses Genie ein Allerweltsmotiv thematisch zu formen und auch unter Verzicht auf ein ausgeprägtes Gegenthema von der ersten bis zur letzten Note fesselnd zu gestalten wusste. Das »Menuett« strahlte viel Wärme und Nachdrücklichkeit aus. Ganz charmant kokettierte das »Trio« mit seinem Getupfe, seinen Sforzati und Mollseufzern. Innere und äußere Ausgewogenheit des Ausdrucks sprachen aus dem Herzstück, einem innigen »Adagio«. Es war, als ob Quartettmusik im Dämmerlicht einer Kathedrale erklänge. Beim Schlusssatz war es schwer zu beurteilen, ob er Mozart oder dem Widmungsträger Haydn zuzuordnen sei. Die frohgemute Volksweise sprach für den älteren Meister, doch war die feinfühligere Handschrift von »Amadeus« auch nicht zu verkennen. Das Verdi-Quartett meisterte die heiteren Probleme, soweit sie mit Temperament und musikantischem Einsatz zu bewältigen sind.

Bei Ravel besticht immer wieder der ungewöhnliche Sinn für den Zauber des Klanges und des malerischen Empfindens der Thematik. Dieser feinen Farbmischungen wegen ist auch sein »F-Dur-Streichquartett« noch ganz dem Impressionismus verhaftet. In der erstaunlichen Stimmdemokratie des Vortrags am Dienstag schienen Sparteneinteilung und vertikale Gliederung aufgehoben. Trotz trefflichen Raffinements blieb die musikalische Seite relativ traditionalistisch, aber eben sehr brillant. Das Verdi-Quartett spielte sich in einen wahren Rausch des Temperaments und der Perfektion. Nicht dramatisch zugespitzt, sondern lyrisch mild kam die differenzierte Eleganz des Kopfsatzes daher. Nach der klanglichen Balance des energisch-virtuosen »Assez vif« ließen die Künstler im »Tres lent« mit unglaublicher Zartheit die nächtliche Stille hörbar werden. Selbst die von persönlicher Signatur geprägten rhythmischen Akzente verloren sich im »Finale« wie hinter einem Schleier und vermittelten in einer großen Quartettstunde einen Hauch von Claude Monet.

Nach der Pause näherten sich die »Verdis« völlig unbefangen der deutschen Romantik in Schumanns »Streichquartett a-Moll op. 41/1«. Sie nahmen diese Kammermusik sehr ernst und spielten ihre Rhythmen und Gesänge mit vehementem Elan und melodischem Charme. Aus dem intimen »Introduzione« führten zwei kurze Akkordschläge in das lebendig aufgelockerte »Allegro«. Vom schwebenden Klang bis zur polyphonen Verdichtung nahmen alle vier Instrumente am vergnüglichen Musizieren gleichen Anteil. Auch im geistvoll bewegten Presto-Hauptteil des »Scherzo« herrschte eine Gespanntheit, die nur im »Intermezzo« von der idyllischen Ruhe schillernder Harmonien unterbrochen wurde. Sieht man jedoch auf tönende Schönheit, dann gebührte dem »Adagio« mit seiner edel strömenden Melodik die Krone. Hier schwärmte und schwelgte Schumanns gefühlstiefes Romantikerherz. Von stärkster Triebkraft und heller Jugendfrische zeugte im Schlusssatz das sieghaft ins Dur vorstoßende »Presto«. Das Busch-Theater versank minutenlang in stürmischen Beifall nicht nur für das Schumann-Quartett, sondern auch für Mozarts Heiterkeit und Ravels hochentwickelten Klangsinn. Erst nach zwei Zugaben – »Südamerikanische Saiten-Sprünge«, nach Motiven aus Haydns Quintenquartett von Werner Thomas-Mifune bearbeitet, und John Lennons »Yesterday«, im Arrangement von Thomas Rabenschlag – verebbte die Begeisterung im Konzertsaal.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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